In den USA geraten sogenannte Prognosemärkte zunehmend in die Kritik. Auf Plattformen wie Polymarket oder Kalshi können Nutzer auf zukünftige Ereignisse wetten – von Sportergebnissen bis zu politischen Entwicklungen. In den vergangenen Monaten wurden jedoch auch Wetten auf militärische Konflikte und den Tod politischer Führer abgeschlossen. Kritiker sprechen von einer „makabren Entwicklung“ und fordern strengere Regeln.
Milliardenmarkt für Ereigniswetten
Prognosemärkte funktionieren ähnlich wie Börsen. Nutzer handeln sogenannte Event-Verträge, mit denen sie darauf setzen, ob ein bestimmtes Ereignis eintritt oder nicht. Anders als bei klassischen Wettanbietern werden die Quoten dabei nicht vom Unternehmen festgelegt, sondern entstehen durch Angebot und Nachfrage der Nutzer.
Die Branche wächst rasant: In den vergangenen zwölf Monaten wurden laut Berichten mehr als 44 Milliarden Dollar über solche Plattformen gehandelt.
Besonders während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2024 boomten die Apps. Damals durften Nutzer erstmals wieder auf Wahlergebnisse wetten, nachdem ein Gericht entsprechende Einschränkungen aufgehoben hatte.
Umstrittene Wetten auf Krieg
Zuletzt sorgten jedoch Wetten rund um internationale Konflikte für Empörung. Nutzer konnten beispielsweise auf Ereignisse im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg spekulieren, etwa:
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wann US-Truppen in Iran einmarschieren könnten
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wie sich militärische Operationen entwickeln
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oder ob politische Führungspersonen „aus dem Amt verschwinden“
Allein auf einer Plattform wurden laut Schätzungen über 500 Millionen Dollar auf Ereignisse rund um den Krieg im Iran gesetzt.
Ein besonders umstrittener Markt ermöglichte Wetten darauf, ob Irans oberster Führer bis zu einem bestimmten Datum „nicht mehr im Amt“ sein würde. Insgesamt wurden dort 54 Millionen Dollar umgesetzt, bevor der Markt schließlich wieder geschlossen wurde.
Kritik: „Gambling auf den Tod“
Kritiker sehen darin eine gefährliche Entwicklung. Sie warnen, dass solche Plattformen Wetten auf Krieg, Terror oder den Tod von Staatschefs ermöglichen könnten.
Neben moralischen Bedenken gibt es auch Sicherheitsbedenken. Experten warnen, dass Personen mit Insiderwissen aus Regierung oder Militär theoretisch Geld verdienen könnten, wenn sie vor wichtigen Ereignissen wetten.
Ein Beispiel aus jüngster Zeit sorgte besonders für Aufmerksamkeit: Ein Nutzer verdiente fast eine halbe Million Dollar, nachdem er kurz vor der offiziellen Bekanntgabe auf die Festnahme eines Staatschefs gewettet hatte.
Streit um Regulierung
Der Boom der Prognosemärkte hat in den USA eine juristische Debatte ausgelöst. Die zentrale Frage lautet:
Handelt es sich um Finanzmärkte – oder schlicht um Online-Glücksspiel?
Die Plattformen argumentieren, ihre Event-Verträge hätten wirtschaftlichen Nutzen. Unternehmen könnten damit Risiken absichern, etwa bei politischen Entscheidungen oder wirtschaftlichen Entwicklungen.
Kritiker widersprechen. Ihrer Meinung nach handelt es sich im Kern um Wetten, die deshalb genauso reguliert werden sollten wie klassische Glücksspielanbieter.
Politische Reaktionen
Mehrere Politiker haben inzwischen Gesetzesinitiativen gestartet. Einige Vorschläge sehen vor:
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Bundesbeamten das Handeln solcher Verträge zu verbieten
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strengere Regeln für Wetten auf Krieg oder Gewalt einzuführen
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den Verbraucherschutz zu stärken
Allerdings gelten die Chancen für eine schnelle Regulierung derzeit als gering. Nach der Wahl von Donald Trump verfolgt die US-Regierung eine eher liberale Linie gegenüber neuen Finanzplattformen.
Plattformen reagieren auf Kritik
Angesichts des Drucks versuchen einige Unternehmen, ihre Regeln zu verschärfen. Eine Plattform hat inzwischen klargestellt, dass Märkte, die direkt auf den Tod einer Person abzielen, nicht erlaubt sind.
Außerdem wurden interne Untersuchungen zu möglichem Insiderhandel eingeleitet.
Doch für viele Beobachter bleibt das Grundproblem bestehen: Auch wenn die Anbieter ihre Dienste als „Event-Handel“ bezeichnen – am Ende gehe es für die Nutzer meist um etwas ganz Einfaches.
Eine Wette auf die Zukunft.
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