Die US-Regierung unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat mit ihren neuen Ernährungsempfehlungen für erhebliche Verwirrung gesorgt. Statt wie bisher konkrete Richtwerte zu nennen – etwa ein Drink pro Tag für Frauen, zwei für Männer – heißt es nun nur noch vage: „Trinken Sie weniger Alkohol“.
Die neue Linie markiert einen radikalen Bruch mit früheren Empfehlungen. Statt konkreter Angaben gibt es jetzt pauschale Hinweise wie „Vermeiden Sie Alkohol ganz, wenn Sie bestimmte Gesundheitsprobleme haben“. Gesundheitswissenschaftler und Ernährungsexperten kritisieren das als zu unspezifisch – und warnen vor gesundheitlichen Folgen.
„Jede Menge Alkohol birgt ein gewisses Risiko – und je mehr man trinkt, desto größer ist dieses Risiko“, sagt Christopher Kahler, Direktor des Zentrums für Alkohol- und Suchtforschung an der Brown University. „Aber in den neuen Richtlinien wird über Risiken nicht mehr gesprochen.“
Krebsrisiko ignoriert?
Brisant: Zwei externe Fachkommissionen hatten die Regierung im Vorfeld deutlich vor Alkohol gewarnt. Eine der Studien zeigte, dass das Brustkrebsrisiko mit jedem Drink steigt. Eine andere kam zum Schluss, dass bereits sehr geringe Mengen Alkohol mit einem höheren Sterberisiko verbunden seien – und mit sieben Krebsarten in Verbindung stehen.
Trotzdem entschied sich die Regierung laut internen Dokumenten dazu, die Erkenntnisse dieser Kommissionen nicht zu berücksichtigen.
Dr. Oz: „Kein Alkohol zum Frühstück“
Dr. Mehmet Oz, Chef der US-Krankenversicherungsbehörde, versuchte bei einer Pressekonferenz am 7. Januar zu relativieren: Alkohol sei ein „sozialer Katalysator“, aber „im besten Fall sollte man gar keinen trinken“. Mit einem Lächeln fügte er hinzu: „Es steht in den Ernährungsempfehlungen, aber es heißt: Kein Alkohol zum Frühstück, okay?“
Oz bestritt außerdem, dass es je belastbare Daten für die früheren Empfehlungen – ein Drink für Frauen, zwei für Männer – gegeben habe. Die Zahlen seien eher durch Daten zur sozialen Interaktion verfälscht worden.
Experten fordern klare Orientierung
Teresa Fung, Ernährungswissenschaftlerin aus Boston, hält die neue Linie für unbrauchbar: „Was heißt ‚weniger trinken‘? Wenn jemand bisher ein Sixpack am Tag trinkt, soll er jetzt fünf trinken? Und wer einmal im Monat trinkt – muss er auch weniger trinken?“
Auch Kahler betont: Die alten Richtlinien gaben Ärzten, Forschenden und Bürgern eine klare Orientierung. „Vielleicht wirkten sie wie eine Lizenz zum Trinken. Aber sie ermöglichten eine nüchterne Auseinandersetzung mit der eigenen Gewohnheit.“
Politischer Druck statt Gesundheitsschutz?
Mike Marshall von der US-Alkohol-Politikallianz spricht von einem „verpassten Moment“. Seine Organisation hatte sich für eine Reduktion der Empfehlung auf einen Drink pro Tag auch für Männer eingesetzt. Ein Gespräch mit Kennedy oder seinem Team habe nie stattgefunden.
Marshall verweist auf Studien: Bei sieben Drinks pro Woche liegt das Risiko eines alkoholbedingten Todes bei 1 zu 1.000. Bei 14 Drinks wöchentlich steigt es auf 1 zu 25.
„Es ist enttäuschend, frustrierend – und am Ende wird es amerikanischen Familien schaden“, so Marshall.
Wobei, solch einen Präsidenten kann man nur „besoffen“ ertragen.
Kommentar hinterlassen