Was wäre, wenn Ihre Reisen im Jahr 2027 mehr Nutzen als Schaden anrichten könnten?
Bei der Wahl eines Reiseziels spielen längst nicht mehr nur Preis und Jahreszeit eine Rolle. Viele Menschen beschäftigen sich inzwischen mit Massentourismus, den Auswirkungen ihrer Reise und der Frage, wie sie ein Land möglichst authentisch erleben können.
Im „Travel & Sustainability Report 2026“ von Booking.com erklärten 43 Prozent der weltweit 32.500 Befragten, überfüllte Reiseziele vermeiden zu wollen. Etwa die Hälfte dieser Gruppe plant außerdem, auf Aktivitäten zu verzichten, die einheimischen Wildtieren schaden oder die lokale Bevölkerung ausbeuten.
Während manche Urlaubsorte ihre Besucherzahlen reduzieren möchten und dafür sogar Touristensteuern erheben, werben andere Regionen ausdrücklich um mehr Gäste.
Der Veranstalter Intrepid Travel hat deshalb seine „Not Hot List“ für 2027 veröffentlicht. Darauf stehen zehn bislang wenig besuchte Reiseziele, die auf Touristen vorbereitet sind und wirtschaftlich von zusätzlichen Gästen profitieren könnten.
Die Liste wurde von lokalen Reiseführern und Fachleuten des Unternehmens anhand dreier Kriterien erstellt: geringe bisherige Besucherzahlen, vorhandene touristische Infrastruktur und neue Angebote für das Jahr 2027.
Erica Kritikides, bei Intrepid Travel für Reiseerlebnisse verantwortlich, erklärte, der Tourismus könne nur dann dauerhaft Gutes bewirken, wenn immer wieder neu darüber nachgedacht werde, wie und wohin die Menschen reisen. Die Liste solle nicht nur unbekanntere Orte vorstellen, sondern Reisende zu Zielen führen, an denen ihr Besuch einen spürbaren Beitrag zur lokalen Gemeinschaft und Wirtschaft leisten könne.
Samburu-Nationalreservat in Kenia
Wer schon lange von einer Safari träumt, findet im Samburu-Nationalreservat im Norden Kenias eine ruhigere Alternative zur bekannten Masai Mara. Dort lassen sich Löwen, Elefanten, Oryxantilopen und zahlreiche weitere Tierarten beobachten, ohne dass sich viele Geländewagen gleichzeitig um die besten Aussichtspunkte drängen.
Das Reservat empfängt nur ungefähr ein Zehntel der Besucher der Masai Mara. Einnahmen aus dem Tourismus unterstützen unmittelbar die Samburu-Bevölkerung und örtliche Naturschutzprojekte.
Mestia in Georgien
Mestia liegt in der Bergregion Oberswanetien und ist von eindrucksvollen Gipfeln sowie mittelalterlichen Dörfern mit charakteristischen Wehrtürmen umgeben. Im Sommer locken ausgedehnte Wanderwege, während sich die Region in den Wintermonaten in ein Ziel für Skifahrer verwandelt.
Mit der Eröffnung des Skigebiets Tetnuldi im Jahr 2026 entwickelt sich Mestia zunehmend zu einer Wintersportregion, die nach Einschätzung von Intrepid sogar mit bekannten Orten wie Aspen konkurrieren könnte.
Das nördliche Hochland Jordaniens
Jordanien ist vor allem für die Felsenstadt Petra bekannt, die zu den sieben neuen Weltwundern zählt. Das Land hat jedoch deutlich mehr zu bieten.
Im nördlichen Hochland können Reisende durch geschützte Waldgebiete wandern, Vögel beobachten und historische Stätten aus römischer, islamischer und osmanischer Zeit besuchen. Übernachtungen in privat geführten Pensionen ermöglichen einen engeren Kontakt zur örtlichen Bevölkerung und sorgen dafür, dass ein größerer Teil der Reiseausgaben in der Region bleibt.
Whitehorse in Kanada
Whitehorse ist die Heimat der Kwanlin Dün First Nation und des Ta’an Kwäch’än Council. Die Hauptstadt des Yukon gilt als ideales Ziel für Reisende, die in den Ferien lieber kühlere Temperaturen als tropische Hitze suchen.
Die Region empfängt nur einen Bruchteil der Besucher, die jedes Jahr nach British Columbia reisen. Dafür bietet sie unberührte Natur, Hunderte Kilometer lange Wege, von Gletschern gespeiste Seen und ausgedehnte Fichtenwälder.
