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Warum die USA trotz Rekordförderung an Venezuelas Öl interessiert sind

distelAPPArath (CC0), Pixabay
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„Drill, baby, drill!“ – mit diesem Slogan warb Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2024 für sinkende Energiepreise. Sein Ansatz: schnellere Genehmigungen für Ölbohrungen, häufigere Lizenzvergaben und eine Ausweitung der Förderung vor der US-Küste. Inzwischen richtet sich der Blick des US-Präsidenten auch nach Südamerika – konkret auf Venezuelas Ölreserven.

Dabei sind die Vereinigten Staaten bereits der größte Ölproduzent der Welt und fördern mehr Rohöl, als sie selbst verbrauchen. Warum also der Wunsch nach venezolanischem Öl?

Der Grund liegt weniger in der Menge als in der Qualität. „US-Raffinerien an der Golfküste sind auf die Verarbeitung von Schweröl spezialisiert“, erklärt Dean Lyulkin, Gründer des Investment-Newsletters The Dean’s List. Die heimische US-Förderung liefert jedoch überwiegend leichtes Rohöl.

Schweres Rohöl kommt vor allem in Ländern wie Venezuela, Mexiko, Kanada, Saudi-Arabien, Kuwait, Russland und Iran vor. Genau auf diese Sorte sind viele US-Raffinerien technisch ausgelegt.

Schweres und leichtes Rohöl – ein entscheidender Unterschied

Die Unterscheidung bezieht sich auf die Dichte des Öls. Leichtes Rohöl ist dünnflüssiger und einfacher zu raffinieren, etwa zu Benzin oder Kerosin. Schweres Rohöl hingegen enthält mehr Schwefel, gilt als „sauer“ und ist umweltbelastender, erfordert jedoch spezielle Raffinerietechnik.

Nach Angaben des Branchenverbands American Fuel & Petrochemical Manufacturers (AFPM) arbeiten rund 70 Prozent der US-Raffineriekapazitäten am effizientesten mit schwerem Rohöl. Entsprechend bestehen rund 90 Prozent der US-Ölimporte aus schwerem, schwefelhaltigem Rohöl.

Venezuelas strategische Bedeutung

Venezuela verfügt über die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven, überwiegend extra-schweres Rohöl aus dem Orinoco-Gürtel. Die Reserven werden auf rund 303 Milliarden Barrel geschätzt – mehr als in Saudi-Arabien. Sollte es den USA gelingen, sich einen verlässlichen Zugang zu diesen Lieferungen zu sichern, könnten sie ihre Abhängigkeit von anderen Schweröl-Lieferanten verringern und gleichzeitig mehr raffinierte Produkte wie Benzin und Diesel exportieren.

US-Außenminister Marco Rubio betonte Anfang Januar in der ABC-Sendung This Week, die Raffinerien an der Golfküste seien weltweit führend in der Verarbeitung von Schweröl. Angesichts eines globalen Mangels an dieser Rohölsorte sei das Interesse der Privatwirtschaft entsprechend groß.

Warum keine neuen Raffinerien für leichtes Öl gebaut werden

Der Bau neuer Raffinerien gilt als äußerst kostspielig und risikoreich. „Solche Projekte kosten Milliarden und brauchen Jahrzehnte, bis sie sich rechnen“, so Lyulkin. Der Branchenverband AFPM spricht von langwierigen Genehmigungsverfahren und erheblichen politischen Widerständen.

Zudem ist der Ausbau fossiler Infrastruktur umstritten. Kritiker verweisen auf den Klimawandel und die Notwendigkeit der Energiewende. Basav Sen vom Institute for Policy Studies warnte bereits im November, eine Deregulierung von Genehmigungsverfahren sei „eine katastrophale Idee“, da sie Emissionen und Umweltbelastungen erhöhen würde. Auch die Internationale Energieagentur fordert in ihrem „Net Zero by 2050“-Bericht einen Stopp neuer Investitionen in fossile Energien.

Sinkende Preise – zumindest theoretisch

Venezolanisches Öl könnte kurzfristig stabilisierend auf die Energiepreise wirken, sagen Experten. „Allein die Aussicht auf zusätzliche Kapazitäten kann preisdämpfend wirken“, so Lyulkin.

Doch bis zu nachhaltig niedrigeren Preisen dürfte es dauern. ExxonMobil-Chef Darren Woods machte bei einem Treffen mit Trump im Weißen Haus deutlich, dass Venezuela derzeit kein attraktiver Investitionsstandort sei. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machten das Land für internationale Konzerne faktisch uninvestierbar.

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