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Zehn Jahre Bataclan: Als Europa seine Unschuld verlor

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Am 13. November 2015 erschütterten islamistische Terroranschläge Paris – und mit der französischen Hauptstadt auch ein ganzes Europa. Vor allem der Angriff auf die Konzerthalle Bataclan, bei dem 90 der insgesamt 130 Menschen starben, gilt als brutaler Wendepunkt: Das Ende der Illusion, so Extremismusforscher Nicolas Stockhammer, dass Frieden und Sicherheit in Europa selbstverständlich seien.

Rund 1.500 Besucher waren an jenem Abend gekommen, um die Eagles of Death Metal live zu erleben. Als die ersten Schüsse fielen, dachten viele an Pyrotechnik. Doch bald wurde klar: Drei Attentäter waren eingedrungen, schossen binnen 30 Minuten über 250 Mal. Es folgte eine Geiselnahme, die erst zwei Stunden später durch Sondereinheiten beendet wurde. Zwei der Täter starben, die Geiseln überlebten.

Doch das Bataclan war nur einer von mehreren Tatorten. Gleichzeitig griffen weitere Terroristen Restaurants und Bars in der Stadt an. Und auch das Stade de France, wo Frankreich gegen Deutschland spielte, war Ziel – allerdings konnten die Attentäter dort wegen Sicherheitskontrollen nicht ins Stadion. Ihre Sprengstoffwesten detonierten dennoch.

Von den zehn Tätern starben sieben in der Nacht, zwei weitere Tage später bei einem Polizeieinsatz in Saint-Denis. Der einzige Überlebende, Salah Abdeslam, wurde 2016 gefasst und 2022 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Anschläge läuteten laut Stockhammer einen Paradigmenwechsel ein: von symbolträchtigen Großattacken durch gut koordinierte Zellen hin zu Einzeltäter-Anschlägen mit niederschwelligen Mitteln – Stichwaffen, Autos, Propaganda. Poller, Polizeipräsenz und Videoüberwachung wurden zum neuen Normalzustand.

Auch kulturell habe sich Europa verändert: weg von naiver Selbstsicherheit, hin zu einer präventiven Sicherheitsgesellschaft. Die Debatte über Migration, Integration und die Verwundbarkeit offener Gesellschaften wurde neu entfacht.

Die Gefahr ist laut Stockhammer nicht gebannt – im Gegenteil: Der Terror hat sich digitalisiert, seine Radikalisierung läuft heute vor allem über das Netz. Junge Menschen, oft Teenager, geraten ins Visier extremistischer Ideologien.

Besonders seit dem erneuten Aufflammen des Nahost-Konflikts im Oktober 2023 verzeichne Europa eine neue Welle der Radikalisierung, so der Experte. Diese sei emotional aufgeladen, schwer zu kontrollieren und an keine Landesgrenzen gebunden.

Was bleibt, ist eine offene Wunde – und die Erkenntnis: Der Terror hat Europa verändert. Und er wird bleiben.

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