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„Wer Anleihen kauft, wird zum Gläubiger – und trägt echte Risiken“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Ein Interview mit dem Rechtsanwalt Daniel Blazek über Chancen, Risiken und rechtliche Fallstricke bei Anleiheninvestments

Redaktion:
Herr Blazek, Anleihen gelten als solide Geldanlage – besonders in unruhigen Börsenzeiten. Ist das aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Daniel Blazek:
Zum Teil. Eine Anleihe ist grundsätzlich so sicher wie der Emittent, der sie herausgibt. Eine Bundesanleihe der Bundesrepublik Deutschland ist tatsächlich eines der sichersten Investments weltweit. Sobald man sich aber anderen Staaten oder Unternehmen zuwendet, steigen die Risiken deutlich. Wer eine Anleihe kauft, wird zum Gläubiger – und wenn der Schuldner ausfällt, ist das Geld unter Umständen verloren.

Redaktion:
Was passiert, wenn ein Emittent – etwa ein Unternehmen oder ein Staat – zahlungsunfähig wird?

Blazek:
Dann nimmt der Anleger am Insolvenzverfahren teil, meistens mit nachrangigen Forderungen. Das bedeutet, man wird als Gläubiger oft erst nach Banken und Lieferanten bedient – und häufig bleibt nichts mehr übrig. Bei Hochzinsanleihen ist das Risiko besonders hoch. Ein Beispiel ist Venezuela: Eine dort 1997 ausgegebene Anleihe hat heute nur noch einen Marktwert von rund 20 Prozent – obwohl sie formal in zwei Jahren zurückgezahlt werden müsste.

Redaktion:
Das Beispiel Venezuela zeigt: Hohe Rendite heißt hohes Risiko?

Blazek:
Ganz genau. Wenn eine Anleihe einen überdurchschnittlich hohen Zins bietet, dann ist das fast immer ein Kompensationsversuch für ein erkennbares Risiko. Wer dreimal so hohe Zinsen bekommt wie bei einer Bundesanleihe, geht auch ein deutlich größeres Ausfallrisiko ein. Das sollte man sich klarmachen.

Redaktion:
Wie kann sich ein Privatanleger vor solchen Risiken schützen?

Blazek:
Indem er sich gründlich informiert. Ratingagenturen stufen die Bonität von Emittenten ein – von AAA für Top-Bonität bis D für Zahlungsausfall. Und auch der Zinskupon einer Anleihe gibt Hinweise: Je höher er ist, desto größer in der Regel das Risiko. Außerdem empfehle ich, nicht direkt in einzelne Anleihen zu investieren, sondern breit gestreut über Fonds oder ETFs. Das reduziert das Risiko einzelner Ausfälle.

Redaktion:
Welche Vorteile bieten Anleihefonds konkret?

Blazek:
Fonds können in viele verschiedene Anleihen gleichzeitig investieren und so Verluste einzelner Emittenten abfedern. Außerdem sind viele Einzelanleihen nur in hohen Stückelungen erhältlich – 10.000 Euro oder mehr –, was für Privatanleger oft nicht praktikabel ist. Fonds bieten auch mehr Flexibilität, weil man sie jederzeit an der Börse handeln kann. Das alles macht sie gerade für Einsteiger attraktiver.

Redaktion:
Und was sind aus rechtlicher Sicht die häufigsten Fallstricke?

Blazek:
Viele Anleger schauen nicht in die Emissionsprospekte – oder verstehen sie nicht. Dabei stehen dort wichtige Informationen über Laufzeit, Rückzahlungsbedingungen, Kündigungsklauseln und Risiken. Wer das ignoriert, erlebt mitunter böse Überraschungen. Und sollte es später zu Problemen kommen – etwa bei Zahlungsausfällen –, ist es ohne gute Dokumentation und Nachweise schwer, rechtlich gegen den Emittenten vorzugehen.

Redaktion:
Ihr Fazit für alle, die über ein Investment in Anleihen nachdenken?

Blazek:
Anleihen sind ein interessanter Baustein in einem ausgewogenen Portfolio – aber kein Selbstläufer. Wer sicher investieren will, sollte sich auf Emittenten mit guter Bonität konzentrieren und Risiken streuen. Wer hingegen auf hohe Rendite schielt, muss auch bereit sein, echte Verlustrisiken zu tragen. Entscheidend ist: Wissen, was man tut – und im Zweifel lieber einmal mehr nachfragen.

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