In den Vereinigten Staaten sind am Dienstag zwei zum Tode verurteilte Männer durch eine Giftspritze hingerichtet worden. Die Doppelhinrichtung sorgt sowohl national als auch international für Diskussionen über die Legitimität und Ethik der Todesstrafe.
Der 72-jährige Samuel Smithers starb im Staatsgefängnis von Florida, nachdem der Gouverneur den Hinrichtungsbefehl unterzeichnet hatte. Smithers, ein ehemaliger Kirchendiener, war 1999 wegen des Mordes an zwei Frauen zum Tode verurteilt worden. Seine Verteidiger hatten zuletzt erfolglos auf geistige Einschränkungen und psychische Erkrankungen verwiesen, um die Vollstreckung zu verhindern. Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte einen letzten Aufschub wenige Stunden vor der Exekution ab.
Fast zeitgleich wurde im Bundesstaat Missouri der 48-jährige Lance Shockley hingerichtet. Er hatte im Jahr 2005 den Polizeibeamten Carl Graham erschossen, nachdem dieser wegen eines Verkehrsunfalls gegen ihn ermittelte. Nach Angaben der Behörden zeigte Shockley während der Hinrichtung keine Emotionen. Angehörige des Opfers waren bei der Vollstreckung anwesend.
Mit den beiden Fällen steigt die Zahl der in den USA vollstreckten Todesurteile in diesem Jahr auf 18, wie das Death Penalty Information Center (DPIC) mitteilte. Allein Florida hat im laufenden Jahr bereits fünf Menschen hingerichtet – so viele wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisierten die Exekutionen scharf. Amnesty bezeichnete die Todesstrafe als „grausames Relikt vergangener Zeiten“, das weder abschrecke noch den Opfern wirklich Gerechtigkeit bringe.
Auch die Vereinten Nationen äußerten sich wiederholt kritisch gegenüber dem anhaltenden Einsatz der Todesstrafe in den USA. Besonders beanstandet werden ungleiche Verfahren, rassistische Voreingenommenheit und der Umgang mit geistig behinderten Verurteilten.
Hinrichtungen trotz schwindender Unterstützung
Während einige Bundesstaaten wie Texas, Florida, Oklahoma und Missouri weiterhin regelmäßig Hinrichtungen durchführen, haben mittlerweile 23 US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft. Weitere 13 wenden sie de facto nicht mehr an, obwohl sie gesetzlich noch besteht.
In Kalifornien, wo mehr als 700 Menschen in der Todeszelle sitzen, gilt seit Jahren ein Moratorium. Der demokratische Gouverneur Gavin Newsom nannte die Todesstrafe „moralisch unvereinbar mit einer zivilisierten Gesellschaft“.
Trotz der wachsenden Kritik halten konservativ regierte Bundesstaaten an der Todesstrafe fest. Floridas Gouverneur Ron DeSantis erklärte jüngst, er sehe darin „ein legitimes Mittel zur Wahrung von Recht und Ordnung“.
Weitere Hinrichtungen geplant
Für die kommenden Tage sind laut US-Justizbehörden zwei weitere Exekutionen in den Bundesstaaten Texas und Oklahoma angesetzt. In beiden Fällen handelt es sich um Verurteilungen wegen besonders brutaler Morddelikte.
Während Gegner der Todesstrafe erneut auf ein Umdenken hoffen, deuten die aktuellen Entwicklungen auf das Gegenteil hin: In Teilen der USA erlebt die Todesstrafe eine politische Renaissance – trotz internationaler Kritik und der anhaltenden Zweifel an ihrer abschreckenden Wirkung.
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