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Wie sich Wall-Street-Riese Apollo erneut in den Epstein-Akten verstrickt

Zsubio (CC0), Pixabay
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Jeffrey Epstein wirft erneut einen Schatten auf eines der mächtigsten Unternehmen der Wall Street: Apollo Global Management.

Fünf Jahre nachdem der Epstein-Skandal den Milliardär und Apollo-Mitgründer Leon Black zum Rücktritt als CEO zwang, sorgen neu veröffentlichte Millionen von Dokumenten im Zusammenhang mit Epstein für neue Fragen. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Blacks Nachfolger und heutiger CEO Marc Rowan sich noch Jahre nach Epsteins Schuldeingeständnis von 2008 – wegen der Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution – mehrfach mit ihm getroffen haben soll.

Die neuen Dokumente werfen damit erneut Fragen zu Apollos Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter und zur Transparenz gegenüber Investoren auf.

Druck von Großinvestoren

Zwei einflussreiche US-Lehrergewerkschaften, die zusammen mindestens 27,5 Milliarden Dollar bei Apollo investiert haben, wandten sich diese Woche in einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht SEC. Darin fordern sie eine Untersuchung wegen einer „offenkundigen mangelnden Offenheit“ Apollos im Umgang mit der Beziehung zu Epstein.

Apollo reagierte umgehend mit Schadensbegrenzung. Das Unternehmen betonte gegenüber Kunden, es gebe „nichts Neues“ in den veröffentlichten Dokumenten. Rowan habe weder eine geschäftliche noch eine persönliche Beziehung zu Epstein unterhalten. Zwar habe Epstein mehrfach versucht, mit Apollo-Führungskräften – außer Leon Black – Geschäfte zu machen, doch seien diese Versuche stets zurückgewiesen worden.

Leon Black hatte bereits Ende 2020 erklärt, er bedaure „im Nachhinein zutiefst“, überhaupt irgendeine Verbindung zu Epstein gehabt zu haben.

Alte Verbindungen, neue Details

Apollo mit Sitz in New York verwaltet Vermögenswerte von nahezu einer Billion US-Dollar. Das Unternehmen wird seit Jahren von seinen Verbindungen zu Epstein verfolgt. Black trat 2021 zurück, nachdem eine interne Untersuchung ergeben hatte, dass er zwischen 2012 und 2017 insgesamt 158 Millionen Dollar an Epstein gezahlt hatte.

Ein damaliger Untersuchungsbericht der Kanzlei Dechert LLP kam zu dem Schluss, dass Blacks Aussage aus dem Jahr 2019, er habe Epsteins Dienste nie anderen Apollo-Führungskräften empfohlen, „nicht falsch, aber präziser hätte formuliert werden können“. Der Bericht stellte außerdem fest, dass weder Marc Rowan noch Mitgründer Josh Harris Epstein persönlich engagiert oder zu privaten Angelegenheiten konsultiert hätten.

Die nun veröffentlichten Dokumente zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Laut den Lehrergewerkschaften enthalten Hunderte freigegebener Unterlagen Hinweise auf Kontakte zwischen Rowan und Epstein – auch Jahre nach dessen Verurteilung.

So tauschten sich Rowan und Epstein im Februar 2016 per E-Mail über eine mögliche sogenannte „Corporate Inversion“ aus – eine steuerliche Umstrukturierung, bei der ein Unternehmen seinen Sitz in ein Land mit niedrigeren Steuern verlegt. Epstein schlug vor, die Bank Rothschild einzubeziehen und verwies auf „interessante Strukturen“. Rowan antwortete mit „Einverstanden“.

Im März 2016 leitete Rowan offenbar interne Apollo-E-Mails zur Bewertung eines Steuervermögenswerts an Epstein weiter. Und im September desselben Jahres bat ein Manager eines Apollo-Tochterunternehmens darum, Epstein wegen seiner „substanziellen Expertise“ bei bestimmten Steuerfragen in E-Mail-Verteiler aufzunehmen.

Die Gewerkschaften argumentieren, die bisherigen Investoreninformationen von Apollo zeichneten ein „unvollständiges und ungenaues Bild“ der Verbindungen zu Epstein.

Forderung nach SEC-Untersuchung

In ihrem Schreiben an die SEC äußerten die Gewerkschaften Besorgnis über die „scheinbare Unfähigkeit“ Apollos, das volle Ausmaß der persönlichen, sozialen und professionellen Verbindungen zu Epstein offenzulegen.

Konkret solle geprüft werden, ob frühere Aussagen des Unternehmens „wesentlich falsch oder irreführend“ gewesen seien.

Die SEC wollte sich dazu nicht äußern. Auch Apollo reagierte auf eine weitere Anfrage nicht.

Die Gewerkschaften argumentieren, dass die 2021 veröffentlichten Angaben an Aktionäre „zumindest irreführend“ gewesen sein könnten und dass führende Manager dies vermutlich gewusst hätten. Der damalige Untersuchungsbericht habe Epsteins Kontakte zu anderen Apollo-Führungskräften eher heruntergespielt.

Apollo weist Vorwürfe zurück

In einem Brief an Kunden erklärte Apollo-Präsident James Zelter am Mittwoch, die aktuelle Berichterstattung sei von einer „Welle von Schlagzeilen“ und Akteuren mit eigener Agenda geprägt.

„Aus Apollo-Sicht gibt es nichts Neues in diesen Dokumenten“, schrieb Zelter. „Weder Marc Rowan noch sonst jemand bei Apollo (mit Ausnahme von Leon Black) hatte eine geschäftliche oder persönliche Beziehung zu Jeffrey Epstein.“

In einzelnen Fällen hätten Rowan und andere Mitarbeiter Epstein Informationen im Zusammenhang mit dessen Steuerarbeit für Black zur Verfügung gestellt. Versuche Epsteins, weitere Geschäfte mit Apollo-Mitgründern anzubahnen, seien jedoch „in jedem Fall abgelehnt“ worden.

Reputationsrisiko mit finanziellen Folgen

Unternehmensberaterin Eleanor Bloxham von The Value Alliance Company sieht in der Forderung der Gewerkschaften nach einer SEC-Untersuchung eine „starke Argumentationsbasis“.

„Wenn Investoren Kapital treuhänderisch anlegen, erwarten sie einen ehrlichen und transparenten Partner“, sagte sie. „Mangelnde Offenheit sollte Kunden alarmieren.“

Die erneute Epstein-Debatte trifft Apollo in einer ohnehin angespannten Phase. Das Unternehmen hat in diesem Jahr rund ein Fünftel seines Börsenwerts verloren. Die Aktie fiel am Donnerstag um weitere 6 Prozent – im Zuge eines breiteren Ausverkaufs im Asset-Management-Sektor, ausgelöst durch Sorgen um die Stabilität privater Kreditfonds.

Die Affäre zeigt, dass die Verbindungen zu Jeffrey Epstein auch Jahre nach seinem Tod weiterhin wirtschaftliche und reputative Konsequenzen für große Finanzakteure haben können.

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