In einem Moment, der traditionell Hoffnung, Zusammenhalt und Zuversicht vermittelt, entschied sich Donald Trump für das Gegenteil: eine düstere, aggressive Weihnachtsbotschaft, gesendet zur besten Sendezeit. Statt Trost oder Empathie präsentierte er ein Bild Amerikas als „verfallenes Land“, das er angeblich mühsam wieder aufbaue – eine Rhetorik, die eher an Wahlkampfveranstaltungen als an eine staatsmännische Ansprache erinnerte.
Ziel war es offensichtlich, von den schlechten Umfragewerten abzulenken: Mit aktuell nur 39 % Zustimmung und wachsender Kritik selbst aus den eigenen Reihen – darunter ein bemerkenswerter Kommentar von Marjorie Taylor Greene, die von einem „Dammbruch“ innerhalb der Republikaner sprach – versucht Trump, seine Basis zu mobilisieren.
Doch genau hier liegt sein strategischer Fehler: Er versucht, die Wähler davon zu überzeugen, dass die Realität nicht so schlimm sei, wie sie sie selbst erleben – trotz hoher Lebenshaltungskosten, teurer Mieten, steigender Krankenkassenbeiträge und zuletzt gestiegener Arbeitslosigkeit. Trumps wiederholtes Mantra „alles wird besser“ wirkt realitätsfern und fast schon belehrend, während er gleichzeitig seinem Vorgänger Biden weiter die Schuld gibt – ein Argument, das sich laut Umfragen zunehmend abnutzt.
Besonders problematisch: Trump ignoriert die Sorgen vieler Amerikaner. Statt Lösungen anzubieten, erklärt er die Kritik an der wirtschaftlichen Lage zum „Hoax“. Selbst wenn er vereinzelte Fortschritte vorweisen kann – etwa leicht sinkende Inflationsraten oder geplante Steuererleichterungen – bleibt der Eindruck bestehen, dass er den Kontakt zur Lebenswirklichkeit vieler Bürger verloren hat.
Seine Ansprache war zudem stark von einer polarisierenden „Law and Order“-Rhetorik geprägt. Statt Versöhnung vor Weihnachten gab es scharfe Worte gegen Migranten, politische Gegner und die Medien. Auch dies mag seine Stammwählerschaft ansprechen, wirkt aber für unabhängige Wähler zunehmend abschreckend – ein Risiko mit Blick auf die Zwischenwahlen und den langfristigen Erhalt der knappen republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus.
Was Trump am meisten fehlt, ist der Ton staatsmännischer Führung. Seine Ansprache glich eher einem improvisierten Posting auf Truth Social – laut, wütend, selbstgerecht. Selbst gut gemeinte Maßnahmen wie der „Warrior Bonus“ für Soldaten gingen in der allgemeinen Rhetorik unter.
Fazit: Trumps Weihnachtsansprache war keine besinnliche Botschaft, sondern ein politisches Signal an seine Basis – doch es war zugleich ein Mahnmal für seine derzeitige Schwäche. Wer in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit mit Selbstlob, Beschuldigungen und abgehobenen Erfolgsparolen reagiert, läuft Gefahr, sich von der breiten Wählerschaft zu entfremden. Ob die Wiederholung alter Rezepte Trumps politische Zukunft retten kann, bleibt mehr als fraglich.
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