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Vivavolt – Energie wie ihr wollt oder doch mit Nebenbedingungen?

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„Keine Einmal- oder Vorabkosten“, „bis zu 100 % Stromkostenersparnis“, „maximale Effizienz“ – Vivavolt wirbt offensiv mit einem Rundum-sorglos-Paket für Photovoltaik, Wärmepumpe und Wallbox. Das Angebot klingt verlockend: Eigenen Strom erzeugen, unabhängiger werden, Energiekosten drastisch senken.

Doch wie belastbar sind diese Versprechen? Und worauf sollten Verbraucher achten, damit aus „Vivavolt“ nicht irgendwann „Adieuvolt“ wird?

Das Geschäftsmodell: Komplettsystem statt Einzelanlage

Im Zentrum steht „Vivavolt MAX“ – ein Paket aus:

  • Photovoltaikanlage

  • optional Wärmepumpe

  • App-Steuerung

  • dynamischem Stromtarif „Vivavolt Flex“

  • intelligentem Messsystem (iMSys)

Das Unternehmen verspricht damit „bis zu 100 % Stromkostenersparnis“ im Vergleich zu Haushalten ohne das System. Allerdings findet sich im Kleingedruckten eine wichtige Einschränkung:

Eine vollständige Stromkostenfreiheit (100 %) kann nicht garantiert werden.

Die tatsächliche Ersparnis hängt laut Anbieter von individuellen Faktoren ab – darunter Dachausrichtung, Verschattung, Stromverbrauch, Nutzung von E-Auto oder Wärmepumpe sowie der Entwicklung der Börsenstrompreise.

Das relativiert die plakative Werbeaussage deutlich.

Dynamischer Stromtarif: Chance – und Risiko

Vivavolt Flex basiert auf einem dynamischen Stromtarif. Das bedeutet: Der Strompreis orientiert sich am Börsenpreis und schwankt stündlich.

Vorteil: Wer flexibel verbraucht (z. B. E-Auto nachts lädt oder Wärmepumpe bei günstigen Zeiten betreibt), kann sparen.

Risiko: Bei stark steigenden Börsenpreisen – etwa in Energiekrisen – kann der Tarif auch deutlich teurer werden. Verbraucher tragen das Marktrisiko direkt mit.

Wer keine Flexibilität im Verbrauch hat, profitiert womöglich weniger als in Beispielrechnungen dargestellt.

„Keine Vorabkosten“ – was heißt das konkret?

Vivavolt wirbt mit „keinen Einmal- oder Vorabkosten“. In der Praxis bedeutet das häufig:

  • Finanzierung über Ratenmodell

  • langfristige Vertragsbindung

  • oder Einbindung externer Finanzierungspartner

Hier sollten Verbraucher genau prüfen:

  • Wer ist Vertragspartner?

  • Wie lange läuft der Vertrag?

  • Welche Kündigungsfristen gelten?

  • Was passiert bei Umzug oder Verkauf des Hauses?

Gerade bei Komplettsystemen entstehen oft langfristige Verpflichtungen über 15–20 Jahre.

Kooperationen und Ausführungspartner: Transparenz entscheidend

Vivavolt betont Beratung, Projektbegleitung und Netzwerkkompetenz. Wichtig ist jedoch die Frage:

Wer installiert tatsächlich?

In der Branche ist es üblich, dass Vertriebsunternehmen mit externen Montagefirmen oder Projektpartnern arbeiten. Die Qualität der Ausführung hängt also stark vom jeweiligen Auftragnehmer ab.

Verbraucher sollten konkret klären:

  • Wer ist mein Vertragspartner?

  • Wer haftet bei Mängeln?

  • Wer ist zuständig bei Garantiefällen?

  • Wer übernimmt Wartung und Service langfristig?

Insbesondere bei Vermittlungsmodellen kann es später zu Zuständigkeitsfragen kommen.

Factoring – was Verbraucher wissen sollten

In der Solarbranche wird häufig mit sogenannten Factoring-Modellen gearbeitet.

Was ist Factoring?

Dabei verkauft das installierende Unternehmen seine Forderung (also Ihre Rechnung oder Finanzierungsforderung) an ein Finanzinstitut. Der Kunde zahlt dann nicht mehr an den ursprünglichen Anbieter, sondern an eine Bank oder einen Finanzdienstleister.

Mögliche Nachteile:

  • Die Bank bleibt Forderungsinhaber, auch wenn es Streit über Mängel gibt

  • Zahlungsverpflichtungen laufen unabhängig von offenen Reklamationen

  • Komplexere Rechtslage bei Gewährleistungsfragen

Verbraucher sollten daher:

  • Keinesfalls vorschnell Einverständniserklärungen unterschreiben

  • Sich alle Finanzierungsbedingungen schriftlich erklären lassen

  • Bei Unsicherheit unabhängige Beratung einholen

Wärmepumpe und Effizienzversprechen

Vivavolt bewirbt unter anderem Vaillant-Wärmepumpen mit hoher Effizienz und niedriger Lautstärke (27,5 dB(A)).

Grundsätzlich gelten Wärmepumpen als sinnvolle Technologie – allerdings nur bei:

  • ausreichender Gebäudedämmung

  • passenden Vorlauftemperaturen

  • korrekter Planung und Auslegung

Im Altbau kann eine Wärmepumpe wirtschaftlich sein – muss aber individuell geprüft werden. Eine pauschale Wirtschaftlichkeitszusage ist seriös nicht möglich.

Bewertungen: Positiv, aber noch überschaubar

Auf der Website werden 33 Rezensionen mit 4,9 Sternen angezeigt. Das ist ein gutes Signal – allerdings bei relativ kleiner Bewertungsbasis.

Für Interessenten gilt:

  • Bewertungen auf mehreren unabhängigen Plattformen prüfen

  • Nach Referenzprojekten fragen

  • Mit bestehenden Kunden sprechen

Worauf Verbraucher besonders achten sollten

Bevor ein Vertrag unterschrieben wird:

  1. Gesamtkosten über die komplette Laufzeit berechnen

  2. Sensitivitätsrechnung bei steigenden Strompreisen durchführen

  3. Finanzierung und Factoring prüfen

  4. Vertragspartner eindeutig klären

  5. Gewährleistungs- und Servicekonzept schriftlich fixieren

  6. Unabhängigen Energieberater oder Juristen einbeziehen

Fazit: Potenzial ja – aber mit realistischen Erwartungen

Photovoltaik und Wärmepumpe können wirtschaftlich sinnvoll sein. Dynamische Tarife können zusätzliche Einsparungen ermöglichen.

Doch Werbeaussagen wie „bis zu 100 % Ersparnis“ sollten als Best-Case-Szenario verstanden werden – nicht als Garantie.

Vivavolt präsentiert sich als engagierter Anbieter mit Beratungskompetenz und schneller Umsetzung. Entscheidend wird sein, wie transparent Vertragsgestaltung, Partnerstruktur und Finanzierung im Einzelfall sind.

Energieunabhängigkeit ist möglich – aber sie erfordert genaue Prüfung.

Denn nachhaltige Energie sollte langfristig Sicherheit geben – nicht neue Unsicherheiten schaffen.

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