Bei jeder drohenden Naturkatastrophe – ob Schneesturm, Hurrikan oder Streik – sieht man immer wieder dasselbe Bild: Leere Supermarktregale, lange Schlangen an den Kassen, Hamsterkäufe von Milch, Brot, Eiern – und Toilettenpapier. Doch warum verfallen Menschen in solchen Situationen regelmäßig in Panik?
Laut Verhaltensökonom Hersh Shefrin von der Santa Clara University ist es vor allem die Angst, die unser Einkaufsverhalten steuert. „Angst führt dazu, dass wir extrem pessimistisch denken. Wir rechnen mit dem Schlimmsten – selbst wenn die Lage objektiv noch gar nicht so dramatisch ist“, erklärt er.
Ein weiterer Faktor ist die sogenannte Verfügbarkeitsheuristik. Solange niemand über eine Krise spricht, machen wir uns kaum Sorgen. Aber sobald Warnungen in den Medien kursieren und Freunde Vorräte anlegen, setzen auch bei uns die Panikmechanismen ein. Wir kaufen nicht nur aus Sorge vor Engpässen – sondern auch aus sozialem Druck. Der Gedanke, „alle anderen sind vorbereitet, nur ich nicht“, wirkt stark.
Interessanterweise kaufen Menschen oft Dinge, die ihnen aus vergangenen Krisen bekannt vorkommen. Wer schon einmal einen Hurrikan erlebt hat, greift im Schneesturm vielleicht zu denselben Produkten – auch wenn diese gar nicht zur aktuellen Situation passen.
Shefrin spricht von einem „selbsterfüllenden Kreislauf“: Sobald erste Menschen anfangen, große Mengen eines Produkts zu kaufen – etwa Toilettenpapier – ziehen andere nach. So entsteht tatsächlich der Mangel, den alle befürchten. Und je mehr Bilder leerer Regale wir sehen, desto mehr verstärkt sich dieser Effekt.
Was bleibt, ist ein Muster menschlichen Verhaltens: In unsicheren Zeiten suchen wir Kontrolle – und der Gang in den Supermarkt erscheint vielen als eine greifbare Maßnahme, um sich auf das Ungewisse vorzubereiten. Ob sie tatsächlich hilft, ist eine andere Frage.
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