Zum Welt-Sepsis-Tag rückt eine Volkskrankheit ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die trotz hoher Todeszahlen bisher vergleichsweise wenig Beachtung findet. Mehr als 56.000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, die die Politik auffordert, den Kampf gegen Blutvergiftungen (Sepsis) deutlich zu intensivieren.
Forderung nach besserer Aufklärung
Initiatorin Heike Spreter-Krick, selbst Betroffene, machte im Gespräch mit dem MDR deutlich, wie gefährlich die mangelnde Aufklärung ist: „Jeder kennt die Symptome von Schlaganfall und Herzinfarkt, nicht aber von Sepsis.“ Dabei könne das rechtzeitige Erkennen der typischen Warnsignale – wie hohes Fieber, Verwirrtheit oder rapide Verschlechterung des Allgemeinzustands – über Leben und Tod entscheiden. Studien zufolge sterben viele Patienten in Deutschland, weil die Krankheit zu spät erkannt oder zunächst falsch behandelt wird.
Politische Stimmen: Nachsorgezentren gefordert
Auch die Politik greift das Thema auf. Die sächsische Linke-Gesundheitspolitikerin Susanne Schaper forderte, Sepsis ähnlich zu behandeln wie Schlaganfälle. Dazu seien spezialisierte Nachsorgezentren nötig, die Patienten nicht nur in der akuten Krankheitsphase, sondern auch bei Langzeitfolgen unterstützen. Denn viele Überlebende leiden dauerhaft an Einschränkungen, etwa neurologischen Schäden oder chronischer Schwäche.
Hintergrund: Enorme Krankheits- und Todeszahlen
Die Dimension der Problematik ist groß:
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Jährlich erkranken in Deutschland Hunderttausende Menschen an Sepsis.
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Schätzungen zufolge sterben daran 40.000 bis 75.000 Betroffene pro Jahr – mehr als an Brust- oder Darmkrebs.
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Weltweit gilt Sepsis als eine der führenden Todesursachen, oft infolge von Infektionen, die durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst werden.
Trotz dieser Zahlen bleibt die Krankheit im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent. Fachgesellschaften kritisieren seit Jahren, dass Sepsis zu spät diagnostiziert wird und das medizinische Personal zu wenig geschult sei, um die Symptome zuverlässig zu erkennen.
Warum so wenig Aufmerksamkeit?
Im Gegensatz zu Herzinfarkt oder Schlaganfall fehlt Sepsis ein klar erkennbares „Laien-Symptom“. Zudem ist der Begriff „Blutvergiftung“ im Alltag zwar bekannt, wird aber oft verharmlost. Dadurch bleibt das Bewusstsein für die akute Lebensgefahr gering. Auch politisch hatte das Thema bisher wenig Gewicht, da es nicht durch eine einzelne Patientengruppe mit starker Lobby vertreten wird.
Ausblick
Die Petition mit mehr als 56.000 Unterstützern zeigt, dass das Thema in der Öffentlichkeit an Brisanz gewinnt. Ob daraus konkrete politische Maßnahmen entstehen – etwa Kampagnen zur Aufklärung, verbindliche Schulungen für medizinisches Personal oder die Einrichtung von Nachsorgezentren – hängt nun von der Bereitschaft der Verantwortlichen ab, Sepsis nicht länger im Schatten anderer Volkskrankheiten zu belassen.
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