Und Grönland ist auch wieder schuld.
Die internationale Finanzwelt zittert – nicht etwa wegen Inflation, Krieg oder Krisen –, sondern weil der US-Dollar derzeit tut, was keine Währung tun sollte: Er wird schwächer. Richtig schwach. Fitnessstudio gekündigt, Proteinshake abgesetzt, einfach mal losgelassen. Das wiederum bringt ausgerechnet die Europäische Zentralbank (EZB) in Bedrängnis, denn ein starker Euro ist zwar nett für den Urlaub in Florida, aber schlecht fürs Exportgeschäft.
OeNB-Chef Martin Kocher, seit Neuestem auch hauptberuflich Orakel der „Financial Times“, ließ am Mittwoch zwischen den Zeilen durchblicken: Wenn der Euro weiter zulegt, muss man möglicherweise das letzte verbliebene geldpolitische Hobby wieder aufnehmen – die gute alte Zinssenkung. Noch sei nichts entschieden, aber man halte sich, Zitat, „alle Optionen offen“. Finanzpolitisch übersetzt: Wir wissen auch nicht weiter, aber wir tun so.
Lagarde schweigt – vielleicht googelt sie noch „Euro-Aufwertung“
EZB-Chefin Christine Lagarde hat sich zu alledem noch nicht geäußert. Vielleicht liest sie gerade Zeitung, vielleicht sucht sie im DAX nach einer Richtung. Vielleicht wartet sie auch nur auf die nächste Laune von Fed-Chef Jerome Powell, dessen Pressekonferenz am Mittwoch mit Spannung erwartet wird – immerhin steht das Schauspiel diesmal unter dem Motto: „Zinsen, Ermittlungen und ein Präsident mit Personalproblemen“.
Dollar schwach – Schuld ist Grönland (natürlich)
Doch warum ist der Dollar überhaupt im Sinkflug? Ökonomen verweisen auf altbekannte Faktoren: geopolitische Spannungen, Handelsungleichgewichte – und Donald Trump. Der Ex-Präsident sorgte für Irritationen, nachdem er angeblich erneut Grönland annektieren wollte – oder war’s diesmal Island? Sicher ist nur: Wo Trump ist, da ist der Dollar nicht weit vom Abgrund entfernt.
Kocher bleibt cool: „Moderat“ sei die Euro-Stärke – also quasi nichts, was ein Espresso nicht lösen könnte
Trotz aller Turbulenzen sieht Kocher derzeit keinen Grund für Panik: Die Kursgewinne des Euro seien „moderat“. In Zentralbank-Deutsch heißt das: Wir schauen mal, ob sich das Problem nicht von selbst erledigt. Und wenn nicht, senken wir halt die Zinsen und hoffen, dass niemand merkt, dass wir damit seit Jahren nur Symptome statt Ursachen bekämpfen.
Schweizer Franken auf Höhenflug: Die neutrale Währung mit dem Adrenalinschub
Während der Euro aufwertet und der Dollar schwächelt, macht der Schweizer Franken, was der Schweizer Franken immer macht: Er zieht sich zurück in die Berge, pfeift auf Weltpolitik und erreicht unauffällig ein Zehnjahreshoch. Ein Dollar ist inzwischen weniger wert als ein Zürcher Espresso – und der kostet bekanntlich 7 Franken.
Trump zufrieden: „Dem Dollar geht’s großartig!“
Aus dem Exil, vermutlich einem Golfplatz in Florida, verkündet Trump derweil: „Dem Dollar geht’s großartig!“ Die Märkte reagierten darauf mit einer Mischung aus Lachanfall und Panikattacke. Insider vermuten, Trump könne bald seine eigene Währung einführen: den „TRM-Dollar“ – gedeckt durch Tweets, Golfbälle und alternative Fakten.
Und was macht die EZB? Nun ja… sie denkt nach. Vielleicht. Bald.
Fazit: Der Euro wird stärker, der Dollar schwächer, die EZB nervöser, und Kocher „vorsichtig optimistisch“. Alles bleibt also wie immer: unberechenbar, kompliziert – und von Grönland bis Frankfurt ein einziges Theater. Immerhin wissen wir jetzt: In der Welt der Währungen ist Satire manchmal näher an der Wahrheit als jeder Wirtschaftsteil.
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