Kurzfazit
Die Beteiligung wirkt aus Investorensicht:
- operativ grundsätzlich stabil,
- technisch solide,
- aber deutlich risikoreicher und schwächer profitabel als viele Anleger vermutlich erwartet hatten.
Die Gesellschaft ist kein „Wachstumsinvestment“, sondern eher:
ein langfristig finanzierter Windpark mit planmäßig abschmelzender Substanz und stark schwankenden Erträgen.
2024 war klar enttäuschend:
- Umsätze massiv eingebrochen,
- Verlust entstanden,
- Ausschüttungen liefen dennoch weiter.
Das ist der zentrale Punkt für Anleger.
1. Was besitzt die Gesellschaft eigentlich?
Die Gesellschaft besitzt im Wesentlichen:
- 2 Windenergieanlagen in Jeggeleben,
- Baujahr/Inbetriebnahme: 2015,
- Erwerb durch die Gesellschaft: 2018.
Das gesamte Geschäftsmodell hängt also praktisch an:
- nur zwei Windrädern,
- einem Standort,
- einer Windregion,
- einer Technologie,
- einem Betreiberkonzept.
Das ist eine hohe Klumpenrisiko-Struktur.
2. Bilanzqualität
A) Eigenkapitalquote überraschend gut
Eigenkapital:
- 3,56 Mio. €
Bilanzsumme:
- 6,57 Mio. €
Eigenkapitalquote:
≈54%\approx 54\%
Das ist für einen Windparkfonds relativ solide.
Viele vergleichbare Projekte liegen deutlich niedriger.
Aber:
Das Eigenkapital ist wirtschaftlich schwächer als es aussieht.
Warum?
Denn die Gesellschaft hat bereits:
- 3,43 Mio. € an Anleger ausgeschüttet,
- gleichzeitig aber kumulierte Verluste aufgebaut.
Dadurch schrumpft die reale Substanz.
B) Hohe stille Problematik:
Ausschüttungen trotz Verlusten
2024:
- Jahresverlust: –153 T€
- trotzdem Ausschüttung:
- rund 796 T€.
Das ist aus Investorensicht kritisch.
Denn:
Die Ausschüttungen stammen nicht aus Gewinnen,
sondern im Wesentlichen aus:
- Liquidität,
- Abschreibungsgegenwerten,
- Fremdkapitaltilgungseffekten.
Das ist bei Windfonds zwar häufig,
aber Anleger verwechseln das oft mit „Rendite“.
Tatsächlich handelt es sich wirtschaftlich teilweise um:
Rückzahlung des eigenen Kapitals.
C) Das Verlustkonto wächst
Verlustkonto:
- inzwischen: –1,22 Mio. €.
Das bedeutet:
Ein erheblicher Teil der ursprünglichen Anlegergelder ist bilanziell bereits aufgezehrt.
3. Ertragslage – der wichtigste Punkt
A) Dramatischer Umsatzeinbruch
Umsatz:
- 2023: 2,44 Mio. €
- 2024: 1,09 Mio. €
Rückgang:
−55%-55\%
Das ist extrem.
Ursachen:
- schwaches Windjahr,
- deutlich niedrigere Strompreise.
Das zeigt:
Das Geschäftsmodell ist sehr stark abhängig von:
- Wetter,
- Strommarkt,
- EEG-/Direktvermarktungslogik.
B) Operatives Ergebnis kippt in die Verlustzone
2023:
- +1,17 Mio. € Betriebsergebnis
2024:
- –98 T€ Betriebsergebnis.
Das ist keine kleine Schwankung,
sondern ein massiver Einbruch.
C) Problem:
Nur zwei Anlagen
Bei großen Windparks gleichen sich Schwankungen besser aus.
Hier nicht.
Wenn:
- Wind schwach ist,
- Reparaturen auftreten,
- regulatorische Probleme entstehen,
trifft das sofort die gesamte Gesellschaft.
D) Positiv:
Technischer Betrieb wirkt sehr stabil
Die Verfügbarkeit lag:
- nahezu bei 100 %.
Das spricht für:
- gute Wartung,
- stabile Technik,
- professionellen Betrieb.
Das reduziert das technische Risiko.
4. Liquidität und Schulden
A) Liquidität
Bankguthaben:
- 514 T€.
Das ist ordentlich,
aber nicht übermäßig komfortabel.
Wichtig:
Davon sind:
- 181 T€ zweckgebundene Reserve
für Kreditdienst.
Frei verfügbar also deutlich weniger.
B) Verschuldung
Bankdarlehen:
- 2,85 Mio. €.
Die Finanzierung läuft bis:
- Ende 2032.
Positiv:
Die Tilgung schreitet planmäßig voran.
2024 wurden:
- 518 T€ getilgt.
Das senkt das Risiko über die Zeit deutlich.
