Startseite Allgemeines Politik International Zollhammer aus Washington: Italien droht Rückzug vom US-Pastamarkt – Lieblingsnudeln bald doppelt so teuer
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Zollhammer aus Washington: Italien droht Rückzug vom US-Pastamarkt – Lieblingsnudeln bald doppelt so teuer

Couleur (CC0), Pixabay
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Für Millionen Amerikaner könnte der nächste Pasta-Abend deutlich teurer – oder sogar unmöglich – werden. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat massive Antidumpingzölle auf italienische Nudeln angekündigt, die das Ende vieler Pastaimporte aus Italien bedeuten könnten.

Ab Januar 2026 soll ein zusätzlicher Zollsatz von rund 92 Prozent in Kraft treten. Er kommt zu den bestehenden 15 Prozent EU-Importzöllen hinzu – insgesamt also mehr als 100 Prozent Aufschlag auf italienische Pasta. Betroffen sind fast alle großen Hersteller, darunter La Molisana, Garofalo, De Cecco, Barilla und Rummo.

Das US-Handelsministerium wirft den italienischen Produzenten vor, zwischen Juli 2023 und Juni 2024 Nudeln unter Marktpreis verkauft zu haben. Damit hätten sie den Wettbewerb auf dem US-Markt verzerrt. Die Firmen bestreiten die Vorwürfe vehement.

„Hier geht es nicht um Dumping, sondern um Protektionismus“, sagte Cosimo Rummo, Geschäftsführer der Traditionsmarke Rummo Pasta.

Für die Hersteller ist der US-Markt von enormer Bedeutung: Allein 2024 exportierte Italien Pasta im Wert von rund 800 Millionen Euro in die Vereinigten Staaten. Damit ist Amerika einer der wichtigsten Absatzmärkte für italienische Nudelprodukte überhaupt.

Die Branche reagiert mit Alarm. „Kein Unternehmen kann solche Zölle überleben“, erklärte Giuseppe Ferro, Geschäftsführer von La Molisana. Man müsse wohl „schweren Herzens“ den US-Markt aufgeben, sollte keine politische Lösung gefunden werden.

Die Regierung in Rom versucht unterdessen, das drohende Zollchaos abzuwenden. Italiens Außenministerium bestätigte, man arbeite eng mit der EU-Kommission zusammen, um die US-Regierung zur Neubewertung der Strafzölle zu bewegen. Diplomatische Gespräche laufen bereits über Brüssel und Washington.

Wirtschaftsexperten warnen, dass die Strafzölle weitreichende Folgen hätten – nicht nur für Italien, sondern auch für amerikanische Verbraucher und Importeure. Die Preise für beliebte Markenprodukte könnten sich binnen Wochen verdoppeln, während heimische Hersteller kaum genug Kapazitäten hätten, um die Nachfrage zu decken.

Antidumpingverfahren gegen italienische Nudeln sind in den USA kein Novum: Schon in den 1990er-Jahren hatte das Handelsministerium ähnliche Vorwürfe geprüft. Doch diesmal ist der Konflikt deutlich schärfer – und könnte dazu führen, dass Spaghetti, Penne oder Fusilli aus Italien bald komplett aus amerikanischen Supermarktregalen verschwinden.

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