Startseite Allgemeines 75 Jahre Peanuts: Depressionen, Demütigungen und ein Hund, der besser lebt als wir alle
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75 Jahre Peanuts: Depressionen, Demütigungen und ein Hund, der besser lebt als wir alle

PublicDomainPictures (CC0), Pixabay
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Charlie Brown hat nie ein Football gekickt, Lucy verdient sich mit fünf Cent Psychotherapie ein goldenes Taschengeld, Linus hängt an seiner Schmusedecke wie andere an ihrem Handy – und Snoopy führt ein erfüllteres Doppelleben als die meisten CEOs. Willkommen im Universum der „Peanuts“, das seit genau 75 Jahren Kinder (und vor allem Erwachsene) daran erinnert: Das Leben ist unfair, aber immerhin kann man darüber lachen.

Demütigung als Running Gag

Die Psychologie der „Peanuts“ ist einfach erklärt: Scheitern gehört zum Programm. Charlie Brown versucht, ein Held zu sein – und schafft es doch nur, eine historische Niederlagenserie im Baseball aufzustellen. Lucy zieht ihm beim Kick-Off jedes einzelne Mal den Ball weg. Und wenn er sich mal professionell beraten lässt, bekommt er von eben dieser Lucy gegen Kleingeld Diagnosen, die selbst Sigmund Freud den Bleistift hätten fallen lassen.

Snoopy – der Hund, der eigentlich wir alle sein wollen

Während Charlie Brown über das Leben grübelt, macht Snoopy einfach das, was wir alle gern täten: auf dem Dach liegen, imaginär gegen den „Roten Baron“ fliegen und zwischendurch als Anwalt oder Schriftsteller Karriere machen – ohne Bewerbungsgespräch, ohne Bewerbungsmappen, einfach so.
Kurz: Snoopy ist nicht nur Hund, sondern Inbegriff der Work-Life-Balance.

Erwachsene? Bloß nicht!

Eltern, Lehrer, Erwachsene überhaupt – im „Peanuts“-Kosmos sind sie die große Leerstelle. Bestenfalls hört man sie als dumpfes Gemurmel aus dem Off. Schulz hat das vielleicht geahnt: Erwachsene verderben jede gute Pointe. Oder wie Charlie Brown sagen würde: „Ich glaube, das Problem ist, dass wir viel zu früh ins Leben geworfen werden.“ (Und niemand fängt uns auf – außer Lucy, aber nur, um uns dann wieder fallen zu lassen.)

Bosheit trifft Solidarität

Das Wunder der „Peanuts“ ist: Aus Zynismus wird Humor. Die Figuren demütigen einander unentwegt, doch ausgerechnet in diesem ewigen Schlagabtausch entsteht Wärme. Wer im echten Leben den Ball so oft weggezogen bekäme wie Charlie, hätte längst den Verein gewechselt. Aber nicht bei Schulz. Hier ist das Leiden ein Running Gag – und damit irgendwie tröstlich.

75 Jahre später

Heute laufen die alten Strips noch immer in Zeitungen, Snoopy ist auf Apple TV+ zu sehen und ganze Generationen wissen: Glück ist eine Hundehütte. Charles M. Schulz ist seit über 20 Jahren tot, aber seine Figuren leben weiter – gefangen in ihren Mustern, unverbesserlich, scheiternd und trotzdem liebenswert.

Und so bleibt das vielleicht schönste Vermächtnis der „Peanuts“: Sie zeigen uns, dass selbst das Scheitern eine Pointe haben kann – solange ein Hund dabei auf dem Dach schläft.

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