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Zwischen Lichterglanz und Leere: Wie Initiativen Menschen durch einsame Feiertage helfen

BiancaVanDijk (CC0), Pixabay
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Weihnachten und Silvester gelten als Zeit der Nähe, der Familie und der Gemeinschaft. Für viele Menschen sind die Feiertage jedoch mit Einsamkeit verbunden – ein Gefühl, das sich gerade in dieser Jahreszeit besonders verstärkt. Die Psychiaterin Karin Gutierrez-Lobos beschreibt die Weihnachtszeit als Phase „erhöhter sozialer Erwartungen“. Wer diesen Erwartungen nicht entspricht oder keinen sozialen Rückhalt hat, empfindet Einsamkeit häufig intensiver als im restlichen Jahr.

Dabei ist Einsamkeit kein Randproblem. Laut einer Studie von Caritas und dem SORA-Institut fühlen sich in Österreich rund 570.000 Menschen mehr als die Hälfte der Zeit einsam. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg bei jungen Menschen. Die Notrufnummer 147 verzeichnete im Jahr 2025 deutlich mehr Beratungsgespräche als im Vorjahr. Einsamkeit betrifft damit längst nicht nur ältere Menschen, sondern zieht sich durch alle Altersgruppen.

Einen konkreten Gegenentwurf zu dieser Isolation bietet die Initiative „Keinerbleibtallein“. Gegründet wurde sie von Christian Fein, der aus eigener Erfahrung handelte. Vor acht Jahren verbrachte er selbst Weihnachten und Silvester allein. Aus dieser Situation heraus entstand zunächst eine digitale Aktion auf der Plattform X unter dem Hashtag „#KeinerTwittertAllein“. Die große Resonanz führte schließlich dazu, dass aus dem Online-Projekt eine reale Vermittlungsinitiative wurde.

Heute bringt „Keinerbleibtallein“ Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen – besonders rund um die Feiertage. Über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram können sich Interessierte melden, die entweder Gesellschaft suchen oder anbieten möchten. Ein ehrenamtliches Team versucht anschließend, vor Ort passende Begegnungen zu ermöglichen. Dabei werden Alter, Geschlecht und teilweise auch persönliche Einstellungen berücksichtigt, um möglichst stimmige Kontakte herzustellen.

Die Zahlen zeigen, wie groß der Bedarf ist. Seit 2017 wurden rund 350.000 Teilnahmen gezählt, davon 20.000 bis 30.000 in Österreich. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in Wien, doch auch in anderen Städten wächst das Interesse. Dennoch kann nicht jede Anfrage erfüllt werden. Anmeldungen werden zwar noch bis kurz vor Weihnachten bearbeitet, eine Vermittlung ist jedoch nicht garantiert.

Christian Fein rät deshalb dazu, sich zusätzlich einen persönlichen Plan für die Feiertage zurechtzulegen. Kleine Rituale wie ein Spaziergang, ein bewusst gestalteter Abend oder ein Film können Struktur geben und verhindern, dass das Gefühl der Leere überhandnimmt. Gerade ungeplante Feiertage könnten Einsamkeit verstärken, betont er.

Aus fachlicher Sicht ist Einsamkeit ein subjektives Empfinden. Gutierrez-Lobos beschreibt sie als Diskrepanz zwischen den vorhandenen und den gewünschten sozialen Beziehungen. Entscheidend ist dabei nicht, ob jemand allein ist oder von Menschen umgeben – auch im Kreis der Familie kann Einsamkeit entstehen.

Initiativen wie „Keinerbleibtallein“ zeigen, dass Einsamkeit kein individuelles Scheitern ist, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung. Gerade rund um Weihnachten und Silvester können einfache Begegnungen, Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten helfen, das Gefühl des Alleinseins zu durchbrechen – und zumindest für einen Moment Nähe zu schaffen, wo sie sonst fehlen würde.

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