Startseite Allgemeines „All You Can Fly“ – außer das, was Sie wirklich brauchen: Wizz Air kassiert 500.000-Euro-Strafe für irreführendes Flug-Abo
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„All You Can Fly“ – außer das, was Sie wirklich brauchen: Wizz Air kassiert 500.000-Euro-Strafe für irreführendes Flug-Abo

skyradar (CC0), Pixabay
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Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat Wizz Air nun offiziell bescheinigt, was viele Abo-Kunden bereits vermuteten:
Das vollmundig beworbene Jahresabo „Wizz All You Can Fly“ war weniger grenzenlose Freiheit, sondern eher ein undurchsichtiges Labyrinth aus Beschränkungen, Unklarheiten und Klauseln, die der Airline alle Optionen offenließen – den Kunden dagegen so gut wie keine.

Dafür verhängt die AGCM eine Strafe von 500.000 Euro. Ein Betrag, der gemessen an den Milliardenumsätzen der Airline überschaubar ist – aber ein klares Signal setzt:
Mit unbegrenzten Versprechen darf man keine Verbraucher ködern, wenn am Ende mehr Grenzen als Leistung geliefert werden.

Das Werbeversprechen: „Fliege, so viel du willst!“

Die Realität: „Wenn du darfst. Falls es geht. Vielleicht.“

Das Abo wurde als revolutionäre Freiheitsofferte verkauft:
Unbegrenzte Flüge für ein Jahr. Auf allen internationalen Wizz-Air-Strecken. Zum Festpreis.

Doch laut den Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde fehlten entscheidende Informationen:

  • Wie viele Plätze für Abo-Kunden tatsächlich pro Flug reserviert sind – unklar.

  • Wie weit im Voraus gebucht werden muss – unklar.

  • Ob an beliebten Terminen überhaupt Abo-Plätze verfügbar sind – unklar.

  • Welche Flughäfen eingeschlossen sind – teilweise unpräzise.

  • Welche Routen ausgeschlossen sind – oft nur im Kleingedruckten.

Die AGCM betont, das Abo sei „nicht wie beworben unbegrenzt, sondern erheblich beschränkt“.

Marketing: grenzenlos.
Wirklichkeit: streng limitiert.

Eine Vertragskonstruktion, die Wizz Air alle Türen offen lässt

Besonders heikel: Wizz Air behielt sich in den untersuchten AGB das Recht vor, den Dienst einseitig zu ändern oder komplett einzustellen – und zwar ohne begründeten Anlass.

Für Kunden bedeutete das:

  • Kein garantierter Leistungsumfang

  • Keine verlässliche Planbarkeit

  • Kaum realistische Chancen auf Rückerstattung

Selbst wenn der Heimatflughafen des Kunden nicht mehr bedient wurde, war das Abo nicht ohne Weiteres kündbar.
Die Behörde nennt die Klauseln „missbräuchlich“ – ein juristisches Gewichtswort.

Ein massives Machtgefälle: Die Kunden tragen das Risiko – die Airline den Profit

Die Wettbewerbsbehörde kritisiert:

  • Einseitige Vertragsgestaltung zugunsten der Airline

  • Schikanöse Einschränkungen des Widerrufsrechts

  • Unklare Regeln für Erstattungen

  • Fehlende Transparenz bei Flugkontingenten

  • Unpräzise Preisversprechen

Das führe zu einem „erheblichen Ungleichgewicht“ – in der EU einer der schwerwiegendsten Befunde im Verbraucherschutzrecht.

Für Verbraucher bedeutet das:
Was wie ein grenzenloses Flug-Abo aussah, war eher ein Risikoprodukt mit eingebautem Frustfaktor.

Ein Präzedenzfall – und ein Warnsignal für die gesamte Branche

Wizz Air ist nicht die einzige Airline, die auf „Abo-Modelle“ setzt. Die AGCM gehört zu den strengsten Aufsichtsbehörden Europas – und solche Schritte lösen häufig Dominoeffekte aus:

  • Andere EU-Staaten könnten ähnliche Verfahren einleiten.

  • Neue EU-Richtlinien für Abo-Modelle im Reisebereich sind denkbar.

  • Airlines werden bei Marketingversprechen künftig vorsichtiger sein müssen.

Das Urteil zeigt auch eine strukturelle Entwicklung:
Billigflieger stehen zunehmend unter Druck – wirtschaftlich wie regulatorisch.
Und sie versuchen, mit kreativen, aber nicht immer verbraucherfreundlichen Modellen neue Einnahmen zu generieren.

Fazit: Ein Abo für unbegrenzte Flüge? Gute Idee – wenn Airlines es ehrlich meinen.

Das Urteil gibt klar vor: Wer „unendlich“ sagt, muss auch unendliche Transparenz liefern.

Ein Satz aus der Entscheidung der Behörde bringt es auf den Punkt:

„Ein unbegrenztes Angebot darf nicht durch versteckte Einschränkungen begrenzt werden.“

Wizz Air muss nun die Konsequenzen tragen – und möglicherweise steht die gesamte Branche vor einem Umdenken.

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