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Apotheken als Lebensretter? Studie zeigt, wie leicht sich Herzrisiken erkennen lassen

Phylum (CC0), Pixabay
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben in Österreich wie in vielen Ländern die Todesursache Nummer eins – doch viele Betroffene wissen lange nichts von ihrer eigenen Gefahr. Eine neue wissenschaftliche Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt nun eindrucksvoll, dass Apotheken hier eine Schlüsselrolle übernehmen könnten: Schon mit einfachen Screeningtests lassen sich bisher unerkannt gebliebene Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte oder auffälliges Cholesterin feststellen.

Herzkrankheiten – ein unterschätztes Risiko

35 Prozent aller Todesfälle in Österreich im Jahr 2023 gingen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück. Die Hauptgefahren heißen Diabetes, Bluthochdruck und überhöhte Blutfette – Faktoren, die beeinflussbar wären, wenn sie rechtzeitig erkannt würden. Doch weltweit bleiben fast die Hälfte aller Typ-2-Diabetes-Fälle unentdeckt. „Wir haben es hier mit einer enormen Dunkelziffer zu tun“, erklärt Studienautor Thorsten Bischof von der MedUni Wien.

Apotheken als Gesundheitswächter

Für die Untersuchung arbeiteten Klinische Pharmakologen und öffentliche Apotheken zusammen. Zwischen November und Dezember 2024 wurden Kunden über 18 Jahre in 47 Wiener Apotheken untersucht. Mit dabei: standardisierte Blutdruckmessungen, einfache Bluttests auf Cholesterin sowie den Langzeitblutzuckerwert HbA1c. Auch der Body-Mass-Index wurde einbezogen. „Es ging nicht um bereits bekannte Erkrankungen, sondern darum, Menschen zu finden, deren Risiko bislang niemand auf dem Radar hatte“, so die Forscher.

Das Ergebnis ist alarmierend: Mehr als die Hälfte der 445 untersuchten Personen wies ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Auffällige Werte bei vielen Teilnehmern

  • 21 Prozent der Probanden zeigten erhöhte HbA1c-Werte – darunter 17 Prozent mit Vorstufen von Diabetes und 4 Prozent mit Werten, die einer manifesten Diabeteserkrankung entsprechen.

  • 16 Prozent hatten Blutdruckwerte im kritischen Bereich von über 140/90 mmHg.

  • Insgesamt lag der Blutdruck der Risikogruppe bei 139 mmHg systolisch, während der Durchschnitt bei 130 mmHg lag.

  • Auch Cholesterinwerte und BMI waren in der Hochrisikogruppe deutlich erhöht.

Besonders auffällig: Die gefährdeten Personen waren im Durchschnitt älter (61,5 Jahre) und rauchten häufiger als der Gesamtdurchschnitt.

Vom Test zur Therapie – ein weiter Weg

Die Apotheken empfahlen Betroffenen, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch nicht alle folgten diesem Rat. Nur etwa zwei Drittel der Befragten gaben drei Monate später an, tatsächlich einen Arzt aufgesucht zu haben. Immerhin hatte fast die Hälfte von ihnen in der Zwischenzeit eine neue oder angepasste Behandlung begonnen.

Für die Wissenschaftler zeigt sich hier ein entscheidendes Problem: „Wir haben mit den Apotheken ein wirkungsvolles Frühwarnsystem gefunden. Aber die Kette reißt, wenn die Betroffenen das Ergebnis nicht weiterverfolgen.“

Streitpunkt zwischen Ärzten und Apothekern

Der Befund dürfte die ohnehin hitzige Diskussion zwischen Ärztekammer und Apothekern neu anfachen. Seit Jahren ringen beide Berufsgruppen darum, wer in Österreich wie stark in der Gesundheitsvorsorge eingebunden sein soll. Während Ärzte die Kompetenz klar bei sich sehen, verweisen Apotheker auf ihre Nähe zu den Menschen und die unkomplizierte Durchführung solcher Tests. Seit kurzem ist es rechtlich abgesichert, dass Apotheken einfache Bluttests anbieten dürfen – ein entscheidender Fortschritt, wie Studienleiter Bischof betont.

Fazit der Forscher

Die Untersuchung zeigt klar: Apotheken können ein wichtiger Baustein in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Die Studie macht aber auch deutlich, dass Screening allein nicht reicht. Nur wenn die Ergebnisse eng mit ärztlicher Betreuung verknüpft werden, lassen sich schwere Krankheiten verhindern oder zumindest abmildern.

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind kein Schicksal“, resümiert Co-Autor und Apothekerkammerpräsident Philipp Saiko. „Wer Risiken frühzeitig erkennt, kann gegensteuern – und genau das können Apotheken leisten.“

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