Die renommierte Militärakademie West Point hat eine geplante Ehrung des Schauspielers Tom Hanks kurzfristig abgesagt. Der zweifache Oscar-Preisträger sollte am 25. September den prestigeträchtigen Sylvanus-Thayer-Award erhalten – eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der Institution. Doch dazu wird es nun nicht kommen.
Die Entscheidung sorgte für politische Schlagzeilen, da Hanks in der Vergangenheit kritisch gegenüber Ex-Präsident Donald Trump aufgetreten war. Beobachter werten die Absage deshalb auch als Signal des neuen, Trump-nahen Führungspersonals an der Militärakademie.
Trump gratuliert West Point – „WOKE nicht erwünscht“
Auf seiner Plattform Truth Social kommentierte Trump die Absage enthusiastisch:
„Unsere großartige Akademie in West Point (die immer großartiger wird!) hat klugerweise die Preisverleihung für Schauspieler Tom Hanks abgesagt. Wichtige Entscheidung! Wir brauchen keine destruktiven, WOKE Preisträger, die unsere geschätzten amerikanischen Auszeichnungen erhalten!“
Er sprach sich außerdem dafür aus, auch bei anderen Preisverleihungen – etwa den Oscars – die Kriterien zu überdenken. Die Quoten („dead ratings“) würden dadurch „explodieren“, schrieb Trump weiter.
Ursprünglich als würdiger Preisträger angekündigt
Die Auszeichnung wird jährlich an Persönlichkeiten vergeben, „deren Leistungen und Dienste im nationalen Interesse den Werten von Pflicht, Ehre, Vaterland entsprechen“, wie es auf der Website von West Point heißt. Die erste Ankündigung im Juni hatte Hanks als idealen Kandidaten hervorgehoben.
Der Vorsitzende der Alumni-Vereinigung, Robert A. McDonald, würdigte Hanks damals mit den Worten:
„Tom Hanks hat mehr für das positive Bild des amerikanischen Soldaten, für Veteranen und ihre Familien, sowie für das amerikanische Raumfahrtprogramm getan als viele andere Amerikaner.“
Hanks selbst zeigte sich damals „geehrt und überwältigt“ und bezeichnete die Auszeichnung als „bedeutend und demütigend“.
Ein Kurswechsel mit politischer Dimension
Warum genau die Auszeichnung zurückgezogen wurde, ist offiziell nicht bekannt – West Point selbst äußerte sich bislang nicht. Inoffiziell wird die Entscheidung jedoch mit einer Neuorientierung der Akademie unter der Trump-Administration in Verbindung gebracht.
Für Hanks ist es ein seltener Rückschlag im sonst makellosen öffentlichen Image: Er gilt als einer der beliebtesten und respektiertesten Schauspieler der USA, der sich auch regelmäßig für soziale und gesellschaftliche Anliegen einsetzt – darunter für Veteranen, den Kampf gegen Rassismus und Bildung.
Debatte über politische Einflussnahme
Die Absage hat eine Debatte über politische Einflussnahme auf staatliche Institutionen ausgelöst. Kritiker befürchten, dass die Entscheidung ideologisch motiviert sei und ein Beispiel dafür, wie die Kulturkämpfe in den USA selbst das Militär und dessen Traditionen erfassen.
Vertreter der Akademie selbst äußerten sich bislang nicht zu den Gründen – Anfragen von USA TODAY an West Point und Tom Hanks’ Sprecher blieben zunächst unbeantwortet.
Hintergrund: Der Sylvanus-Thayer-Award wird seit 1958 verliehen – frühere Preisträger waren unter anderem Dwight D. Eisenhower, Ronald Reagan, Angela Merkel und George H. W. Bush.
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