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Weltwirtschaftsforum: Frauen­gesundheit bleibt drastisch unterfinanziert – neuer Bericht fordert mehr Transparenz und gezielte Investitionen

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay
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Frauen stellen fast die Hälfte der Weltbevölkerung – doch in die Frauengesundheit fließen nur rund 6 % der privaten Gesundheitsinvestitionen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt der heute veröffentlichte „Women’s Health Investment Outlook 2026“ des Weltwirtschaftsforums.

Besonders kritisch: 90 % dieser ohnehin geringen Mittel konzentrieren sich auf nur drei Bereiche – gynäkologische Krebserkrankungen, reproduktive Gesundheit und Geburtshilfe. Andere Krankheiten, die Frauen besonders häufig oder in anderer Form betreffen, bleiben weitgehend unterfinanziert – etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Alzheimer oder die Wechseljahre.

„Männergesundheit galt lange als Standard für Forschung und Produktentwicklung – viele klinische Studien und Innovationen orientieren sich nach wie vor an männlicher Physiologie“, kritisiert Shyam Bishen, Leiter des Forumsbereichs Gesundheit und Gesundheitswesen. „Frauentypische Erkrankungen geraten dadurch systematisch ins Abseits.“

100-Milliarden-Dollar-Markt wird vernachlässigt

Dabei liegt laut Bericht gerade in diesen vernachlässigten Bereichen ein enormes wirtschaftliches Potenzial: Allein in den USA könnte sich der Markt für Behandlungen von Herz-, Knochen- oder kognitiven Erkrankungen bei Frauen bis 2030 auf über 100 Milliarden Dollar belaufen – sofern Versorgungslücken geschlossen werden.

Erkrankungen wie Endometriose, PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) oder Probleme mit der Menstruationsgesundheit, von denen Millionen Frauen weltweit betroffen sind, erhalten laut Studie hingegen weniger als 2 % der Investitionen in Frauengesundheit.

Hoffnungsschimmer: Erste Bewegung im Markt

Der Bericht nennt jedoch auch hoffnungsvolle Entwicklungen: Wachsende Investorennachfrage zeichne sich etwa ab in den Bereichen:

  • Krebstherapien für Frauen,
  • digitale Gesundheitsplattformen (etwa zur mentalen oder mütterlichen Gesundheit),
  • Longevity-Kliniken für Frauen in der Lebensmitte und
  • tragbare Geräte zur Stoffwechselüberwachung bei PCOS oder Schwangerschaftsdiabetes.

„Investoren begreifen Frauengesundheit zunehmend als Wachstumsmarkt, nicht mehr nur als Nische“, so Trish Stroman, Senior Partnerin bei der Boston Consulting Group. Das zeige auch der boomende Markt für In-vitro-Fertilisation.

Empfehlungen: Risiken teilen, Daten verbessern, Systeme modernisieren

Um diese Entwicklung zu stärken, schlägt der Bericht gezielte Maßnahmen vor:

  • Mehr Daten und Forschung zu frauenspezifischen Krankheitsbildern,
  • Transparenz bei Behandlungsergebnissen und wirtschaftlichen Erträgen,
  • Einsatz von Mischfinanzierungen aus öffentlichen, privaten und philanthropischen Quellen,
  • sowie moderne Regulierungs- und Erstattungssysteme, die neue Projekte erleichtern.

Der Bericht wird gemeinsam vom Weltwirtschaftsforum, der Boston Consulting Group und dem Women’s Health Investment Consortium getragen. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, die Investoren und Innovatoren weltweit zusammenbringt – für mehr Impact, Gerechtigkeit und Effizienz in der globalen Gesundheitsversorgung.


Hintergrund: Der Bericht wurde im Rahmen des Weltwirtschaftsforums 2026 in Davos veröffentlicht. Die Jahrestagung steht dieses Jahr unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ und bringt Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen.

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