(Wien, Gerichtssaal 327, Sektion „Kronjuwelen der Wirtschaft“) – Der dritte Akt im Drama rund um die glanzvoll gescheiterte Immobilienoper „Wienwert“ wurde heute uraufgeführt – mit neun Angeklagten, einer leeren Chefrolle und vielen sehr, sehr überzeugten Unschuldigen. Der ehemalige Wienwert-CEO Stefan Gruze glänzte erneut durch krankheitsbedingte Abwesenheit – sein möglicher Auftritt wurde nun für Donnerstag angekündigt. Man munkelt, sein Gedächtnis werde sich bis dahin spontan erholen.
Währenddessen dürfen sich die verbliebenen acht Mitspieler weiterhin damit rühmen, nichts gewusst, nichts geplant und – Gott behüte – schon gar nichts unterschrieben zu haben.
Mahrer-Diversion: Die große politische Abtrittsshow
Schon am Freitag verließen Ex-ÖVP-Wien-Chef Karl Mahrer und seine Frau elegant die Bühne, nachdem das Gericht ihrem Diversionswunsch entsprach. Diversion – das juristische Wort für: “Ok, wir sagen nichts mehr, wenn ihr auch nichts mehr sagt.“
Man verlässt also die Anklagebank mit der Grazie eines Politikpaars beim Opernball – nur ohne Selfies mit Dompfarrer Faber, aber dafür mit dem süßen Nachgeschmack von „nicht verurteilt“.
WKStA: „Wir hätten da 41 Millionen Gründe…“
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hingegen wirft weiter mit schweren Begriffen um sich: „gewerbsmäßiger Betrug“, „Untreue“, „betrügerische Krida“. Laut Anklage sollen Gruze und Co über 1.800 Anleger:innen um rund 41 Millionen Euro „verwirrt“ haben – also durch clevere Broschüren mit dem Subtext: „Wienwert ist zwar pleite, aber dafür visionär.“
VIP-Tickets statt Stadtplanung
Auch Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) spielt noch mit – laut WKStA hat er Wienwert vertraulich verraten, wo die Stadt demnächst bauen möchte. Daraufhin kaufte Wienwert das Grundstück, verkaufte es mit Aufschlag zurück an die Wiener Linien, und Nevrivy bekam zur Belohnung – kein Geld, keine Rolex, nein – VIP-Fußballtickets. Womit endgültig klar ist: Korruption in Wien ist nicht nur eine Frage der Moral, sondern auch des Sitzplatzes.
Fazit: Alle sind unschuldig, außer vielleicht das System
Die Verteidiger der Angeklagten üben sich derweil in der Kunst des gepflegten Zurückweisens: „Mein Mandant? War zwar dabei, aber sicher nicht verantwortlich!“ Nur Gruze will sich für eine „grob fahrlässige Beeinträchtigung“ schuldig bekennen – was in Wirtschaftskreisen so viel heißt wie: „Ich hab vielleicht Mist gebaut, aber sicher keinen Dreck.“
Und so bleibt am Ende nur eine Frage offen: Wenn wirklich alle unschuldig sind – wer hat dann Wienwert gegen die Wand gefahren?
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