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Was bei der Olympia-Eröffnung in Mailand wirklich passierte – und im Fernsehen kaum zu sehen war

qimono (CC0), Pixabay
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Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 war als großes Fernsehereignis konzipiert – bunt, emotional und global verständlich. Doch wer live im San-Siro-Stadion dabei war, erlebte deutlich mehr als das, was die TV-Zuschauer zu sehen bekamen: spontane Reaktionen, politische Untertöne, kleine Pannen und echte Stadionatmosphäre.

Schon vor dem offiziellen Beginn um 14.00 Uhr Ortszeit herrschte im Stadion Betrieb. Ein DJ und Moderatoren heizten das Publikum an, brachten den Zuschauern Tanzbewegungen bei und sorgten für eine Stimmung, die eher an ein europäisches Fußballspiel als an eine klassische Olympia-Zeremonie erinnerte. Trotz der Kälte war die Atmosphäre lebendig – auch wenn auffiel, dass das Stadion nicht vollständig gefüllt war. Vor allem in den oberen Rängen blieben etliche Plätze leer.

Italienische Identität in allen Farben

Die Eröffnung setzte früh auf starke Bilder: Eine farbenfrohe Inszenierung mit Figuren, die Italien symbolisieren sollten – darunter antike Römer, Bäcker, Design-Ikonen, die Mona Lisa und sogar als Kaffeemaschinen verkleidete Darsteller. Die visuelle Vielfalt sorgte für einen starken Auftakt, der vor Ort besonders intensiv wirkte.

Mariah Carey – beeindruckend und etwas eigenwillig

Einer der Höhepunkte war der Auftritt von Mariah Carey, der live jedoch anders wirkte als im TV. Ihr langsamer Gang zur Bühnenmitte – fast im Schneckentempo – war im Stadion deutlich spürbar. Ihre italienische Gesangseinlage überzeugte dennoch, nicht zuletzt dank eingeblendeter Textunterstützung. Für Schmunzeln sorgte das Ende: Während das Bühnenpersonal hastig abräumte, blieb Carey noch stehen – und verließ die Bühne ebenso gemächlich, wie sie sie betreten hatte.

Jubel für Mattarella – und Valentino Rossi

Großen Applaus erhielt Italiens Präsident Sergio Mattarella, der bei jeder Einblendung auf den Stadionleinwänden bejubelt wurde. Gleiches galt für Motorsport-Legende Valentino Rossi, dessen Popularität generationenübergreifend spürbar war.

Die Parade der Athletinnen und Athleten war aufgrund der dezentralen Austragungsorte ungewöhnlich gestaltet. Nicht alle Sportler waren vor Ort, dennoch fielen die Reaktionen des Publikums deutlich aus.

Begeisterung – und deutliche Buhrufe

Während Gastgeber Italien frenetisch gefeiert wurde, erhielten auch Nachbarländer wie Spanien, Deutschland und Frankreich viel Applaus. Am lautesten jedoch jubelte das Publikum der ukrainischen Delegation zu – es war der längste und geschlossenste Beifall des Abends für ein anderes Land.

Deutlich anders fiel die Reaktion bei Israel aus: Beim Einzug der Delegation kam es zu anhaltenden Buhrufen, die im Stadion unüberhörbar waren und mit der internationalen Kritik am Gaza-Krieg in Verbindung gebracht werden.

Auch die USA wurden zunächst positiv begrüßt – bis Vizepräsident JD Vance auf den Leinwänden erschien. Die Stimmung kippte prompt in Buhrufe. Hintergrund dürften Proteste in Mailand gegen die Trump-Regierung, insbesondere gegen die US-Migrationspolitik, gewesen sein.

Kälte, Bewegung und olympischer Alltag

Während die Zeremonie in Mailand lief, lichteten sich die Zuschauerränge an anderen Austragungsorten wie Livigno und Cortina d’Ampezzo – nicht zuletzt wegen eisiger Temperaturen und langer Programmpunkte.

Auch die Athleten selbst verhielten sich weniger formell als im TV sichtbar: Viele standen auf, wechselten Plätze, unterhielten sich mit Sportlern anderer Nationen oder erkundeten das Stadion. Spätestens zur Entzündung des olympischen Feuers jedoch richteten sich alle Blicke auf die Bühne – als das Feuer gleichzeitig in Mailand und Cortina entfacht wurde und das Stadion in Licht tauchte.

Ein stiller, menschlicher Ausklang

Nach dem offiziellen Ende blieb es überraschend lebendig: Athleten machten Gruppenfotos, tauschten Erinnerungen, und auch Olympia-Mitarbeiter nutzten die Gelegenheit für Begegnungen. Ein ruhiger, persönlicher Abschluss einer sonst hochinszenierten Veranstaltung – und vielleicht der Moment, der den olympischen Geist am besten widerspiegelte.

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