Das Smartphone ist für viele längst kein bloßes Kommunikationsmittel mehr, sondern ein ständiger Begleiter im Alltag – bei Jugendlichen sogar rund um die Uhr. Fachleute sprechen von einer regelrechten Volkskrankheit, da das Nutzungsverhalten vieler junger Menschen bereits suchtähnliche Züge angenommen hat. In Österreich haben Experimente mit Schülern dieses Phänomen eindrucksvoll bestätigt.
Das Experiment: 48 Stunden ohne Smartphone
An mehreren Schulen in Österreich wurde Schülerinnen und Schülern im Rahmen eines Projekts angeboten, ihre Handys für zwei Tage abzugeben. Das Ziel: herauszufinden, wie schwer es Jugendlichen fällt, auf das Gerät zu verzichten – und welche Folgen der „Entzug“ mit sich bringt.
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Bereits nach wenigen Stunden traten erste Unruhe, Nervosität und Stresssymptome auf.
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Viele berichteten von einem ständigen Griff in die Tasche, obwohl kein Handy mehr vorhanden war – ein klassisches Suchtmerkmal.
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Am stärksten fiel der Verzicht auf, wenn es um soziale Kontakte in Messenger-Diensten und sozialen Medien ging. Die Angst, etwas zu verpassen („Fear of Missing Out“) wurde besonders deutlich.
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Einige gaben an, dass sie sich plötzlich isoliert und abgeschnitten fühlten, obwohl sie real von Freunden und Familie umgeben waren.
Psychische und körperliche Folgen
Die Wissenschaft spricht bereits von „Smartphone-Sucht“, wenn Nutzung und Kontrollverlust ähnlich wie bei anderen Abhängigkeiten auftreten. Symptome sind:
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Schlafprobleme durch ständige Erreichbarkeit,
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Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule,
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innere Unruhe und Gereiztheit ohne Handy,
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körperliche Haltungsschäden durch exzessive Nutzung (Stichwort „Handy-Nacken“).
Mediziner warnen, dass gerade Jugendliche besonders gefährdet sind, da sich Belohnungssysteme im Gehirn noch entwickeln. Likes, Nachrichten und Push-Meldungen wirken wie kleine Dopaminschübe und können süchtig machen.
Reaktionen der Schüler
Während einige Teilnehmer des Experiments den Verzicht als unangenehm empfanden, berichteten andere auch von positiven Erfahrungen:
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„Plötzlich hatte ich mehr Zeit für echte Gespräche mit Freunden.“
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„Ich habe wieder ein Buch gelesen – das mache ich sonst nie.“
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„Nach dem ersten Stress war es irgendwie befreiend.“
Das zeigt, dass der bewusste Umgang mit dem Smartphone durchaus erlernbar ist, wenn junge Menschen entsprechende Unterstützung erhalten.
Forderungen von Experten
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Aufklärung und Medienkompetenz: Schulen sollen nicht nur Technik vermitteln, sondern auch reflektierten Umgang mit digitalen Geräten lehren.
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Digitale Pausen: Bewusste Handy-freie Zeiten am Tag können helfen, Abhängigkeit zu reduzieren.
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Vorbildfunktion der Eltern: Wenn Erwachsene selbst ständig am Handy hängen, fällt es Kindern schwer, Grenzen einzuhalten.
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Therapieangebote: Bei schweren Fällen von Suchtverhalten fordern Psychologen spezialisierte Beratungsstellen.
Fazit
Die Experimente in Österreich verdeutlichen, dass Smartphone-Sucht längst nicht mehr nur ein Schlagwort ist, sondern für viele Jugendliche Realität. Während die Geräte unbestreitbar Chancen in Kommunikation und Bildung bieten, wächst die Gefahr, dass junge Menschen in eine digitale Abhängigkeit geraten. Der bewusste Umgang, klare Regeln und Alternativen im Alltag sind entscheidend, um aus der „Volkskrankheit Smartphone-Sucht“ keine verlorene Generation werden zu lassen.
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