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15 Jahre Haft für frühere Militärführer in El Salvador wegen Mordes an niederländischen Journalisten

MoFarrelly (CC0), Pixabay
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Mehr als vier Jahrzehnte nach dem blutigen Mord an vier niederländischen Journalisten während des Bürgerkriegs in El Salvador hat ein Geschworenengericht nun drei ehemalige hochrangige Militärs schuldig gesprochen. Die früheren Offiziere wurden zu jeweils 15 Jahren Haft verurteilt. Es ist eines der aufsehenerregendsten Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit den Verbrechen des zentralamerikanischen Bürgerkriegs.

Die Journalisten Koos Koster, Jan Kuiper, Johannes Jan Wilemsen und Hans ter Laag waren 1982 für den niederländischen Sender IKON Television in El Salvador unterwegs. Während ihrer Recherche gerieten sie im Norden des Landes, in der Provinz Chalatenango, in einen militärischen Hinterhalt. Damals begleitete die Journalisten eine Gruppe ehemaliger Guerillakämpfer der linksgerichteten Farabundo Martí National Liberation Front (FMLN), von denen einige bewaffnet waren.

Bereits 1993 hatte eine UN-Wahrheitskommission festgestellt, dass das tödliche Feuergefecht keineswegs zufällig entstanden war. Vielmehr sei der Hinterhalt gezielt und geplant gelegt worden, um die Journalisten zu töten.

Die jetzt verurteilten Offiziere sind der ehemalige Verteidigungsminister General José Guillermo García (91), der frühere Chef der Schatzpolizei Francisco Morán (93) und der einstige Kommandeur der Infanteriebrigade Mario Reyes (85). Das Urteil wurde in Abwesenheit der Angeklagten gefällt: García und Morán befinden sich unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus, Reyes lebt derzeit in den USA. El Salvador bemüht sich nach eigenen Angaben um seine Auslieferung.

„Wahrheit und Gerechtigkeit haben gesiegt, wir haben gewonnen“, erklärte Oscar Perez von der Menschenrechtsorganisation Comunicándonos Foundation, die die Angehörigen der getöteten Journalisten unterstützt. Endlich stünden die Opfer im Mittelpunkt – nicht mehr die Täter, so Perez.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Strafen von 15 Jahren unter Berücksichtigung des hohen Alters und der gesundheitlichen Lage der Angeklagten beantragt.

Zusätzlich zu den Haftstrafen verurteilte das Gericht auch den Staat El Salvador symbolisch für seine jahrzehntelange Untätigkeit und Verzögerung bei der juristischen Aufarbeitung. Als Teil dieser zivilrechtlichen Verurteilung wurde El Salvadors Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Nayib Bukele, verpflichtet, sich öffentlich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen.

Der Bürgerkrieg in El Salvador (1980–1992) kostete rund 75.000 Menschen das Leben. Tausende gelten bis heute als vermisst. Die brutale Auseinandersetzung zwischen den von den USA unterstützten Regierungstruppen und der linken Guerilla hinterließ tiefe Spuren im Land. Die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen verläuft bis heute schleppend.

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