Ein Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev über die Risiken vermeintlich attraktiver Zinsangebote im Netz
Frage: Frau Bontschev, Zinsportale im Internet versprechen oft sensationell hohe Renditen. Warum ist hier besondere Vorsicht geboten?
Bontschev: Weil viele dieser Angebote nichts weiter sind als Köder. Es gibt eine Vielzahl an betrügerischen Seiten, die professionell aussehen, aber nur dazu dienen, Anleger abzuzocken oder an deren Daten zu kommen. Die Masche ist simpel: Versprochen werden Zinsen, die seriöse Banken nie zahlen würden. Verschwinden die Seiten nach einer Warnung, tauchen die Täter mit einer neuen Domain wieder auf – mit neuen Logos, Siegeln und erfundenen Identitäten.
Frage: Welche Warnzeichen sollten Anleger sofort stutzig machen?
Bontschev: Ganz klar: unrealistisch hohe Zinsen im Vergleich zu etablierten Angeboten. Wer 6 Prozent oder mehr für kurze Laufzeiten verspricht, der lügt fast immer. Ebenso problematisch sind Webseiten ohne vollständiges Impressum oder mit „virtuellen Büros“ als Adresse. Auch Rechtschreibfehler oder dubiose Domain-Endungen wie .xyz oder .io sind rote Flaggen. Und: Seriöse Banken setzen Anleger nicht mit Zeitdruck unter Druck – „nur heute gültig“ ist ein typischer Trick der Abzocker.
Frage: Welche konkreten Schritte empfehlen Sie, um die Seriosität eines Portals zu prüfen?
Bontschev:
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Vergleichen: Den angebotenen Zins mit realistischen Marktwerten abgleichen.
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Recherchieren: BaFin-Datenbank und Warnlisten konsultieren. Einfach den Firmennamen plus „Betrug“ googeln.
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Kontrollieren: Bei der angeblichen Partnerbank direkt nachfragen, ob es diese Kooperation wirklich gibt.
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Technisch prüfen: SSL-Verschlüsselung (https), Domain-Alter, professionelles Design.
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Adresse checken: Per Google Maps oder Handelsregister feststellen, ob die Firma wirklich existiert.
Frage: Manche Anleger sagen: „Aber ich habe doch sogar Geld ausgezahlt bekommen.“ Täuscht das nicht Sicherheit vor?
Bontschev: Genau, das ist Teil der Masche. Oft werden kleine Summen zurückgezahlt, um Vertrauen zu gewinnen. Die Anleger investieren dann noch mehr – und verlieren am Ende alles. Auch schriftliche „Garantien“ sind in solchen Fällen völlig wertlos.
Frage: Was raten Sie, wenn man doch hereingefallen ist?
Bontschev: Unbedingt Strafanzeige stellen. Auch wenn es peinlich ist: Nur so haben Geschädigte überhaupt eine Chance, Geld zurückzubekommen. Es gibt Fälle, in denen Behörden Vermögenswerte der Täter sichern konnten, die dann an Anleger zurückflossen.
Frage: Zum Schluss: Gibt es einen simplen Merksatz für Anleger?
Bontschev: Ja. Wenn ein Angebot zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das auch. Lieber seriöse Vergleiche nutzen, auf Einlagensicherung achten – und niemals auf Zeitdruck oder Telefonwerbung hereinfallen.
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