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Yachtbranche sucht Alternativen zu Teak: Nachhaltigkeit versus Prestige

Tama66 (CC0), Pixabay
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Die internationale Luxusyacht-Industrie gerät zunehmend unter Druck, nachhaltige Alternativen zu Teakholz zu finden. Teak, traditionell geschätzt für seine Salz- und Fäulnisresistenz, Langlebigkeit und elegante Optik, wird meist aus natürlichen Beständen in Myanmar gewonnen – doch genau dieser Ursprung wird zunehmend zum Problem.

Illegale Herkunft, internationale Sanktionen

Nach dem Militärputsch in Myanmar im Jahr 2021 wurde der Handel mit dem wertvollen Hartholz durch internationale Sanktionen stark eingeschränkt. Dennoch gelangt illegal geschlagenes Myanmar-Teak weiterhin in globale Lieferketten, oft als vermeintliches Plantagenholz deklariert.

Jüngst wurden zwei renommierte Yachtbauer – Oceanco (Niederlande) und Sunseeker (UK) – mit Geldstrafen belegt, weil sie Myanmar-Teak verwendet hatten. Oceanco baute unter anderem Jeff Bezos’ 500-Millionen-Dollar-Superyacht „Koru“, bei der sowohl Innenausbau als auch Deck aus Teak bestehen. Ob auch dort illegales Holz verbaut wurde, wird derzeit in Deutschland ermittelt.

Suche nach Alternativen: Thermoholz, Kunststoff und Laminat

Die Branche arbeitet inzwischen mit Hochdruck an Alternativen zu Teak:

  • Sunreef Yachts, ein Hersteller aus Polen und Dubai, hat 2024 erklärt, vollständig auf Teak zu verzichten. Stattdessen verwendet man thermisch modifizierte Hölzer, die durch Hitze behandelt optisch und funktional Teak ähneln – allerdings ohne die ökologischen Probleme. Zusätzlich kommen synthetische Materialien bei kleineren Modellen zum Einsatz.

  • Eine vielversprechende Neuheit ist Tesumo, ein in Deutschland entwickeltes thermisch behandeltes Holz aus einer afrikanischen Baumart. Es entstand aus einem Forschungsprojekt mit der Universität Göttingen und der Werft Lürssen, die damit u.a. das Deck der Yacht Boardwalk ausstattete.

  • Flexiteek, ein PVC-basiertes Produkt aus Großbritannien, wird seit 2000 eingesetzt und hat 2024 eine weiterentwickelte Generation auf den Markt gebracht. Vorteile sind einfache Reinigung, bessere Wärmebeständigkeit und gleichbleibende Optik.

  • Laminierte Teak-Alternativen wie Green Teak bestehen aus dünn geschnittenem Plantagenholz, das verklebt wird – eine Methode, bei der auch minderwertigeres Material effizient verwertet wird.

Nachhaltige Umstellung stockt – Kundenwünsche bremsen Fortschritt

Trotz der technischen Fortschritte bleibt echter Teak für viele Kunden der Goldstandard. Richard Strauss, CEO von Teakdecking Systems, sagt:

„Plantagen-Teak ist nach wie vor die beliebteste Wahl – viele Kunden bestehen darauf.“

Auch Jeremy Rogers, eine familiengeführte Werft in Großbritannien, hält weiter an Teak fest – allerdings aus staatlich kontrollierten Plantagen in Java, deren Nachhaltigkeit man vertraut. Geschäftsführerin Jessie Rogers erklärt:

„Das Problem der Alternativen ist: Es gibt nichts, das ganz wie echtes Teak ist.“

Ein Kulturwandel ist notwendig

Sunreef-Mitgründer Nicolas Lapp sieht jedoch eine wachsende Offenheit – sobald Kunden die Hintergründe erfahren und Alternativen testen:

„Anfangs wollen alle Teak. Doch wenn wir ihnen zeigen, was möglich ist, merken sie oft: Man sieht keinen Unterschied – und bekommt sogar Vorteile.“

Experten wie Walter Kollert von der internationalen Organisation TEAKNET warnen derweil vor den ökologischen Folgen:

„Wir stehen kurz davor, die letzten alten Teakwälder zu verlieren – sie sind Teil eines wertvollen Ökosystems.“

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