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Wirtschaft am Wendepunkt: Neue Insolvenzen erschüttern Deutschlands Mittelstand

Ratfink1973 (CC0), Pixabay
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10. Oktober 2025 – Die deutsche Unternehmenslandschaft wird weiterhin von einer spürbaren Insolvenzwelle erfasst. Mit über 50 neuen Insolvenzanträgen innerhalb eines einzigen Tages spitzt sich die wirtschaftliche Lage weiter zu. Betroffen sind nicht nur einzelne Branchen, sondern ein flächendeckendes Spektrum, das von Logistik und Bau über Pflege und Dienstleistungen bis hin zu Gastronomie und Produktion reicht.

Besonders betroffen: Bau, Immobilien und Dienstleistungen

Der Immobilien- und Baubereich zeigt sich einmal mehr als Krisenzentrum der aktuellen Wirtschaftslage. So beantragten u. a.:

  • die 4 Projects RE GmbH aus Monheim am Rhein (Az. 167 IN 177/25, Amtsgericht Essen),
  • die G + M Immobiliengesellschaft mbH aus Weilrod (90 IN 83/25, Königstein im Taunus),
  • die Hannover-Immo Bau GmbH (Az. 909 IN 697/24 – 1 –, Hannover),
  • sowie die BayCon Development GmbH & Co. KG (Oberhaching, Az. 1500 IN 2463/25, München)

das Insolvenzverfahren.

Auch Unternehmen im Bereich Logistik und Maschinenbau wie Arges Logistik & Handel GmbH aus Bielefeld (Az. 43 IN 900/25) oder ERKA Maschinenbau GmbH aus Ahaus (Az. 86 IN 24/25) melden Zahlungsunfähigkeit.

Pflege, Gesundheit und Gastronomie – ein harter Einschnitt

Besonders tragisch ist der wirtschaftliche Druck im Sozial- und Gesundheitswesen. So meldete die BAWOS Seniorenheim-Betriebs-GmbH (Az. IN 299/25, Schwarzenbach am Wald) ebenso Insolvenz an wie die cbaMED ResQ gGmbH in Lübeck (Az. 53a IN 163/25). Beide Einrichtungen standen für soziale Verantwortung – jetzt stehen Arbeitsplätze und Pflegeplätze auf dem Spiel.

Auch im Bereich der Gastronomie und Hotellerie bleibt die Lage prekär: Die Die Zwei Gastronomiebetriebs GmbH (Az. 90 IN 68/25, Königstein im Taunus) sowie das traditionsreiche Da Sergio Pasticceria Gelateria GmbH aus Stuttgart (Az. 14 IN 1823/25) befinden sich im Verfahren.

Technologie- und Druckunternehmen ebenfalls betroffen

Wenngleich viele Insolvenzen kleinere Betriebe betreffen, sind auch spezialisierte Unternehmen aus dem Technologiebereich dabei:

  • Flynautica GmbH aus Hamburg (Az. 67b IN 252/25), ein Start-up im Bereich maritime Drohnentechnologie,
  • die Hasel Engineering GmbH aus Stuttgart (Az. 9 IN 1750/25),
  • sowie MySolartec GmbH & Co. KG aus Bielefeld (Az. 43 IN 931/25), die sich auf Solartechnik spezialisierte.

Im Printbereich meldete die Limberg-Druck GmbH aus Düsseldorf Insolvenz an (Az. 503 IN 215/25).

Wiederholungstäter und regionale Häufungen

Die wiederholte Erwähnung einzelner Firmen ist ein alarmierendes Zeichen: So taucht AK Tzanidis GmbH zweimal mit gleichem Aktenzeichen auf (Az. 70a IN 168/25, Köln), was auf eine komplexe Verfahrenlage oder eine Korrektur hindeutet.

Auch Venator Germany GmbH (Duisburg, Az. 620 IN 2118/25) wird doppelt genannt – möglicherweise ein Hinweis auf parallele Insolvenzverfahren oder Unternehmensstrukturen.

Regionale Häufungen zeigen sich insbesondere in:

  • Nordrhein-Westfalen (Essen, Düsseldorf, Köln, Bielefeld, Münster, Wuppertal),
  • Bayern (München, Hof, Kempten, Ingolstadt),
  • sowie Berlin, Hannover, Frankfurt (Oder) und Stuttgart.

Ein Schlag für den Mittelstand

Viele der betroffenen Firmen stehen exemplarisch für den deutschen Mittelstand – das Rückgrat der Volkswirtschaft. Die BAGR Non-Ferrous Group GmbH in Berlin (Az. 3606 IN 10122/25) etwa war ein langjähriger Player im Metallrecycling, während die Fidos GmbH (Az. 43 IN 44/25, Kleve) als etablierter technischer Dienstleister galt.

Auch Familienunternehmen wie die Scharf, Kaspar (Darmstadt, Az. 9 IN 752/25) oder die Wasserwerk Saloppe GmbH (Friedberg, Az. IN 55/25, Augsburg) kämpfen ums Überleben.

Fazit: Die Insolvenzwelle hält ungebremst an

Der 10. Oktober 2025 markiert einen weiteren dramatischen Tag in der aktuellen Pleitewelle. Die breite Betroffenheit über Branchen und Bundesländer hinweg zeigt, dass es sich längst nicht mehr um vereinzelte Fälle handelt – sondern um ein strukturelles Problem, das tiefgreifende Ursachen in Energiepreisen, Finanzierungsknappheit und Nachwirkungen der letzten Krisen hat.

Die Insolvenzgerichte sind stark ausgelastet. Es ist davon auszugehen, dass sich in den kommenden Wochen weitere Einträge häufen werden. Die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands steht unter Druck – und der Mittelstand gerät zunehmend ins Wanken.

 

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