Während sich die US-Spielwarenbranche kürzlich zur großen jährlichen Fachmesse in New York traf, sorgte ein Unternehmer für besonderes Aufsehen: Rick Woldenberg, Chef des Lernspielzeugherstellers Learning Resources, wurde von vielen Branchenkollegen fast wie eine kleine Berühmtheit begrüßt.
Der Grund: Woldenberg hatte im vergangenen Jahr die US-Regierung verklagt. Er zieht gegen die von Präsident Donald Trump verhängten umfassenden Importzölle vor Gericht – und sein Fall könnte schon in diesen Tagen vom Obersten Gerichtshof entschieden werden.
Zölle trafen die Branche besonders hart
Trumps turbulente Zollpolitik hatte die Wirtschaft im vergangenen Jahr stark verunsichert. Zwischenzeitlich lagen die Strafzölle auf chinesische Waren bei bis zu 145 Prozent. Gerade die Spielzeugbranche, die stark von Produktionsstätten in China abhängt, war von den zusätzlichen Abgaben massiv betroffen.
Viele Unternehmen sahen sich mit stark steigenden Kosten konfrontiert. Einige erhöhten ihre Preise, andere nahmen Gewinneinbußen in Kauf. Learning Resources reichte schließlich Klage gegen die Regierung ein.
„Viele kommen zu uns und bedanken sich dafür, dass wir uns gewehrt haben“, sagte Woldenberg auf der Messe, umgeben von Stofftieren und Bauklötzen.
Preise weniger stark gestiegen als befürchtet
Trotz der dramatischen Ankündigungen fiel die tatsächliche Belastung für Verbraucher teilweise geringer aus als erwartet. Manche Firmen wechselten ihre Zulieferer oder übernahmen einen Teil der Zusatzkosten selbst. Zudem nahm das Weiße Haus einige besonders hohe Zollsätze wieder zurück oder gewährte Ausnahmen. Der durchschnittliche Zollsatz auf chinesische Importe liegt inzwischen bei rund 20 Prozent.
Laut Alberto Cavallo von der Harvard Business School sind vor allem günstige Produkte schneller teurer geworden. Insgesamt hätten die Zölle jedoch „nur geringe Auswirkungen“ auf die Spielzeugpreise gehabt.
Auf der Toy Fair war dennoch spürbar, dass viele Unternehmen hoffen, weitere Preiserhöhungen vermeiden zu können – vorausgesetzt, die Handelspolitik bleibt stabil. Entwarnung will jedoch kaum jemand geben.
Gewinneinbruch und vorsichtige Planung
Jay Foreman, Geschäftsführer von Basic Fun, musste im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von 65 Prozent verkraften. Sein Unternehmen erhöhte den Preis des Tonka-Spielzeuglasters von 30 auf etwa 35 Dollar.
„Man darf bei diesem Präsidenten nicht einschlafen“, sagte Foreman. „Wir sind immer noch angespannt – und das werden wir wohl noch mindestens drei Jahre sein.“
Auch das Sensorik-Spielzeugunternehmen Glo Pals erhöhte im April vergangenen Jahres erstmals seit sechs Jahren die Preise – um rund 20 Prozent auf 12,99 Dollar für sein Bestseller-Produkt mit wasseraktivierten Leuchtwürfeln.
Mitgründerin Anna Barker beschreibt die Lage als „völlig temperamentvolle Wirtschaftslandschaft“. Zwar herrsche derzeit keine akute Volatilität, doch die Unsicherheit bleibe allgegenwärtig. Eine erneute Änderung der Zollsätze könnte die Planung sofort über den Haufen werfen.
Hoffnung auf das Supreme Court
Sollte der Supreme Court die aktuellen Zölle für unzulässig erklären, könnte die Regierung gezwungen sein, Milliardenbeträge an Unternehmen zurückzuzahlen. Zudem könnten die Importkosten sinken.
Foreman erklärte, in diesem Fall könne man die Preise möglicherweise wieder auf „normale Niveaus“ senken. Auch Woldenberg setzt auf „weitere Entlastung durch die Klage“ und kündigte an, mögliche Erleichterungen so schnell wie möglich an Kunden weiterzugeben.
Andere zeigen sich skeptischer. Tim Hislop, Mitgründer der britischen Marke Floss & Rock, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in den USA erzielt, rechnet nicht mit Rückerstattungen bereits gezahlter Zölle. Dennoch könnte ein Urteil gegen die Maßnahmen seine künftigen Kosten senken.
Mit einem Lächeln sagte er: „Ich spreche jeden Abend ein kleines Gebet.“
Unsicherheit bleibt
Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens hat das Weiße Haus bereits angekündigt, im Falle einer Niederlage alternative Instrumente zur Einführung von Zöllen zu prüfen. Für viele Unternehmen bedeutet das: Selbst ein positives Urteil könnte die Unsicherheit nicht vollständig beseitigen.
Für die Spielwarenbranche gilt daher weiterhin: Die unmittelbare Krise mag abgeklungen sein – doch die Nervosität bleibt.
Kommentar hinterlassen