Noch vor einer Woche erklärte US-Präsident Donald Trump, Großbritannien müsse keine Schiffe in den Nahen Osten schicken – der Krieg gegen den Iran sei bereits gewonnen. Nun fordert er genau das: Verbündete, NATO-Staaten und sogar China sollen Kriegsschiffe entsenden, um die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder zu öffnen.
In einem Interview mit der Financial Times deutete Trump sogar an, dass ausbleibende Unterstützung Konsequenzen haben könnte – etwa für Europas Sicherheit unter dem amerikanischen Schutzschirm oder für sein geplantes Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping. Die Forderung zeigt: Trotz wiederholter Siegeserklärungen ist der Krieg offenbar noch lange nicht entschieden.
Historisch gesehen wäre es nicht ungewöhnlich, wenn ein amerikanischer Militäreinsatz länger dauert als zunächst erwartet. Genau deshalb bemüht sich die US-Regierung derzeit, Öffentlichkeit und Märkte davon zu überzeugen, dass der Konflikt bald enden könnte. US-Energieminister Chris Wright erklärte etwa, der Krieg könne „innerhalb weniger Wochen“ beendet sein. Andere Regierungsvertreter äußern sich vorsichtiger.
Israel, das gemeinsam mit den USA militärisch gegen den Iran vorgeht, rechnet sogar mit weiteren Wochen intensiver Luftangriffe auf iranische Militär- und Geheimdienstziele.
Tatsächlich ist der Krieg erst zwei Wochen alt. In dieser frühen Phase verfügen die USA aufgrund ihrer militärischen Überlegenheit meist über einen klaren Vorteil. Doch moderne Konflikte zeigen immer wieder, dass Kriege selten in den ersten Wochen entschieden werden.
Gleichzeitig steht die US-Regierung vor mehreren Problemen. Trump erklärte mehrfach, der Krieg sei bereits gewonnen, sagte aber auch, er werde erst enden, wenn er es „in seinen Knochen spüre“. Kritiker fragen daher, warum amerikanische Soldaten weiterhin in Gefahr sind – bisher sind bereits 13 US-Soldaten im Einsatz gestorben.
Hinzu kommt die Erinnerung an frühere Konflikte wie im Irak oder in Afghanistan. Auch dort schienen die USA zunächst militärisch zu dominieren, doch langfristige politische Probleme führten zu langwierigen Kriegen.
Ein zentrales Problem ist derzeit die Straße von Hormus. Der Iran hat die wichtige Handelsroute praktisch blockiert, was eine globale Energiekrise ausgelöst hat. Ölpreise sind stark gestiegen, und täglich fehlen Millionen Barrel Öl auf dem Weltmarkt. Um die Passage zu sichern, fordert Trump nun Unterstützung von ausländischen Marinen – bisher reagieren viele Staaten jedoch zurückhaltend.
Ein weiteres Risiko ist Irans weiterhin vorhandenes hochangereichertes Uran. Trotz amerikanischer Angriffe könnte das Land theoretisch weiterhin versuchen, eine Atombombe zu entwickeln. Militärische Operationen zur Sicherung oder Zerstörung dieses Materials wären komplex und könnten größere Bodeneinsätze erfordern.
Auch innerhalb des Iran ist kein baldiges Ende des Konflikts erkennbar. Zwar scheinen US- und israelische Angriffe Teile der iranischen Militärfähigkeit geschwächt zu haben, doch Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele in der Region dauern an. Gleichzeitig gibt es keine diplomatische Lösung in Sicht, und die iranische Führung zeigt keine Bereitschaft zur Kapitulation.
In den USA selbst wächst daher Skepsis gegenüber der Regierung. Viele Amerikaner erinnern sich an die langen Kriege der vergangenen Jahrzehnte. Diese Erfahrungen setzen die politische Messlatte hoch: Neue militärische Einsätze müssen überzeugend begründet sein – vor allem, wenn ihr Ende unklar bleibt.
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