Als Disneyland 1955 seine Tore öffnete, revolutionierte es die Welt der Freizeitparks. Es war nicht der erste Vergnügungspark, aber der erste seiner Art, der eine vollständig thematisierte, erzählerisch durchdachte Welt erschuf – ein Konzept, das bis heute Freizeitparks weltweit prägt.
„Die Hälfte aller Geschichten, die ich erzähle und die nicht direkt mit Disneyland zu tun haben, beginnen mit dem Satz: ‚Jemand war bei Disneyland und wollte dann sein eigenes Disney erschaffen‘“, erklärt Kevin Perjurer, Filmemacher und Betreiber des populären YouTube-Kanals Defunctland. Selbst kleine Lasertag-Hallen seien oft von Disneyland inspiriert.
Ein neuer Maßstab für Freizeitparks
Während historische Parks wie Tivoli Gardens in Kopenhagen (gegründet 1843) oder Luna Park in New York schon lange vor Disneyland existierten, war es Walt Disney, der das Konzept des „Storytelling“ in 3D perfektionierte. Gäste konnten in bekannte Geschichten eintauchen oder neue Abenteuer erleben – gestaltet von kreativen Köpfen wie Disney-Legende Bob Gurr, der ikonische Fahrgeschäfte wie Autopia oder das Matterhorn mitentwickelte.
„Walt hat immer in Geschichten gedacht – egal ob als Zeichnung, Film oder als dreidimensionale Erfahrung im Park“, sagt Gurr.
Kino als Inspirationsquelle
Disneyland nutzte filmische Mittel zur räumlichen Inszenierung. Der Übergang von Main Street zu Adventureland ist etwa wie ein „weicher Filmschnitt“ gestaltet, erklärt Bruce Vaughn, Kreativchef von Walt Disney Imagineering. Auch das ikonische „Hub-and-Spoke“-Design, mit zentralem Platz und strahlenförmig abgehenden Themenbereichen, wurde hier perfektioniert und weltweit adaptiert.
Technische Pionierarbeit
Disneylands Ingenieure, die sogenannten Imagineers, haben neue Standards gesetzt: Animatronik-Figuren wie Abraham Lincoln auf der Weltausstellung 1964, oder das komplexe Fahrsystem der „Indiana Jones Adventure“-Attraktion, das Simulations- und Bewegungstechnik kombiniert, zeigen den Innovationsgeist. Aktuell zu sehen: Eine neue animatronische Figur von Walt Disney selbst – anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Parks.
Das Erlebnis wird zur Destination
Das Gesamterlebnis geht heute weit über den Parkbesuch hinaus. Themenspezifische Hotels auf dem Gelände ermöglichen mehrtägige Aufenthalte. „Das Ziel wird von einem Tagesausflug zur mehrtägigen Auszeit vom Alltag“, erklärt Jakob Wahl, Präsident des internationalen Freizeitparkverbandes IAAPA.
Zuhören – und sich weiterentwickeln
Auch die Bedürfnisse der Gäste veränderten den Park: Ursprünglich konzipierte Fantasyland-Attraktionen wie „Peter Pan“ oder „Schneewittchen“ ließen Besucher in die Rolle der Hauptfigur schlüpfen – ohne die bekannten Charaktere zu zeigen. Aufgrund von Kritik wurden diese Fahrgeschäfte später angepasst.
Heute kehrt Disneyland wieder zu immersiven Konzepten zurück: In Star Wars: Galaxy’s Edge etwa können Besucher den Millennium Falcon steuern oder als Spione Teil einer Mission werden. „Genau das war Walt Disneys Vision: Geschichten nicht nur erzählen, sondern erleben“, so Vaughn.
70 Jahre Inspiration
Für Familien wie die Tsais, die seit Jahrzehnten mit Kindern und Enkelkindern den Park besuchen, bleibt Disneyland ein Ort der besonderen Erinnerungen. „Es ist, als wären wir wieder jung“, sagt David Tsai. „Unsere Enkel lieben die gleichen Attraktionen wie unsere Kinder damals.“
In einer Jubiläumskampagne zum 70-jährigen Bestehen zeigt Disneyland echte Besucher wie die Tsais – als Beweis für die bleibende Magie.
Walt Disney selbst sagte am Eröffnungstag 1955:
„Disneyland ist den Idealen, Träumen und Tatsachen gewidmet, die Amerika geschaffen haben – in der Hoffnung, eine Quelle der Freude und Inspiration für die ganze Welt zu sein.“
70 Jahre später gilt das immer noch.
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