Stand: gefühlt fünf Minuten vor der Auswanderung
Schleswig-Holstein greift durch. Erst Diskussionen über Social Media Verbot, dann die Zuckersteuer-Debatte – und jetzt sollen auch noch Energy-Drinks für unter 16-Jährige aus den Regalen verschwinden. Man fragt sich: Packt die Jugend schon die Koffer Richtung Dänemark – oder reicht es noch bis Hamburg?
Im Landtag war man sich jedenfalls einig: Zucker + Koffein + Taurin = keine gute Idee für Kinder. Eine Fachärztin vom UKSH berichtet, dass sie viele junge Patientinnen und Patienten erst sieht, wenn das Kind im wahrsten Sinne schon in den Zuckerwürfel gefallen ist – mit Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes mit 12.
Denn, so erklärt sie: Die Ernährung prägt uns schon im Mutterleib. Übersetzt: Wenn Mama im Schwangerschaftsmonat sieben schon literweise Limo trinkt, bestellt der Nachwuchs innerlich vielleicht gleich die Familienpackung Gummibärchen mit.
20 Würfelzucker im Turbo-Döschen
CDU-Politikerin Anette Röttger rechnete im Landtag vor: Eine 500-Milliliter-Dose Energy-Drink enthält rund 60 Gramm Zucker – das sind 20 Stück Würfelzucker. Also praktisch ein flüssiger Adventskalender. Nur ohne Türchen. Und mit Herzrasen.
Die schwarz-grüne Koalition will deshalb Werbung und Verkauf an unter 16-Jährige verbieten. Prävention per Paragraf. Der SSW stimmt zu, FDP und SPD sagen: Ja, Zucker ist doof – aber bitte nicht alles nach Berlin delegieren. Man könne ja auch mal selbst was machen. Zum Beispiel gesünderes Essen in Kitas und Schulen. Revolutionärer Gedanke.
„Kinder brauchen unseren Schutz“
Verbraucherschutzministerin Cornelia Schmachtenberg formuliert es staatstragend: „Kinder brauchen unseren Schutz.“ Das klingt nach Superheldenumhang – nur eben ohne Energy-Drink als Antrieb.
Die Grünen ergänzen: Energy-Drinks passen perfekt in einen stressigen, digitalen Alltag. Kinder verwechseln Botschaft und Identität. Oder anders gesagt: Wer „Extreme Power Ultra Mega Boost“ trinkt, ist leider trotzdem kein Marvel-Charakter.
Zuckersteuer – das nächste Kapitel
Parallel schwebt weiterhin die Zuckersteuer über dem Land. Gezuckerte Getränke teurer machen? Für manche klingt das nach Gesundheitsvorsorge, für andere nach „Jetzt nehmen sie uns auch noch die Cola weg“.
Die Ärztin vom UKSH sieht täglich, was passiert, wenn der Körper irgendwann sagt: „Sorry, Bauchspeicheldrüse ist voll.“ Dann klappt das mit dem Insulin nicht mehr – und plötzlich hat man mit 14 Diabetes Typ 2. Nicht ganz das Teenie-Highlight, das man sich wünscht.
Bleibt die Frage …
Wenn Energy-Drinks verboten, Zucker besteuert und Handys reguliert werden – zieht es Schleswig-Holsteins Jugend dann in Scharen über die Landesgrenze? Nach Mecklenburg-Vorpommern? Nach Niedersachsen? Ins gelobte Land der koffeinhaltigen Freiheit?
Oder ist es vielleicht doch ganz clever, 20 Würfelzucker nicht als Durstlöscher zu verkaufen?
Bis dahin gilt: Wer unter 16 ist, muss sich seinen Zuckerschock künftig womöglich wieder klassisch verdienen – mit einer Tüte Gummibärchen vom Kiosk. Ganz ohne Gesetzesentwurf.
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