Zu den möglichen Aktivitäten gehören Mountainbiken, Kajakfahren auf dem Yukon River und Baden in heißen Quellen. Naturfreunde finden dort zahlreiche weitere Möglichkeiten, die weit über diese Angebote hinausgehen.
Alonnisos in Griechenland
Während bekannte griechische Inseln wie Santorini mit den Folgen des Massentourismus kämpfen, ist Alonnisos weiterhin ein ruhiges und entspanntes Reiseziel mit großer landschaftlicher Vielfalt.
Die umliegenden Gewässer gehören zu einem geschützten Meerespark. Taucher können dort Griechenlands einziges Unterwassermuseum erkunden: ein Schiffswrack aus dem fünften Jahrhundert vor Christus.
Die Insel hat außerdem mehrere Nachhaltigkeitsprojekte gestartet. Dazu gehören Recyclingprogramme, die Nutzung erneuerbarer Energien und eine bessere Verwertung biologischer Abfälle.
Dili in Timor-Leste
Nur wenige internationale Urlauber reisen bislang nach Timor-Leste. Der südostasiatische Inselstaat bietet jedoch klares Wasser, eindrucksvolle Berglandschaften und weitgehend unberührte Strände.
Die Tourismusbranche des Landes befindet sich noch im Aufbau. Neue Flugverbindungen von Darwin in Australien und Kuala Lumpur in Malaysia sollen die Anreise erleichtern und mehr Besucher in die Hauptstadt Dili sowie andere Teile des Landes bringen.
Der Pekoe Trail in Sri Lanka
Der Pekoe Trail in Sri Lanka ist ein gemeinschaftlich organisiertes Tourismusprojekt. Verwaltet wird die Route von einer gemeinnützigen Organisation, die damit örtliche Gemeinschaften und den Schutz der Natur unterstützen möchte.
Der rund 300 Kilometer lange Wanderweg führt durch abgelegene Dörfer, vorbei an Wasserfällen und buddhistischen Tempeln. Reisende übernachten unterwegs häufig in privat geführten Pensionen oder bei einheimischen Familien. Dadurch profitieren die Menschen entlang der Strecke direkt vom Tourismus.
Liepāja in Lettland
Wer über eine Reise ans Mittelmeer nachdenkt, könnte anstelle des stark besuchten Dubrovnik die lettische Hafenstadt Liepāja wählen. Die noch unterschätzte Stadt bietet eine abwechslungsreiche Geschichte, ein lebendiges Kulturangebot und breite weiße Sandstrände – ohne die üblichen Touristenmassen.
Liepāja trägt 2027 den Titel Kulturhauptstadt Europas. Die Stadt besitzt eine lange Tradition der klassischen Musik und bietet zahlreiche Konzerte, Opernaufführungen und weitere Kulturveranstaltungen.
Carretera Austral in Chile
Wer Patagonien erleben, aber den Besucherandrang im Nationalpark Torres del Paine vermeiden möchte, findet mit der Carretera Austral eine reizvolle Alternative.
Die teilweise asphaltierte Straße wird von den Einheimischen auch Ruta 7 genannt. Sie führt durch die Region Aysén im Süden Chiles und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Kajakfahren und Fliegenfischen. Unterwegs lässt sich außerdem der Vulkan Chaitén besichtigen.
Die chilenische Regierung hat 2026 mit der Verbesserung der Straße begonnen. Dadurch soll die Route künftig leichter und sicherer zu befahren sein.
Dalsland in Schweden
Dalsland eignet sich für Reisende, die den nordischen Lebensstil und weitgehend unberührte Natur kennenlernen möchten. Die nahe der norwegischen Grenze gelegene Region wird wegen ihrer zahlreichen Gewässer auch als schwedisches Seenland bezeichnet.
Mehr als 2.000 Seen, Granitschluchten und große Waldgebiete bieten ideale Bedingungen zum Kajakfahren, Campen und Radfahren. Obwohl Dalsland bisher vergleichsweise wenige Touristen empfängt, ist die Region inzwischen einfacher erreichbar.
Seit Juni verbindet eine direkte Bahnstrecke Malmö und Oslo. Dadurch können Reisende Dalsland komfortabler erreichen und eine weniger bekannte Seite Skandinaviens entdecken.
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