In den American Girl Cafés herrscht wieder Hochbetrieb – aber nicht nur wegen Kindern. Immer mehr junge Erwachsene kehren dorthin zurück, um sich einen lange gehegten Kindheitstraum zu erfüllen. Zwischen Puppenstühlen, Mini-Teetassen und Burgern feiern heute 20- bis 30-Jährige Geburtstage oder machen nostalgische Ausflüge mit Freund:innen – und manchmal auch mit ihren alten Puppen.
„Es war, als wäre ich wieder sieben Jahre alt“, sagt Kelly Knodel, die ihren 23. Geburtstag im Café in Chicago verbrachte – zusammen mit elf Freundinnen und einer Puppe an jedem Platz. Einige brachten ihre alten Puppen mit, andere liehen sich welche vor Ort. Die Cafés stellen Puppensitze und Accessoires kostenlos bereit.
Auf Plattformen wie TikTok zeigen viele junge Erwachsene, wie sie Erlebnisse nachholen, die ihnen als Kinder verwehrt blieben. Für Fiona Keane, 28, war der Besuch ihr erstes Mal überhaupt. „Als Kind war die Reise zu weit. Jetzt habe ich es mir endlich selbst ermöglicht.“
Das Café-Erlebnis sei dabei weit mehr als nur ein nettes Mittagessen, betont Michele De Groote, die dort einst ihren 7. Geburtstag feierte. „Es war, als würde ich ein Stück Kindheit zurückholen – eine Zeit, in der alles einfacher war. Diese Reinheit fehlt heute oft.“
Auch Eltern begrüßen diesen Trend: Roxy Ogle erinnert sich an Mütter, die sie im Café ermutigten. „Sie sagten: ‚Ich hoffe, meine Tochter macht das auch mal mit 21.‘ Das war wirklich rührend.“
Mattel, Eigentümer der Marke American Girl, sieht darin eine Rückkehr jener Generationen, die mit den Puppen der 80er und 90er Jahre aufgewachsen sind. „Diese Frauen möchten das Gefühl von damals teilen – mit Freundinnen, Kindern oder einfach sich selbst“, sagt Markensprecherin Jamie Cygielman.
Der Café-Besuch wirkt dabei fast therapeutisch, ergänzt Ogle: „Wir leben in einer Zeit, in der viele ihr inneres Kind heilen wollen. Jetzt haben wir das Geld, um das zu tun, was früher nicht möglich war.“
Kommentar hinterlassen