Ein Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime, Bautzen, über Werbung für Rohstoffunternehmen wie Powermax Minerals
Redaktion: Herr Reime, derzeit kursiert im Netz eine stark beworbene Anzeige zur Powermax Minerals Inc., einem Explorationsunternehmen für Seltene Erden. Was ist aus rechtlicher Sicht von solchen Kampagnen zu halten?
Jens Reime: Grundsätzlich ist es zulässig, dass Unternehmen für sich werben – auch im Finanzbereich. Problematisch wird es jedoch, wenn dabei eine gewisse Euphorie erzeugt wird, die nicht im Einklang mit den tatsächlichen Risiken steht. Bei Powermax Minerals handelt es sich um ein klassisches Frühphasen-Explorationsunternehmen ohne gesicherte Produktionskapazität. Das ist wichtig zu verstehen.
Redaktion: Die Anzeige ist sehr ausführlich, spricht von geopolitischen Chancen, strategischen Partnerschaften und Projekten in den USA und Kanada. Ist das irreführend?
Reime: Nicht unbedingt. Aber man muss differenzieren: Die Anzeige ist eine bezahlte Werbemitteilung, und das steht auch deutlich dabei. Doch solche Texte arbeiten oft mit wohlklingenden Formulierungen wie „Zugang zu einem Megatrend“ oder „massives Potenzial“. Das ist emotionalisierende Sprache – sie ersetzt keine fundierte Bewertung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens.
Redaktion: Also Vorsicht bei Superlativen?
Reime: Ganz genau. Begriffe wie „Flaggschiffprojekt“, „bohrreif“ oder „Schlüsselrohstoffe der Zukunft“ sollen Anleger emotional abholen. Es fehlt aber in vielen Fällen an unabhängiger Analyse. Und das ist bei Investments in den Rohstoffsektor besonders kritisch: Diese Aktien sind in der Regel hoch spekulativ. Es gibt keine Einnahmen, oft nicht einmal bestätigte Ressourcen. Stattdessen lebt das Geschäftsmodell vom Kapital der Anleger.
Redaktion: In der Anzeige wird auf den wachsenden Bedarf an Seltenen Erden und geopolitische Trends verwiesen. Ist das ein valides Argument?
Reime: Der globale Bedarf ist real, keine Frage. Aber das heißt nicht automatisch, dass jedes Unternehmen in diesem Bereich erfolgreich sein wird. Die Eintrittsbarrieren sind hoch – sowohl technologisch als auch finanziell. Allein ein Explorationsprojekt erfolgreich in Produktion zu bringen, dauert Jahre und kostet oft hunderte Millionen. Und genau da liegt das Risiko für Anleger: Viele Junior-Explorer schaffen diesen Übergang nicht.
Redaktion: Die Werbeanzeige weist am Ende in einem langen Disclaimer auf Risiken und Interessenskonflikte hin. Reicht das aus?
Reime: Juristisch ist das korrekt und wichtig – aber in der Praxis lesen viele diesen Abschnitt nicht. Dabei steht dort genau das, was man wissen sollte: Dass EDM eine Million US-Dollar für die Werbekampagne erhalten hat, dass es sich um keine objektive Analyse handelt und dass die Investition mit erheblichen Risiken verbunden ist – bis hin zum Totalverlust.
Redaktion: Was würden Sie interessierten Anlegern raten?
Reime: Zuerst: Nicht vorschnell handeln. Wer sich für solche Aktien interessiert, sollte eigenständig recherchieren – etwa über offizielle Quellen wie SEDAR (Kanada) oder die SEC (USA). Zudem empfehle ich, einen zugelassenen Finanzberater einzuschalten, insbesondere wenn man nicht mit Explorationswerten vertraut ist. Und man sollte sich bewusst sein: Nur ein sehr kleiner Teil solcher Frühphasenunternehmen erreicht jemals wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Redaktion: Ein abschließendes Wort?
Reime: Investitionen in Rohstoffe können sinnvoll sein – aber sie erfordern Sachverstand, Risikobewusstsein und kritisches Denken. Man sollte sich nie allein auf bezahlte Werbekampagnen verlassen. Anleger haben eine Verantwortung für ihr Kapital – und die beginnt mit fundierter Information.
Hinweis: Dieses Interview wurde redaktionell erstellt und basiert auf einer hypothetischen Gesprächssituation mit dem erfahrenen Anlegeranwalt Jens Reime aus Bautzen. Es dient der Aufklärung und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Rechtsberatung
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