Amanda McKinney war leidenschaftliche Läuferin – von 5-Kilometer-Läufen bis hin zu Marathons. Auch nach der Geburt ihres ersten Kindes lief sie weiter: Sport war für sie ein emotionaler Ausgleich zur neuen Rolle als Mutter.
Doch nach der Geburt ihres zweiten Kindes veränderte sich alles. McKinney begann unter Blasenschwäche zu leiden – selbst ein einziger Hampelmann führte zur unwillkürlichen Urinabgabe. An regelmäßiges Training war nicht mehr zu denken, und bald litt nicht nur ihre körperliche, sondern auch ihre psychische Gesundheit.
Ihre Schwester konnte sie kaum unterstützen – sie hatte nach ihren eigenen Geburten keine ähnlichen Beschwerden. McKinney fühlte sich allein mit ihrem Problem. „Ich wusste nicht, ob es nur mir so ging. Ich wusste nicht, ob ich das jemals überwinden würde“, erzählt sie. „Es war mir schon peinlich genug, dass ich nicht mal einen Hampelmann machen konnte, ohne mich einzunässen.“
Dabei ist genau das keine Seltenheit: Rund 40 % der Frauen erleben während oder nach der Schwangerschaft eine Form der Harninkontinenz, also den ungewollten Verlust von Urin. Auch Stuhlinkontinenz kann auftreten. Doch das Thema wird kaum offen angesprochen – viele Frauen glauben, sie müssten damit leben oder hätten keine Behandlungsoptionen.
Hoffnung durch Hilfsmittel: Vaginalpessare als Lösung
McKinney fand schließlich Hilfe durch ein kleines medizinisches Gerät: ein sogenanntes Vaginalpessar. Dabei handelt es sich um ein aus medizinischem Silikon bestehendes Hilfsmittel, das in die Vagina eingeführt wird und dort mechanische Unterstützung für die Beckenorgane bietet. Es kann besonders Frauen mit Stressinkontinenz helfen – also bei Belastungen wie Husten, Niesen, Sport oder schwerem Heben, wenn die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist.
Ein solches Produkt ist Uresta, ein wiederverwendbares, rezeptfreies Pessar, entwickelt vom kanadischen Urogynäkologen Dr. Scott Farrell. Anders als viele andere Modelle kann Uresta von den Nutzerinnen selbst eingesetzt und entfernt werden – ohne ständige Arztbesuche. Laut Unternehmensdaten und externen Studien berichteten 97 % der Anwenderinnen über eine Verringerung der Inkontinenzsymptome.
Allerdings heilt das Pessar die Ursache nicht, wie die Fachkrankenschwester und Beckenbodenspezialistin Kathy Kates erklärt: „Es bietet eine sofortige, nicht-chirurgische Linderung – aber der Effekt hält nur an, solange es getragen wird. Eine dauerhafte Lösung erfordert zusätzliche Maßnahmen und Betreuung.“
Beckenbodentherapie – die nachhaltigere Lösung
In den meisten medizinischen Leitlinien gilt Beckenbodentherapie als Erstmaßnahme. Diese Rehabilitationsform stärkt die Muskulatur gezielt und kann langfristige Besserung bringen. „Es braucht mehr Zeit und Eigeninitiative, aber es bekämpft die Ursache und kann dauerhafte Fortschritte erzielen“, sagt Kates.
Viele Frauen kombinieren deshalb kurzfristige Hilfen wie das Pessar mit langfristigen Ansätzen wie Beckenbodentraining oder Elektrotherapie – wie auch Amanda McKinney, die mittlerweile wieder an Halbmarathons teilnimmt.
„Es fühlt sich wie Freiheit an“
Auch Hiromi Okuyama litt jahrelang an Inkontinenz – nach der Geburt ihres zweiten Kindes in ihren 40ern. Als Karate-Lehrerin und Mutter eines sehr aktiven Kindes wurde der Alltag zunehmend schwieriger. Sie probierte unzählige Binden und trug nachts sogar Windeln. An gesellschaftliche Anlässe war kaum zu denken – „Wie soll man sich in einem schönen Kleid wohlfühlen, wenn darunter eine dicke Einlage steckt?“, beschreibt sie.
Sie fühlte sich isoliert – bis sie auf die Uresta-Community stieß: „Es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Ich war nicht mehr allein. Die Facebook-Gruppe ist wunderbar – so viele Frauen sprechen offen über dieses schwierige Thema.“
Ein Tabuthema rückt ins Licht
Der Umgang mit postpartaler Inkontinenz ist oft von Scham und Schweigen geprägt – dabei gibt es inzwischen effektive, zugängliche Lösungen. McKinney sagt heute: „Ich spreche mit jedem darüber. Es betrifft so viele von uns. Und es beeinflusst nicht nur die körperliche, sondern massiv auch die mentale Gesundheit.“
Dr. Farrell betont abschließend: „Konservative Therapien verdienen mehr Beachtung. Sie haben enorm viel Potenzial, um Frauen mit Inkontinenz wirklich zu helfen.“
Fazit
Postpartale Inkontinenz ist kein Einzelschicksal. Sie ist weit verbreitet – und behandelbar. Doch solange das Thema tabuisiert wird, leiden viele Frauen unnötig im Stillen. Aufklärung, Austausch und der Zugang zu modernen Hilfsmitteln wie Vaginalpessaren können Betroffenen helfen, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen – und mit neuer Freiheit durch den Alltag zu gehen.
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