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Alle Jahre wieder: Die große Uhrendreherei – Europas beliebtester Zeitsport steht wieder an

RosZie (CC0), Pixabay
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Ach ja, die Uhrumstellung – dieses wunderbare, über Jahrzehnte liebevoll gepflegte Relikt aus einer Zeit, in der man glaubte, mit ein bisschen Zeigerdreherei den Lauf der Sonne austricksen zu können. Zweimal im Jahr dürfen wir also kollektiv an unseren Weckern drehen und uns einreden, dass wir dadurch irgendetwas gewonnen haben – vielleicht Energie, vielleicht Produktivität, vielleicht einfach nur das gute Gefühl, irgendwas getan zu haben.

Die Idee dahinter war ja ursprünglich ganz nobel: Tageslicht besser nutzen, Energie sparen, den Kapitalismus effizienter machen. Nur dumm, dass im Jahr 2025 die meisten Menschen nachts Netflix schauen, die Straßenlaternen Tag und Nacht leuchten und Kühlschränke sich nicht dafür interessieren, ob gerade Sommer- oder Winterzeit ist. Aber wer will schon Logik, wenn man auch Tradition haben kann?

Ein Kontinent im Takt der Verwirrung

Und so beginnt das alljährliche Schauspiel: Millionen Menschen diskutieren mit ernster Miene, ob man die Uhr vor oder zurück stellt. Die Eselsbrücke „Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst zurück in den Schuppen“ hat längst den Rang eines kulturellen Erbes erreicht. Nur schade, dass sie am Sonntagmorgen um drei Uhr nicht wirklich hilft, wenn man halb schlaftrunken auf das Handy starrt und sich fragt: „War’s das jetzt schon – oder kommt gleich noch eine Stunde?“

Während digitale Geräte längst selbst entscheiden, wann sie die Zeit wechseln, kämpfen Mikrowellen, Backöfen und Wanduhren weiterhin tapfer für die analoge Fraktion. Irgendwo im Land sitzt garantiert ein pensionierter Uhrmacher, der an diesem Wochenende Hochkonjunktur hat.

Und wer jetzt glaubt, dass wenigstens die Bahn das System verstanden hat – nun ja: Willkommen in Deutschland! Dort schafft man es, jede Stunde mindestens einmal zu verspätet zu sein. Eine zusätzliche Stunde Zeitverschiebung ist da schon fast künstlerische Performance.

Das große Leiden der Menschheit

Natürlich dürfen auch die jährlichen Expertenwarnungen nicht fehlen. Pünktlich zur Umstellung erklären Schlafforscher, dass eine Stunde Zeitverschiebung „den menschlichen Biorhythmus nachhaltig stört“. Manche Menschen reagieren darauf, als wäre ihnen der Jetlag einer interkontinentalen Raumfahrt verpasst worden. In Wahrheit geht’s um 60 Minuten, aber hey – man soll ja nicht unterschätzen, was ein durchschnittlicher Europäer mit einer Stunde anstellen kann: meckern, Kaffee trinken, oder beides gleichzeitig.

Zahlreiche Medien melden traditionsgemäß: „Vermehrte Unfälle nach Zeitumstellung!“ – als ob Millionen Menschen plötzlich die Kontrolle über ihr Leben verlieren, nur weil es eine Stunde früher dunkel wird.

Die nie endende EU-Komödie

Besonders charmant ist, dass die Europäische Union schon 2019 feierlich beschlossen hat, die Zeitumstellung abzuschaffen. Seitdem diskutiert man tapfer darüber, ob künftig Sommerzeit oder Winterzeit gelten soll. Und während sich Brüssel in Zeitschleifen verliert, drehen sich die Uhren weiter. Vermutlich wird man die Lösung finden, sobald die Menschheit auf dem Mars lebt – dann aber selbstverständlich mit passender Mars-Sommerzeit.

Einige Länder hatten sogar kurz gehofft, schon bald „ewige Sommerzeit“ genießen zu dürfen. Doch schnell wurde klar: Wenn man in Finnland im Dezember um 10 Uhr morgens Sonnenaufgang hat, ist das mit „ewig“ so eine Sache.

Die Stunde der Selbsttäuschung

Was bleibt also? Eine Stunde Schlafgewinn – oder -verlust, je nach Jahreszeit – und das kollektive Gefühl, ein bisschen aus dem Takt geraten zu sein. Menschen kommen zu früh oder zu spät, verpassen Busse, Videokonferenzen oder Frühstückstermine. Radiomoderatoren machen Witze, Politiker reden von „Harmonisierung“, und irgendjemand twittert: „Ich habe keine Ahnung, welche Zeit es ist, aber mein Kaffee weiß es.“

Die Uhrumstellung ist längst mehr als eine organisatorische Maßnahme. Sie ist ein psychologisches Experiment, eine europäische Therapieform, um uns daran zu erinnern, dass Zeit nur ein Konstrukt ist – eines, das uns zuverlässig jedes halbe Jahr verwirrt.

Fazit: Die Zeit läuft – nur nicht für uns

Und so werden wir auch dieses Mal wieder brav unsere Uhren umstellen. Manche von Hand, manche automatisch, manche gar nicht. Eine halbe Stunde später wird alles wieder laufen wie vorher – abgesehen von ein paar übermüdeten Gesichtern und einer Flut von Memes im Internet.

Bis die Politik sich irgendwann wirklich entscheidet, ob wir in Zukunft „ewig Sommer“ oder „ewig Winter“ haben sollen, bleibt es beim halbjährlichen Zeitsport der Nation.

Also, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Dreht an euren Uhren, nicht durch.
Denn die Zeitumstellung ist wie der Montagmorgen der Geschichte – keiner will sie, aber sie kommt trotzdem.

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