Der Krieg in der Ukraine geht ins vierte Jahr und Präsident Wolodymyr Zelensky stellt erneut eine einfache Frage an Europas Staats- und Regierungschefs:
„Wenn Russland nochmal angreift – seid ihr dann da?“
Die Antwort, so Zelensky, sei bislang erstaunlich einheitlich ausgefallen:
Ein zustimmendes Nicken, ein starkes Schulterklopfen – und anschließend betretenes Schweigen.
„Ich frage alle unsere Partner“, erklärte Zelensky vor Journalisten, „aber eine klare, eindeutige Antwort habe ich noch nicht bekommen.“
Diplomaten nennen das einen „konstruktiven Dialog“. Ukrainer nennen es Alltag.
Militärhilfe mit Sternchen
Erst kürzlich unterzeichneten Großbritannien und Frankreich eine Absichtserklärung, im Falle eines Friedensabkommens Truppen in die Ukraine zu schicken. Allerdings nur, wenn Frieden ist.
Und sicher ist.
Und jemand anders aufpasst.
Und niemand wirklich schießen muss.
Der Plan: Militärische „Hubs“, tausende Soldaten, Abschreckung, Präsenz – aber bitte ohne verbindliche Sicherheitsgarantie, ohne Parlamentsabstimmung und möglichst ohne die USA.
Washington wiederum schaute beim Treffen in Paris höflich zu und unterschrieb – nichts.
Sicherheitsgarantie light
Zelensky zeigte sich zunächst optimistisch und sprach von einem „riesigen Schritt nach vorne“. Einen Tag später klang er realistischer:
„Ich sehe politischen Willen“, sagte er.
Was er nicht sah:
-
rechtsverbindliche Zusagen
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Unterschriften unter Verträge
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Garantien, die länger halten als ein Wahlzyklus
Oder wie es ein europäischer Diplomat zusammenfasste:
„Wir stehen fest an eurer Seite – allerdings eher metaphorisch.“
Der Friedensdeal: 90 % fertig, 100 % kompliziert
Laut Zelensky ist das Friedensabkommen zu „90 % fertig“.
Die restlichen 10 % bestehen aus Kleinigkeiten wie:
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Territorium
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Sicherheitsgarantien
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Vertrauen
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Realität
Russland fordert den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Donbas. Ukraine sagt Nein.
Beide Seiten erklären gleichzeitig, sie seien kompromissbereit.
Währenddessen: Bomben, Drohnen, Alltag
Während in Paris über Formulierungen gefeilscht wird, trifft Russland weiterhin Städte, Kraftwerke und Infrastruktur.
Ukraine antwortet mit Drohnen.
Europa antwortet mit Besorgnis.
Die USA antworten mit Arbeitsgruppen.
Fazit
Die Ukraine soll sich verteidigen, verhandeln, Gebiete nicht aufgeben, aber eventuell doch – und bitte glauben, dass im Ernstfall jemand helfen würde.
Wer genau?
Wann?
Und wie?
Darauf gibt es bisher nur eine verlässliche Antwort:
„Wir arbeiten daran.“
Und bis dahin gilt, wie Zelensky trocken anmerkte:
„Man muss sich am Ende vor allem auf die eigene Stärke verlassen.“
Oder frei übersetzt:
Sicherheitsgarantie ist, wenn alle guten Willen haben – aber niemand den Vertrag druckt.
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