Berlin, Messe Nord. Wer dieser Tage die S-Bahn Richtung „Mary Jane“ besteigt, weiß schnell: Hier fährt die Zukunft mit. Tattoos, Piercings, Dreadlocks, und schon in der Bahn eine angenehme Duftnote von… sagen wir mal: botanischer Experimentierfreude. Man sieht den Leuten die Erleichterung an: Endlich wieder ganz legal öffentlich bekifft Schlange stehen!
60.000 Besucher pilgern zur „Mary Jane“ – der größten Hanfmesse der Welt. Und dabei dachten viele, Deutschland könne nur Bier und Bratwurst. Aber nein: Auch im professionellen Kiffen wird man hier langsam Weltmarktführer. Mitten in Berlin, zwischen Bananenständen aus Costa Rica und Cannabislampen aus Kanada, blüht das grüne Geschäft wie eh und je – wenn auch neuerdings etwas „medizinisch verbrämt“.
Denn der kommerzielle Verkauf von Gras ist ja immer noch verboten. Also verkauft man eben medizinisches Marihuana. Und was für ein medizinischer Notstand offenbar in Deutschland ausgebrochen ist! Kaum jemand scheint noch ohne Hanf-Therapie durch den Tag zu kommen. Rücken, Schlafstörungen, Stress, innere Unruhe, schlechte Laune, Wetterfühligkeit — irgendwas findet sich immer. Und falls nicht: Die Online-Diagnose hilft.
„Wie fühlen Sie sich?“ — „Jetzt, wo ich kiffe? Deutlich besser!“
Dank Telemedizin und Online-Rezept wird das medizinische Cannabis schneller geliefert als jede Pizza. Zwei Stunden Wartezeit, und schon steht der Bote vor der Tür. So unkompliziert war medizinische Versorgung in Deutschland selten. Vielleicht sollte man das Modell auch für andere Fachbereiche übernehmen:
„Ihr Orthopäde ist leider ausgebucht. Möchten Sie stattdessen einen Lemon-Haze-Blütentee?“
Die Politik scharrt derweil nervös mit den Füßen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ruft „Missbrauch!“ und fordert härtere Regeln. Der designierte Oberkifferjäger Friedrich Merz hat ohnehin schon die Keule in der Hand und will die Teillegalisierung am liebsten gleich wieder aufräumen. Wahrscheinlich weil er Angst hat, dass beim nächsten CDU-Parteitag alle Delegierten plötzlich mit roten Augen den Saal betreten und vergessen, was sie eigentlich wählen wollten.
Währenddessen feiert man auf der „Mary Jane“ völlig unbeeindruckt weiter. Die Szene weiß: Der Schwarzmarkt war früher gefährlich. Verunreinigte Streckware, kriminelle Dealer — das will heute kaum noch jemand. Sauberes, medizinisch kontrolliertes Gras? Viel sicherer. Und mal ehrlich: Die Menschheit wird das Kiffen ohnehin nicht mehr lassen. Nicht mal Friedrich Merz wird das schaffen. Selbst wenn er es mit einer CDU-Koalition mit der Polizei, der Ärzteschaft und der Gewerkschaft der Ordnungshüter gleichzeitig versucht.
Doch Vorsicht: Cannabis bleibt offiziell eine Droge! Mahnt die Ärzteschaft. Schließlich könne Dauerkonsum auf Dauer blöde machen. Und so viele blöde Leute wolle man in Deutschland ja auch wieder nicht haben. Einige befürchten sogar schon die „Verkifferung“ des Landes — allerdings hat ein Blick ins deutsche Fernsehen da längst schlimmere Sorgen aufkommen lassen.
Und während Politik und Medizin noch diskutieren, haben die Besucher der „Mary Jane“ längst Klarheit gewonnen: Es wird gekifft, geblüht, gefeiert — und das alles völlig legal.
Bis mindestens zum Herbst. Denn dann kommt Friedrich Merz. Und vielleicht auch wieder die Polizei. Nur diesmal nicht wegen dem Grasgeruch in der S-Bahn. Sondern weil jemand ein medizinisches Rezept gefälscht hat. Vielleicht.
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