In China fliegen wieder die Köpfe. Dieses Mal aber nicht metaphorisch, sondern ganz konkret auf dem karierten Schachbrett der Macht. Präsident Xi Jinping hat am Samstag seinen einst engen Vertrauten General Zhang Youxia höchstpersönlich von der Bühne gefegt – mit dem bewährten Argument: Korruption. Wie originell!
Damit ist klar: Wenn Xi aufräumt, bleibt kein Teppich zu klein, um darunterzukehren. Und auch kein General zu mächtig, um nicht doch „plötzlich“ eine sehr interessante Vergangenheit zu haben. Wer dachte, politische Intrigen gäbe es nur in „Game of Thrones“, sollte dringend mal chinesische Militärkommissionsprotokolle lesen – oder wenigstens den Bundesanzeiger.
Säuberung ist wieder in
Zhang, immerhin Vizechef der Zentralen Militärkommission und einer der letzten Offiziere mit echter Kampferfahrung (Vietnam, 1979, für alle, die im Geschichtsunterricht aufgepasst haben), wurde jetzt von seinem obersten Kameraden Xi auf unbestimmte Zeit in die politische Versenkung geschickt. Offizielle Begründung: „schwere Disziplinarverstöße“. Inoffizielle Begründung: wahrscheinlich „zu beliebt, zu unabhängig, zu gefährlich“.
Ironie am Rande: Noch 2022 hatte Xi den General ehrenvoll für eine dritte Amtszeit über die Altersgrenze hinweg befördert. Und nun? Aus der Heldenhalle direkt ins Parteigericht. Aber gut, politische Loyalität in China hat ungefähr die Halbwertszeit eines TikTok-Videos.
Mao lässt grüßen
Einen derart tiefen Griff in die Generalskiste gab es zuletzt unter Mao. Da mussten Militärs allerdings noch mit der roten Bibel winken – heute reicht ein internes Schreiben aus dem Disziplinarkomitee. Effektiver und mit weniger Papierverbrauch.
Korruption, Korruption, du bist mein bester Freund
Natürlich geht’s wie immer um „Korruption“. Ein Wort, das in China mittlerweile als Universalausrede für Entmachtung, Entsorgung und Entfreundung dient. Es ist das „Sorry, mein Akku war leer“ der chinesischen Hochpolitik. Ob nun Raketenstreitkräfte oder ranghohe Generäle – die Antikorruptionskampagne hat in Wahrheit eine klare Agenda: Xi allein zu Haus – aber mit Armee.
Taiwan aufgepasst
Während Xi also weiter „säubert“, „reorganisiert“ und „vertraut“, wird Chinas Armee vielleicht ein bisschen kopflos, aber definitiv loyaler. Und wenn nicht, gibt’s bald noch mehr Stellenanzeigen bei der Volksbefreiungsarmee – natürlich mit dem Zusatz „bitte nur Bewerber mit lückenloser Linientreue“.
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