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Wenn Großeltern zu Helikoptereltern werden – Wie übergriffiges Verhalten familiäre Grenzen sprengen kann

Kollinger (CC0), Pixabay
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Die sogenannten „Helikoptereltern“ der 1990er- und 2000er-Jahre sind älter geworden – und viele von ihnen treten nun als „Helikopter-Großeltern“ in Erscheinung. Was einst übermäßige Fürsorge für die eigenen Kinder war, wird nun zur Herausforderung in der Beziehung zur nächsten Generation.

„Mama, das sind meine Kinder. Du bist jetzt Oma – vergiss das nicht“, sagt TikTok-Momfluencerin und Schauspielerin Selah Victor in einem augenzwinkernden Video, das auf Social Media tausendfach geklickt wurde. Doch hinter dem Humor steckt eine Realität, die viele Familien betrifft: Wenn Großeltern zu viel mitmischen, kann das familiäre Spannungen erzeugen.

Unterstützung oder Übergriff?

Emily Greenberg, Mitgründerin der Plattform Joy Parenting Club, kennt das Phänomen aus nächster Nähe: Ihre Eltern wohnen gleich um die Ecke – eine tolle Hilfe, sagt sie, aber: „Unterstützung ist großartig. Kontrolle ist anstrengend.“

Helikopter-Großeltern mischen sich laut Greenberg über die von den Eltern gesetzten Grenzen hinweg ein. Oft liegt diesem Verhalten Unsicherheit zugrunde – das Gefühl, in ihrer Rolle als Eltern oder Großeltern nicht mehr gebraucht zu werden.

„Viele ältere Erwachsene empfinden es als beängstigend, wenn sie merken, dass ihre aktive Elternrolle vorbei ist. Sie wollen nützlich sein, präsent sein“, erklärt Greenberg. Doch statt Nähe entsteht oft das Gegenteil: Eltern ziehen sich zurück, wenn sie sich übergangen fühlen.

Drei Großeltern-Typen

Der Psychologe Kurt Ela von der Georgetown University unterscheidet zwischen drei Typen von Großeltern: distanzierte, begleitende (freundschaftlich, aber nicht erzieherisch) und stark involvierte. Letztere können bei übermäßiger Einmischung in die Kindererziehung schnell zu Helikopter-Großeltern werden. Allerdings kann dieselbe Unsicherheit auch das Gegenteil bewirken – den Rückzug aus Angst, Fehler zu machen.

Grundsätzlich sei die Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln etwas sehr Positives, so Ela: Sie könne den Eltern den Alltag erleichtern, die Großeltern emotional bereichern und die Verbindung zwischen den Generationen stärken.

Greenberg bestätigt das: Ihr Vater blühe im Zusammensein mit seinem Enkel richtig auf. „Ich sehe in ihm eine neue Energie, Kreativität, Wärme.“

Die Grenzen erkennen – und respektieren

Doch wenn Großeltern vergessen, dass sie nicht die Eltern sind, wird es problematisch. Psychologin und Autorin Dale Atkins betont: „Großeltern sollten neugierig sein, nicht kritisch. Und immer zuerst fragen, bevor sie handeln.“

Ein respektvoller Umgang sei zentral – auch im Gespräch mit den Enkeln. Denn: „Es sind nicht ihre Kinder“, so Atkins.

Greenberg erklärt, viele Großeltern würden unbewusst versuchen, ihre früheren Erziehungsfehler wiedergutzumachen – gewissermaßen eine zweite Chance zu nutzen. Doch Großelternschaft sei keine Wiederholung der Elternrolle, sagt Atkins. Vielmehr gelte es, die neue Rolle bewusst und reflektiert zu gestalten.

So gelingen Grenzen: Das H.E.L.P.-Modell

Um mit übergriffigem Verhalten umzugehen, empfiehlt Greenberg das sogenannte HELP-Modell:

  • H – Helpful or Hangout?
    Großeltern sollten offen benennen, ob sie aktiv helfen oder einfach Zeit mit ihren Enkeln verbringen möchten. Beides ist wertvoll – solange die Absicht klar ist.

  • E – Emotional Need
    Großeltern sollten sich fragen, ob hinter ihrem Verhalten emotionale Bedürfnisse stehen – etwa das Bedürfnis nach Zugehörigkeit oder Sinn. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden.

  • L – Loaded Meaning
    Oft steckt hinter gut gemeinten Ratschlägen unterschwellige Kritik. Für Eltern kann das wie Misstrauen wirken – für Großeltern ist es häufig Ausdruck eigener Zweifel an früheren Entscheidungen.

  • P – Parameters
    Klare, freundlich formulierte Grenzen sind essenziell. Greenberg betont: „Grenzen sind keine Zurückweisung.“

Psychologe Ela rät dazu, Konflikte nicht zu verdrängen, sondern offen anzusprechen. Regelmäßige Gespräche helfen, Erwartungen zu klären und gegenseitiges Verständnis zu stärken. „Wenn nicht geredet wird, passieren Missverständnisse – und manchmal heben sich Erziehungsmethoden gegenseitig auf.“

Fazit: Großelternschaft ist eine wertvolle Rolle – doch sie erfordert Sensibilität, Rücksicht und klare Kommunikation. Nur so kann ein Miteinander entstehen, das allen drei Generationen guttut.

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