Nach dem Start der Militäraktion „Epic Fury“ im Iran steht US-Präsident Donald Trump innenpolitisch unter Druck. Teile seiner eigenen MAGA-Bewegung reagieren skeptisch bis empört auf den Einsatz – und stellen damit die Geschlossenheit seines politischen Lagers vor den wichtigen Zwischenwahlen infrage.
Trump war mit dem Versprechen angetreten, die USA aus „endlosen Kriegen“ im Nahen Osten herauszuhalten. Nun sorgt ausgerechnet ein groß angelegter Militäreinsatz gegen Iran für Unmut unter jenen Anhängern, die seine „America First“- und Anti-Interventions-Rhetorik über Jahre unterstützt haben.
Prominente Kritik aus dem eigenen Lager
Besonders scharf äußerte sich der langjährige Trump-Unterstützer Tucker Carlson. In einem Interview bezeichnete der frühere FOX-News-Moderator die am 28. Februar gestartete Operation als „absolut abstoßend und böse“.
Auch Erik Prince, Unternehmer im Bereich privater Militärdienstleistungen und Trump-Verbündeter, zeigte sich enttäuscht. In einem Podcast sagte er: „Ich sehe nicht, wie das mit dem MAGA-Versprechen des Präsidenten vereinbar ist.“
Die frühere republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene warf Trump und seinem Team in mehreren Beiträgen in sozialen Medien vor, ihre Wähler zu verraten. „Wir haben für America First und null Kriege gestimmt“, schrieb sie und kritisierte insbesondere den Tod von drei US-Soldaten im Zuge der Operation als „unnötig und inakzeptabel“.
Debatte um Regimewechsel
Zusätzliche Brisanz erhält die Kritik durch die Rhetorik der Regierung zum Thema Regimewechsel. Trump hatte bekannt gegeben, dass Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei bei dem Angriff getötet worden sei, und rief die iranische Bevölkerung dazu auf, das Regime zu stürzen.
Das steht im Kontrast zu früheren Aussagen Trumps. Beim Parteitag der Republikaner 2016 hatte er erklärt: „Wir müssen die gescheiterten Politiken des Nation Building und des Regimewechsels aufgeben.“
Für manche Unterstützer wirkt die aktuelle Strategie daher wie eine Abkehr von zentralen Wahlkampfversprechen.
Rückhalt von Parteifreunden
Gleichzeitig stellen sich viele republikanische Politiker demonstrativ hinter den Präsidenten. Der langjährige Trump-Berater Jason Miller betonte, die Prioritäten der MAGA-Bewegung seien identisch mit denen des Präsidenten – „Punkt“.
Der konservative Kommentator Dan Bongino forderte Kritiker auf, Trump Zeit zu geben: „Könnt ihr dem Mann nicht wenigstens ein paar Minuten geben, bevor ihr alles schlechtredet?“
Auch Senator Lindsey Graham verteidigte die Operation als vereinbar mit „America First“. Das bedeute keinen Isolationismus, sagte er. Zugleich betonte er, es werde keine US-Bodentruppen im Iran geben.
Umfragen zeigen Zurückhaltung
Umfragen deuten jedoch auf eine gewisse Skepsis in der Bevölkerung hin. Eine Erhebung der Universität Maryland zwei Wochen vor dem Angriff ergab, dass nur 21 Prozent der US-Erwachsenen einen Militärschlag gegen Iran befürworteten – darunter 40 Prozent der Republikaner. Nach Beginn der Operation lag die Zustimmung laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage bei 27 Prozent insgesamt, unter Republikanern bei 55 Prozent.
Anders als bei einem früheren, begrenzten Schlag gegen iranische Nuklearanlagen im vergangenen Jahr, der ohne US-Opfer blieb und keine breite Eskalation nach sich zog, zeichnet sich der aktuelle Konflikt als offener und potenziell langwieriger ab.
Risiko für die Zwischenwahlen
Mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen könnte die Entwicklung politisch heikel werden. Ein längerer Konflikt mit steigenden Opferzahlen könnte die Mobilisierung der republikanischen Basis erschweren.
Mercedes Schlapp, eine frühere Regierungsmitarbeiterin unter Trump und zuvor unter George W. Bush, warnte in einem Interview, eine aggressivere militärische Strategie gegenüber Iran könne den Republikanern schaden. Sie verwies auf ihre Erfahrungen während des Irakkriegs, der „sehr schnell unpopulär“ geworden sei.
Ob sich die Kritik innerhalb der MAGA-Bewegung verfestigt oder – wie bei früheren Kontroversen – wieder abschwächt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich der Konflikt militärisch und politisch weiterentwickelt.
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