In der wohl teuersten Metropole der Vereinigten Staaten tritt Zohran Mamdani sein Amt als Bürgermeister an – und das mit einem ehrgeizigen Versprechen: New York soll wieder bezahlbar werden.
Die Herausforderungen, denen sich Mamdani gegenübersieht, sind gewaltig: Mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens wird für Miete aufgewendet, über 100.000 Menschen übernachten jede Nacht in Obdachlosenunterkünften. Gleichzeitig sind 1,4 Millionen New Yorker:innen von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Mamdani wurde im November mit einem Rekord-Wahlergebnis ins Amt gewählt – getragen von einer breiten Unterstützung der Arbeiterklasse. Doch der Weg zur Umsetzung seiner progressiven Agenda wird steinig: Eine schwächelnde Wirtschaft, Sparpläne der Bundesregierung und ein sich auftürmendes Haushaltsdefizit von 6,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 setzen enge Grenzen.
Kampf um leistbares Wohnen
Ein Kernanliegen Mamdanis ist der Wohnungsmarkt. Er versprach, die Mieten für fast eine Million mietpreisgebundener Wohnungen einzufrieren – fast die Hälfte aller Mietwohnungen in der Stadt. Doch bereits jetzt klagen viele Eigentümer und Betreiber solcher Wohnungen über steigende Kosten, während die Mieteinnahmen hinterherhinken.
Hinzu kommt: Mamdani plant den Bau von 200.000 neuen, dauerhaft geförderten Wohnungen. Doch auch der Bereich des geförderten Wohnbaus steht unter Druck – Baukosten, Versicherungskosten und Kreditausfälle bedrohen die Realisierbarkeit solcher Projekte.
„Die Trends steigender Kosten und sinkender Einnahmen machen den Sektor auf Dauer nicht tragfähig“, warnten zuletzt zwei große Wohnbauförderungsorganisationen.
Kostenlose Kinderbetreuung und Busverkehr – aber wie?
Zu Mamdanis Versprechen zählen auch kostenfreie Kinderbetreuung für alle Kinder von sechs Wochen bis fünf Jahren sowie kostenloser öffentlicher Busverkehr. Die Finanzierung soll über höhere Steuern für Reiche und Unternehmen erfolgen.
Doch hierfür benötigt der Bürgermeister die Zustimmung des Bundesstaates. Gouverneurin Kathy Hochul äußerte bereits Skepsis, insbesondere gegenüber dem Plan, dem städtischen Verkehrsnetz jährlich eine Milliarde US-Dollar an Fahrgasteinnahmen zu entziehen.
Wirtschaftliche Warnsignale und politische Realitäten
Auch wenn die Stadt derzeit noch auf stabilen Beinen steht – Rekorde bei Arbeitsmarkt und Steuereinnahmen –, so mehren sich die Zeichen eines Abschwungs. Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, vor allem im Niedriglohnsektor, und die Fiskallücke in den kommenden Jahren wird größer.
Mamdani könnte also schnell mit der Realität des regierens konfrontiert sein – in einem politischen Klima, das von Bundessparprogrammen und einer republikanisch geführten Bundesregierung unter Donald Trump geprägt ist.
Bereits jetzt zeigt sich der neue Präsident wenig hilfsbereit: Bundesmittel in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar für New Yorker Infrastrukturprojekte wurden eingefroren. Kürzungen bei Medicaid, SNAP und Energieförderprogrammen könnten Millionen New Yorker:innen direkt treffen.
Zwischen Vision und Wirklichkeit
Mamdani selbst sieht sich in der Tradition großer New Yorker Bürgermeister wie Fiorello La Guardia, der während der Weltwirtschaftskrise mit Hilfe des New Deals entscheidende soziale Reformen durchsetzen konnte. Doch Mamdani fehlt ein vergleichbarer Rückhalt aus Washington.
Sein Erfolg wird deshalb maßgeblich davon abhängen, ob es ihm gelingt, den politischen Druck „von unten“ aufrechtzuerhalten – so wie ihn seine Unterstützer:innen im Wahlkampf aufgebaut haben. Eine neu gegründete Nonprofit-Organisation soll genau das leisten: Druck auf die Parlamente in Albany und Washington aufbauen, um die Finanzierung seiner Vorhaben zu sichern.
Fazit
Zohran Mamdani tritt sein Amt inmitten einer historischen Lebenshaltungskostenkrise an. Seine Vision von einer sozial gerechteren Stadt ist ambitioniert – doch ihre Umsetzung wird vom politischen Willen auf Landes- und Bundesebene, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Mobilisierung seiner Basis abhängen.
Sein Erfolg könnte darüber entscheiden, ob New York ein Vorbild für progressive Stadtpolitik wird – oder an alten Systemen scheitert.
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