Das Konzept ist einfach, transaktional und pikant: Sex gegen Geheimnisse. Zugleich kann es illegal sein und nach dem Spionagegesetz von 1917 strafrechtlich verfolgt werden.
Eine ausländische Frau – attraktiv, elegant gekleidet und selbstbewusst – sprach einen ehemaligen US-Soldaten an, der inzwischen als hochrangiger Verteidigungsauftragnehmer tätig war. Sie beantwortete seine Fragen zu dem Unternehmen, für das sie angeblich arbeitete. Doch noch am selben Tag nahm ihr Interesse eine deutlich persönlichere Wendung: Sein Handy wurde mit anzüglichen Nachrichten überflutet.
„Was machst du heute Abend?“
„Komm doch auf einen Drink vorbei.“
Es war eine Falle.
Solche sogenannten „Honeytraps“ – also das gezielte Einsetzen von Verführung zur Informationsbeschaffung – gibt es seit Staaten Geheimdienste einsetzen, um an die Geheimnisse rivalisierender Nationen zu gelangen. Robin Dreeke, ehemaliger FBI-Spezialagent im Bereich Gegenspionage, sagte: „Autoritäre Regierungen tun alles, um zu gewinnen. Alles.“
US-Geheimdienstmitarbeiter warnen, dass insbesondere China, Russland und Nordkorea sämtliche denkbaren Spionagetaktiken einsetzen, um diplomatische, militärische, technologische und wissenschaftliche Vorteile zu erlangen. Dazu gehören das Einschleusen von Personen in Universitäten und Denkfabriken, Wirtschaftsspionage, Cyberangriffe – und eben auch klassische Verführungsoperationen.
„Honeytraps“ im digitalen Zeitalter
Trotz moderner Überwachungstechnologien sind einfache, persönliche Verführungsversuche weiterhin wirkungsvoll. Das Versprechen von Intimität gegen Informationen kann unter das Spionagegesetz fallen, wenn dadurch nationale Verteidigungsinformationen weitergegeben werden.
Bei einer Veranstaltung der „Association of the United States Army“ (AUSA) in Washington, einer der größten Militärmessen Nordamerikas, soll eine mutmaßlich für eine asiatische Regierung arbeitende Frau versucht haben, sowohl den ehemaligen Soldaten als auch einen hochrangigen Armeeoffizier in kompromittierende Situationen zu bringen. Die Identitäten der Betroffenen wurden nicht veröffentlicht. Das FBI ermittelt.
Solche Vorfälle bleiben oft geheim, weil sie klassifiziert sind oder für die Beteiligten äußerst peinlich sein können. Studien des US-Verteidigungsministeriums zeigen, dass in vielen bekannten Spionagefällen finanzielle Motive eine größere Rolle spielten als romantische Beziehungen – doch Sexspionage bleibt eine reale, wenn auch schwer zu quantifizierende Methode.
Spionage „in aller Öffentlichkeit“
Neben gezielten Verführungsversuchen berichten Insider von auffälligen Beobachtungen rund um sensible Einrichtungen wie das Pentagon. So sollen dort wiederholt Personen – teils als Touristen getarnt – versucht haben, Sicherheitsabläufe und Bewegungsmuster zu beobachten.
Experten betonen: Moderne Spionage besteht weniger aus spektakulären Verfolgungsjagden als aus geduldiger Informationssammlung. Selbst scheinbar banale Beobachtungen können wertvolle Hinweise liefern – etwa darauf, wer wann ein- oder ausgeht.
Auch soziale Netzwerke spielen eine zentrale Rolle. Laut FBI verschickt China zehntausende Kontaktanfragen pro Stunde über Plattformen wie LinkedIn, um Fachleute und Wissenschaftler anzusprechen. Häufig werden großzügige Honorare für Konferenzen angeboten – mit dem Ziel, Wissen abzuschöpfen.
Der britische Politiker Iain Duncan Smith warnt vor einer „gesamtgesellschaftlichen Strategie“, bei der gezielt Ingenieure, Investoren, Akademiker und sogar Studierende angesprochen werden.
Naivität und reale Fälle
Einige Fälle zeigen, wie weitreichend die Folgen sein können:
-
2025 wurde ein Mitarbeiter der US-Luftwaffe zu über fünf Jahren Haft verurteilt, nachdem er über eine ausländische Dating-Plattform als streng geheim eingestufte Informationen weitergegeben hatte. Er glaubte, mit einer Frau zu kommunizieren, die romantisches Interesse an ihm hatte. In einer Nachricht hieß es: „Du bist mein Geheimagent. Mit Liebe.“
-
Ein pensionierter Oberstleutnant der US-Armee erhielt 2014 eine siebenjährige Haftstrafe, nachdem er vertrauliche Dokumente an seine chinesische Partnerin weitergegeben hatte.
-
In einem weiteren Fall soll ein Verteidigungsmanager im Ausland wiederholt von Prostituierten aufgesucht worden sein, offenbar um ihn erpressbar zu machen.
Historische Wurzeln
Sexspionage ist kein neues Phänomen. Bereits im 18. Jahrhundert warnte George Washington vor der Gefahr, durch „leichtfertige Frauen“ manipuliert zu werden. Berühmte Beispiele sind die Tänzerin Mata Hari, die 1917 als mutmaßliche deutsche Spionin hingerichtet wurde, oder der spektakuläre „M. Butterfly“-Fall, bei dem ein französischer Diplomat jahrzehntelang glaubte, mit einer Frau liiert zu sein, die in Wirklichkeit ein chinesischer Geheimdienstoffizier war.
Auch während des Kalten Krieges setzten sowjetische Agentinnen – sogenannte „Schwalben“ – gezielt auf Verführung.
Spionage nimmt zu
Ein Bericht des US-Repräsentantenhauses warnte 2025, dass die Kommunistische Partei Chinas in vier Jahren über 60 bekannte Spionagefälle auf amerikanischem Boden durchgeführt habe – vermutlich seien es weit mehr.
Geheimdienstexperten sagen, es gebe keine verlässlichen Statistiken über Sexspionage. Sicher sei jedoch: Die Gesamtzahl der Spionageaktivitäten steige.
Und ein ehemaliger FBI-Agent bringt es nüchtern auf den Punkt: Wenn man selbst eher unscheinbar ist und sich plötzlich eine außergewöhnlich attraktive Person auffällig stark interessiert, sollte man misstrauisch werden.
Kommentar hinterlassen