Sie sind Millionäre – wissen es aber oft nicht so recht. Oder wollen es nicht wahrhaben. Die Rede ist von den sogenannten „Hidden Millionaires“ – Menschen, die still und ohne großes Aufheben die Millionengrenze überschritten haben, meist durch konsequentes Sparen, Immobilienbesitz oder steigende Aktienmärkte.
Doch laut einer neuen Analyse der Investmentgesellschaft Vanguard machen gerade diese „heimlichen Wohlhabenden“ auffällig viele Finanzfehler – oft aus Unsicherheit oder mangelndem Bewusstsein über das eigene Vermögen.
1. Cash Drag: Wenn Geld ungenutzt herumliegt
Einer der größten Fehler: zu viel Bargeld auf dem Konto.
Viele Anleger lassen ihr Geld nach dem Wechsel vom 401(k)-Rentenplan in ein IRA-Konto (vergleichbar mit einer privaten Altersvorsorge) einfach in bar liegen, ohne es weiter zu investieren.
„Viele denken, das Geld ist automatisch angelegt“, sagt Andy Reed, Leiter der Verhaltensforschung bei Vanguard. „In Wirklichkeit bleibt es oft monatelang – oder gar jahrelang – einfach auf dem Konto.“
Die Folge: Verpasste Rendite, denn langfristig bringen Aktien im Schnitt etwa 10 % jährlich – Cash-Konten dagegen fast nichts.
2. Klumpenrisiko: Alles auf eine Aktie
Ein weiteres Problem ist die sogenannte „Stock Concentration“ – zu viel Geld in einer einzigen Aktie.
Ein Klassiker: das eigene Unternehmen. Wer z. B. Aktien seines Arbeitgebers über Jahrzehnte hält, riskiert, dass das gesamte Vermögen an der Entwicklung nur eines Unternehmens hängt.
„Es fühlt sich sicher an, weil es vertraut ist“, so Reed. „Aber es ist riskant.“
Finanzplaner empfehlen: Nie mehr als 10 % des Portfolios in eine einzelne Aktie stecken.
3. Schulden trotz Millionen
Millionäre mit Kreditkartenschulden? Ja, das gibt es – und es ist oft unnötig teuer.
Wenn jemand 20.000 US-Dollar in einem Cash-Konto zu 3 % Zinsen hält, aber gleichzeitig Kreditkartenschulden mit 20 % Zinsen hat, zahlt er am Ende drauf.
Auch aggressive Tilgungen günstiger Hypotheken können ineffizient sein – wer 4 % Zinsen zahlt, aber 8–10 % Rendite an der Börse verpasst, verliert langfristig Vermögen.
4. Keine Nachlassplanung
Weil viele versteckte Millionäre sich selbst nicht als reich empfinden, haben sie oft keine Nachlassregelung – kein Testament, keine Patientenverfügung, keine Erbregelung.
„Viele sagen: Nachlassplanung ist für Reiche. Ich bin doch keiner“, erklärt Reed.
Dabei sollte jeder Mensch, der Vermögen oder Verantwortung hat, mindestens ein einfaches Testament besitzen.
5. Kein Finanzplan, kein Berater
Viele Hidden Millionaires verzichten auf professionelle Beratung – aus Sparsamkeit oder Unsicherheit. Doch gerade sie könnten vom Blick eines Finanzprofis profitieren.
„Man kann auch einmalig einen Honorarberater buchen“, sagt Dan Caplinger vom Finanzportal The Motley Fool. „Das kostet überschaubar – kann aber große Wirkung haben.“
6. Übertriebene Sparsamkeit: Leben wie vor dem Reichtum
Ein besonders kurioser Effekt: Manche Millionäre leben, als wären sie nahe am Existenzminimum – aus Angst, alles zu verlieren.
„Sie geben 50.000 Dollar im Jahr aus, obwohl sie sich 100.000 leisten könnten“, sagt Finanzplanerin Michelle Crumm aus Michigan.
Andere vergessen, dass sie im Ruhestand z. B. ihre Immobilie verkaufen oder beleihen könnten – was ihnen zusätzliche finanzielle Freiheit verschaffen würde.
Fazit: Reich sein heißt nicht, sich reich zu fühlen
Die Studie zeigt: Viele Menschen, die finanziell abgesichert sind, trauen sich selbst nicht über den Weg – und machen aus Angst vor Fehlern genau diese.
Der Appell der Experten ist klar:
Wer Vermögen hat, sollte es bewusst verwalten, Risiken streuen, unnötige Schulden vermeiden und frühzeitig Vorsorge treffen – nicht nur für sich selbst, sondern auch für die, die einmal erben oder Entscheidungen treffen müssen.
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