Wie sich Studierende auf dem Campus von „kostenlosen Seminaren“ zu teuren Lebensentscheidungen überreden lassen
(Oder: Warum ein Kuli mit Firmenlogo keine Altersvorsorge ist)
Das Phänomen: Finanzberater auf Beutetour
Sie schleichen in Horden über die Campuswiesen, lauern hinter Mensa-Tischen und locken mit Worten wie „kostenlos“, „Workshop“ oder „Kaffee“.
Die Rede ist natürlich von jenen Wesen, die sich Finanzberater nennen – im Fachjargon auch „Provisionssuchende Campus-Chamäleons“.
Ihre natürliche Beute: junge Menschen mit Null Erfahrung, Null Einkommen – aber maximalem Vertrauen in jeden, der „Excel für Einsteiger“ auf dem Plakat stehen hat.
Tarnung und Täuschung: So kommen sie an dich ran
Sie lächeln freundlich, verschenken Gummibärchen, erzählen was von „Selbstorganisation“ oder „Steuern leicht gemacht“ – und schwupps, sitzt du in einem Beratungsgespräch, das plötzlich verdächtig nach Rürup-Rente riecht.
Manche nennen das „Finanzbildung“.
Die Verbraucherzentrale nennt es „Vertragsfalle in drei Akten“.
Akt 1: „Hey, wir wollen nur helfen.“
Akt 2: „Du bist jung, du musst jetzt handeln!“
Akt 3: „Hier, bitte unterschreib hier, hier und hier – dann bist du fürs Leben abgesichert (und ich für diesen Monat bezahlt).“
Echte Geschichten vom Campus
Fall 1: Der Informatiker und die 8.000-Euro-Erleuchtung
Ein Hamburger Student wollte nur über Geld reden – am Ende hatte er keins mehr.
Ein Vertrag über FFP2-Masken war nichts dagegen: Seine Berufsunfähigkeitsversicherung kostete ihn bald mehr als die Miete. Zum Glück hatte er irgendwann ein Bauchgefühl – und das war lauter als der Finanzberater.
Heute hat er kein teures Kombi-Produkt mehr, sondern nur noch eine gesunde Skepsis und ein gut gefülltes Tagesgeldkonto.
Fall 2: Die Gratisberatung mit teuren Folgen
In Stuttgart versprach man einer Studentin „Finanzklarheit“. Bekommen hat sie stattdessen einen Vertrag, der komplizierter war als ihre Masterarbeit.
Typische Lockmittel
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„Kostenloser Excel-Kurs“ (mit Bonuskapitel: Wie man eigene Ausgaben schönrechnet)
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„Persönliches Coaching“ (bei dem dein Coach zufällig auch Versicherungen verkauft)
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„Netzwerken beim Segeln“ (wo dein Segelpartner zufällig dein neuer Anlageberater ist)
Verbraucherzentrale empfiehlt:
🧠 Nachdenken statt Nachzahlen.
Ein simpler Grundsatz: Wer dir Geld abnehmen will, meint es selten uneigennützig gut.
💬 Sag ruhig mal NEIN.
Du bist nicht unhöflich – du bist finanziell stabilisierend.
📈 Investiere in ETFs, nicht in Emotionen.
ETFs sind langweilig, ehrlich – aber sie rufen dich wenigstens nicht an, um dich zum Golfen einzuladen.
Wenn du schon unterschrieben hast
Keine Panik! (Aber vielleicht leichte Schweißausbrüche.)
Viele Verträge lassen sich widerrufen – und die Verbraucherzentrale hilft dabei.
Einfach dort anrufen, bevor dein Konto dich verlässt.
Das Fazit
Finanzberater auf dem Campus sind wie kostenlose Kekse in der Bib:
Verführerisch.
Trocken.
Und am Ende fragst du dich, warum du plötzlich für die nächsten 35 Jahre gebunden bist.
Merksatz:
Wenn jemand dir auf dem Campus „finanzielle Freiheit“ verspricht,
will er meistens nur seine eigene.
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