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Warum die Börse im Iran-Krieg erstaunlich gelassen bleibt

3844328 (CC0), Pixabay
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Der Krieg zwischen den USA und dem Iran erschüttert den Nahen Osten – doch an der Wall Street fällt die Reaktion bislang überraschend verhalten aus.

Am Montag stiegen die Ölpreise deutlich, Anleger flüchteten in Gold und den US-Dollar. Der S&P 500 hingegen schloss leicht im Plus. Selbst als der Dow Jones am Dienstag kurz nach Handelsbeginn um mehr als 1.200 Punkte einbrach, begrenzten Investoren die Verluste bis Handelsschluss auf rund 400 Punkte.

Das wirft eine Frage auf: Warum reagieren Aktienmärkte so nüchtern auf einen sich ausweitenden geopolitischen Konflikt?

Gewinne zählen mehr als Schlagzeilen

Für Aktienanleger stehen Unternehmensgewinne und Wachstumsaussichten im Vordergrund. Historisch betrachtet haben selbst größere geopolitische Ereignisse die langfristige Gewinnentwicklung US-amerikanischer Unternehmen selten nachhaltig beeinträchtigt.

„Konflikte sorgen oft für kurzfristige Volatilität, aber sie verändern in der Regel nicht die grundlegende Ertragskraft der Unternehmen“, sagte David Stubbs, Chefstratege bei AlphaCore Wealth Advisory.

Auch Jason Pride von Glenmede verweist darauf, dass geopolitische Krisen zwar kurzfristige Marktschwankungen auslösen, jedoch selten die langfristige Wachstumsdynamik bremsen.

Märkte haben Erfahrung mit Krisen

Ein Blick in die Vergangenheit stützt diese Einschätzung. Strategen der Carson Group analysierten 40 bedeutende geopolitische Ereignisse der vergangenen 85 Jahre – von militärischen Invasionen im Zweiten Weltkrieg bis hin zu jüngsten Spannungen im Nahen Osten.

Im Durchschnitt verlor der S&P 500 im ersten Monat nach solchen Ereignissen rund 0,9 Prozent, legte jedoch in den folgenden sechs Monaten um 3,4 Prozent zu.

Kurzfristige Nervosität sei typisch, so Marktstratege Ryan Detrick. Mittelfristig jedoch hätten sich Aktienmärkte meist stabilisiert und erholt.

Öl bleibt das größte Risiko

Das größte potenzielle Risiko für die Märkte liegt in einer nachhaltigen Störung der Energieversorgung. Die Straße von Hormus ist für rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports entscheidend. Eine längerfristige Blockade könnte die globale Wirtschaft empfindlich treffen.

Bislang gehen viele Marktteilnehmer jedoch davon aus, dass eine dauerhafte Unterbrechung unwahrscheinlich ist. Zudem war ein militärisches Eingreifen der USA im Vorfeld weithin erwartet worden, was den Überraschungseffekt begrenzte.

„Die militärische Aufrüstung war sichtbar. Vieles davon war bereits eingepreist“, so Stubbs.

Internationale Märkte reagieren stärker

Während US-Aktien relativ stabil blieben, fielen internationale Indizes deutlicher: Der japanische Nikkei verlor über drei Prozent, der deutsche DAX mehr als drei Prozent. Besonders unter Druck standen Reise- und Luftfahrtwerte.

KI überstrahlt den Krieg

Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Der US-Aktienmarkt wird stark von großen Technologieunternehmen dominiert. Themen wie Künstliche Intelligenz, solide Unternehmensgewinne und Zinssenkungserwartungen prägen die Kursentwicklung stärker als geopolitische Schlagzeilen.

Tatsächlich hatte erst kürzlich ein spekulatives Szenario über mögliche KI-Verwerfungen einen stärkeren Kurseinbruch ausgelöst als die aktuelle militärische Eskalation.

„Die Frage, wer von KI profitiert und wer verliert, bleibt das dominante Narrativ an den US-Börsen“, sagte Stubbs. „Für den amerikanischen Aktienmarkt ist das womöglich bedeutender als der Krieg im Iran.“

Ob diese Gelassenheit anhält, hängt vor allem davon ab, wie lange der Konflikt andauert – und ob er die globalen Energieflüsse ernsthaft beeinträchtigt. Bislang jedoch setzt die Wall Street darauf, dass Gewinne wichtiger sind als Geopolitik.

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