Crowdfinanzierung für Neubau von 126 Wohnungen – Anleger tragen das volle Risiko bei gleichzeitig begrenzter Absicherung
Mit einer verlockenden Verzinsung von 9 % pro Jahr lockt das Crowdinvestment-Angebot zur Finanzierung eines Neubauprojekts in Berlin-Charlottenburg. Der Projektträger, ein Tochterunternehmen der etablierten HAMBURG TEAM Gruppe, realisiert gemeinsam mit der OTTO WULFF Gruppe ein Ensemble aus fünf Mehrfamilienhäusern auf der Mierendorffinsel – einer begehrten Wohnlage im Westen Berlins.
Trotz hohem Bedarf an Wohnraum in der Hauptstadt, professioneller Projektstruktur und prominenter Projektpartner, bleibt ein entscheidender Aspekt oft unbeachtet: Die Investition erfolgt in Form eines nachrangigen Darlehens ohne dingliche Sicherheiten – und damit mit dem Risiko eines Totalverlusts.
Professionelle Projektstruktur – mit begrenzter Kontrolle für Anleger
Das Bauvorhaben wirkt auf den ersten Blick solide:
- Alle Baugenehmigungen liegen vor
- Der Bau hat bereits begonnen
- Ein Pauschalfestpreis mit einem Generalunternehmer ist vereinbart
- Das Projektvolumen liegt bei rund 2,7 Millionen Euro (Crowdanteil)
- Die Laufzeit beträgt 36 Monate
Die Entwicklung erfolgt durch eine Grundstücksgesellschaft, an der die Verwaltung Hansaterrassen Haus 6 GmbH (HAMBURG TEAM) und die HTKOS Grundstücksgesellschaft (OTTO WULFF Gruppe) beteiligt sind. Die Anleger treten als Kreditgeber auf und schließen Einzelkreditverträge mit dem Projektträger ab. Die Rückzahlung erfolgt endfällig – also nach drei Jahren.
Anlage ohne echte Sicherheit – Bürgschaft bietet keine Gewähr
Zwar wird die Investition durch eine Höchstbetragsbürgschaft der Muttergesellschaft des Projektträgers (HTP HAMBURG TEAM) formal abgesichert, jedoch ohne dingliche Besicherung, wie z. B. eine Grundschuld. Und:
„Es kann keine Aussage zur Werthaltigkeit der Bürgschaften zu einem zukünftigen Verwertungszeitpunkt getroffen werden.“
Im Klartext: Sollte der Projektträger insolvent werden oder das Projekt wirtschaftlich scheitern, ist unklar, ob Anleger aus der Bürgschaft überhaupt noch etwas zurückerhalten.
Totalverlustrisiko ausdrücklich vorhanden
Wie bei allen Schwarmfinanzierungen gilt:
- Die Investition ist nachrangig.
- Die Rückzahlung hängt vollständig von der wirtschaftlichen Entwicklung des Projekts ab.
- Im Insolvenzfall gehen Anleger möglicherweise leer aus.
Der Anbieter selbst weist darauf hin, dass keine Einlagensicherung besteht und die Anlage nicht durch gesetzliche Anlegerentschädigungssysteme gedeckt ist.
Fazit: Solides Projekt mit professionellen Partnern – aber nicht ohne Risiko
Das Neubauprojekt in Berlin-Charlottenburg ist gut vorbereitet, gut vernetzt und befindet sich in einem attraktiven Marktumfeld. Die Projektpartner verfügen über einschlägige Erfahrung, und auch der Baufortschritt spricht für Seriosität.
Dennoch bleibt die Anlage ein Risikopapier.
Private Anleger sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass sie als Darlehensgeber mit nachrangigem Rückzahlungsanspruch agieren – und im schlimmsten Fall ihr eingesetztes Kapital vollständig verlieren können.
Wer hier investiert, sollte über entsprechendes Risikobewusstsein verfügen und nur Geld einsetzen, dessen Verlust verkraftbar wäre.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Anleger sollten vor der Investition alle Vertragsdokumente und Risikohinweise genau prüfen und im Zweifelsfall unabhängigen finanziellen oder rechtlichen Rat einholen
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