New York City steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Die Lebenshaltungskosten sind so hoch wie nie. Die Mieten explodieren, über 100.000 Menschen übernachten regelmäßig in Obdachlosenunterkünften, und selbst der Zugang zu Kinderbetreuung und Lebensmitteln ist für viele unbezahlbar geworden.
Der neu gewählte Bürgermeister Zohran Mamdani, der mit dem höchsten Stimmenanteil seit 60 Jahren ins Amt gewählt wurde, will das ändern. Angetrieben von einer kampagnenstarken Basis und einem Fokus auf die arbeitende Bevölkerung, kündigte Mamdani ambitionierte Reformen an: Mietstopp für fast eine Million Wohnungen, kostenlose städtische Busse und gratis Kinderbetreuung für Kinder von sechs Wochen bis fünf Jahren.
Doch die Realität sieht kompliziert aus. Um seine Pläne umzusetzen, braucht Mamdani höhere Steuereinnahmen – doch dafür ist die Zustimmung des Bundesstaates nötig. Gouverneurin Kathy Hochul hat bereits deutlich gemacht, dass sie insbesondere die Idee der kostenlosen Busfahrten skeptisch sieht – allein hier würden dem MTA (dem städtischen Verkehrsbetrieb) jährlich rund eine Milliarde Dollar an Einnahmen fehlen.
Krise bei bezahlbarem Wohnraum
Besonders angespannt ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt. Mamdanis Vorhaben, 200.000 neue dauerhaft geförderte Wohnungen zu schaffen, trifft auf einen Sektor, der selbst mit steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen kämpft. Entwickler warnen vor möglichen Zahlungsausfällen. Allein die Betriebskosten für mietpreisgebundene Wohnungen seien seit 2020 um 22 Prozent gestiegen, während die Mieten nur um rund 11 Prozent zulegten.
Auch das politische Klima macht Mamdani das Regieren nicht leichter: Der Bundeshaushalt wird von Republikanern bestimmt, soziale Leistungen wie Medicaid und SNAP (Essenshilfe) werden gekürzt. Ein unter dem Titel „One Big Beautiful Bill“ verabschiedetes Paket soll allein in New York 1,5 Millionen Menschen ihre Krankenversicherung kosten und 300.000 Haushalte um Lebensmittelhilfen bringen.
Öffentliche Finanzen unter Druck
Trotz robuster Wirtschaftsdaten – Beschäftigung und Steueraufkommen sind auf Rekordniveau – zeichnen sich Wolken am Horizont ab. 2025 wurden 78.000 Jobs weniger geschaffen als im Vorjahr, und ein Haushaltsloch von 6,5 Milliarden Dollar droht für 2027. Weitere Defizite sind bereits absehbar.
Mamdani setzt deshalb auf Mobilisierung seiner Unterstützer, um politischen Druck auf Albany – das Parlament des Bundesstaates – auszuüben. Eine neu gegründete Organisation soll dafür sorgen, dass seine Reformagenda nicht im Parteienstreit versandet.
Ein progressives Experiment unter Druck
Historikerin Kim Phillips-Fein warnt: „Sein Erfolg hängt davon ab, ob er es schafft, seine Bewegung lebendig zu halten.“ Die wirtschaftliche Lage sei mit der Krise der 1970er-Jahre nicht vergleichbar – doch politische Blockaden könnten seine Amtszeit ebenso lähmen.
Ob Mamdani tatsächlich die soziale Wende schafft, bleibt offen. Sicher ist: In New York beginnt mit seinem Amtsantritt ein neuer, spannender Abschnitt – zwischen ehrgeiziger Vision und harter politischer Realität.
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