Ob in Bars in Los Angeles oder bei Motto-Partys in New York City – Serien wie „Tell Me Lies“ und „Heated Rivalry“ entwickeln sich zu echten Kulturevents. Besonders Gen Z (geboren ca. 1997–2012) fiebert mit: Die Shows sind emotional aufgeladen, sexuell offen und voller leidenschaftlicher, teils toxischer Beziehungen.
Doch das wirkt paradox: Studien zeigen, dass Gen Z weniger Sex hat als frühere Generationen. Nur noch 32 % der Teenager hatten 2023 sexuelle Erfahrungen (gegenüber 47 % im Jahr 2013), und 24 % der 18- bis 29-Jährigen gaben an, im letzten Jahr gar keinen Sex gehabt zu haben.
Warum der Widerspruch nur scheinbar ist
Gesundheitsexpertin Virginia Gramarosso erklärt:
„Nur weil Gen Z weniger Sex hat, heißt das nicht, dass sie kein Interesse daran hat.“
Serien mit sexuellen Inhalten könnten eine Lücke füllen – eine Mischung aus Neugier, emotionalem Ausdruck und einem sicheren Raum, in dem man sich mit eigenen Wünschen beschäftigen kann.
Auch die Therapeutin Emily Morehead betont:
„Diese Serien können Diskussionen anstoßen – besonders da sexuelle Bildung oft lückenhaft ist, vor allem im LGBTQ+-Bereich.“
Warum „sexy Serien“ so viel mehr sind als Erotik
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Serien wie Tell Me Lies und Heated Rivalry zeigen nicht nur Sex, sondern auch emotionale Nähe, Konsens und echte Beziehungsdynamiken.
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Sie stammen oft aus modernen Buchvorlagen, die weibliche Lust und emotionale Komplexität ernst nehmen – als Gegenbewegung zur Pornokultur.
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Viele Zuschauer*innen sehen sich in den Ambivalenzen der Figuren wieder – etwa beim Ringen mit einer toxischen Beziehung, aus der man sich nicht lösen kann.
Sexuelles Medienverhalten und soziale Isolation
Gen Z zeigt allgemein eine risikovermeidende Tendenz: weniger Alkohol, weniger Sex, weniger Beziehungen. Das kann positiv sein – aber auch ein Zeichen für sozialen Rückzug, verstärkt durch die Pandemieerfahrungen.
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Das Konsumieren von „heißem Content“ wird zum emotionalen Ventil.
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Gleichzeitig betonen Expert*innen: Serien können echte zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzen.
Gramarosso:
„Es ist okay, sich mit solchen Inhalten zu beschäftigen. Aber sie sollten nicht anstelle echter Verbindung treten.“
Fazit
Der Hype um sexy Serien zeigt nicht, dass Gen Z sexbesessener ist – sondern, dass sie Zugang sucht zu Intimität, Kommunikation und emotionaler Verbindung. In einer unsicheren Welt und einem oft frustrierenden Datingalltag bieten Serien eine kontrollierte, identifikatorische und gleichzeitig aufklärende Form der Auseinandersetzung mit Liebe und Lust.
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