C) Aber:
Cashflow sinkt stark
2024:
- Liquiditätsüberschuss vor Abschreibungen:
- 696 T€
2023:
- 1,94 Mio. €.
Das zeigt:
Der Puffer ist viel kleiner geworden.
5. Der entscheidende Anlegerpunkt:
Wie nachhaltig sind die Ausschüttungen?
Die Gesellschaft zahlte:
- 2023: 796 T€
- 2024 erneut 796 T€.
Das ist bemerkenswert,
denn gleichzeitig wurde Verlust gemacht.
Das funktioniert aktuell nur, weil:
- Abschreibungen nicht zahlungswirksam sind,
- die Anlagen Cashflow erzeugen,
- die Bankenfinanzierung langsam sinkt.
ABER:
Das Modell funktioniert nur solange:
- keine größeren Reparaturen auftreten,
- Windjahre nicht dauerhaft schwach bleiben,
- Strompreise nicht weiter fallen.
Kritischer Punkt:
Die Gesellschaft könnte Ausschüttungen künftig senken müssen.
Der Lagebericht deutet das indirekt an:
„geringere Auszahlungen an Anleger möglich“
Das ist ein Warnsignal.
6. Technische Lebensdauer / Zukunft
A) Abschreibung endet 2031
Bilanzielle Restnutzungsdauer:
- bis 30.11.2031.
B) EEG-Förderung endet 2035
Das ist positiv.
Es bleiben:
- etwa 4 Jahre EEG-Förderung nach vollständiger Abschreibung.
Das kann wirtschaftlich attraktiv sein,
wenn:
- die Anlagen technisch durchhalten,
- Wartungskosten kontrollierbar bleiben.
C) Großes Langfristrisiko:
Alternde Windanlagen
Die Anlagen sind:
- seit 2015 in Betrieb,
- also inzwischen technisch mittelalt.
Mit zunehmendem Alter steigen typischerweise:
- Wartungskosten,
- Ausfallrisiken,
- Ersatzteilprobleme.
Die aktuell hohe Verfügbarkeit muss nicht dauerhaft bleiben.
7. Risiken aus Investorensicht
Sehr hohe Wetterabhängigkeit
2024 zeigt brutal, wie stark Windjahre das Ergebnis beeinflussen.
Strompreisrisiko
2023 profitierte die Gesellschaft massiv von hohen Marktpreisen.
2024 brach das wieder weg.
Konzentrationsrisiko
Nur zwei Anlagen.
Ausschüttungsillusion
Hohe Auszahlungen ≠ hohe Gewinne.
Viele Anleger unterschätzen das.
Regulatorische Risiken
EEG, Einspeisemanagement, Naturschutzauflagen.
Totalverlustrisiko
Wird im Bericht ausdrücklich genannt.
Das ist bei Vermögensanlagen gesetzlich vorgeschrieben —
aber hier durchaus realistisch denkbar bei schweren Störungen.
8. Positiv aus Investorensicht
Gute Eigenkapitalquote
54 % ist solide.
Planmäßige Entschuldung
Bankdarlehen sinken kontinuierlich.
Technisch stabiler Betrieb
Nahezu 100 % Verfügbarkeit.
Kein Hinweis auf akute Insolvenzgefahr
Going Concern ausdrücklich bestätigt.
EEG-Restlaufzeit bis 2035
Noch mehrere Jahre gesicherte Förderung.
9. Wie ich die Beteiligung insgesamt einschätzen würde
Für bestehende Anleger:
Die Beteiligung wirkt derzeit:
- überlebensfähig,
- aber deutlich volatiler als viele Prospekte suggerieren.
Die Ausschüttungen erscheinen momentan noch tragfähig —
jedoch nicht unangreifbar.
Für neue Anleger:
Das Chance-Risiko-Profil ist eher mittelmäßig.
Denn:
- keine Diversifikation,
- alternde Anlagen,
- hohe Wetterabhängigkeit,
- schwankende Strompreise,
- bereits erhebliche Kapitalrückflüsse.
Das ist kein defensives Infrastrukturinvestment mehr,
sondern eher:
eine Cashflow-orientierte Restlaufzeitbeteiligung.
Gesamturteil
Positiv
- solide Eigenkapitalquote,
- sinkende Bankschulden,
- funktionierende Anlagen,
- laufender Cashflow,
- EEG-Sicherheit bis 2035.
Negativ
- nur zwei Windräder,
- starke Ergebnisvolatilität,
- Verlust 2024,
- Ausschüttungen trotz Verlusten,
- sinkende wirtschaftliche Puffer,
- hohes Wetter- und Strompreisrisiko.
Anlegerfazit in einem Satz
Die Beteiligung ist aktuell noch stabil finanzierbar, lebt aber stark von laufendem Cashflow und günstigen Betriebsbedingungen — die hohen Ausschüttungen wirken attraktiver, als die tatsächliche Ertragskraft der Gesellschaft derzeit ist.
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