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Verdi erhöht den Druck: Streiks bei Amazon und SportScheck Stationär zum Black Friday

niekverlaan (CC0), Pixabay
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Mitten im größten Rabattwochenende des Jahres eskaliert der Konflikt zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den Handelsriesen Amazon sowie SportScheck Stationär. Verdi hat für den Black Friday zu breit angelegten Streiks in mehreren Logistikzentren aufgerufen – und setzt damit gezielt auf den Zeitpunkt, an dem jede Verzögerung im Versand besonders schmerzt.

„Für die Beschäftigten ist jeden Tag Black Friday“

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer kritisiert die Arbeitsbedingungen deutlich. Die jährliche Rabattschlacht sei für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kein Ausnahmezustand, sondern Dauerzustand:

„Für unsere Kolleginnen und Kollegen bei Amazon und SportScheck Stationär herrscht angesichts von Arbeitsverdichtung und Willkür-Bezahlung das ganze Jahr Black Friday. Die Beschäftigten brauchen gute Arbeitsbedingungen und eine anständige Vergütung für alle anstatt Bezahlung, wie es den Unternehmen gerade in den Kram passt.“

Laut Verdi berichten Beschäftigte immer wieder von starkem Leistungsdruck, unvorhersehbaren Schichtplänen und einem Lohnsystem, das weder transparent noch nachvollziehbar sei.

Tarifbindung statt Willkür – darum geht es im Kern

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Tarifbindung.
Verdi fordert, dass Amazon und SportScheck Stationär Löhne und Arbeitsbedingungen nach allgemein gültigen Tarifverträgen bezahlen – etwas, das beide Unternehmen bislang ablehnen.

Für Verdi ist das ein Systemproblem:

  • Arbeitsverdichtung durch hohe Taktzahlen im Lager

  • Kontrolle durch digitale Leistungsüberwachung

  • Flexibel einsetzbare Arbeitskräfte ohne verlässliche Planung

  • Entgeltstrukturen, die von Standort zu Standort variieren

„Willkür-Bezahlung“ ist ein Begriff, den die Gewerkschaft bewusst scharf setzt, um zu verdeutlichen: Das Entgelt hängt aus ihrer Sicht zu oft davon ab, „wie es dem Unternehmen gerade passt“.

Strategischer Streikzeitpunkt – mitten im Hochbetrieb

Der Black Friday gehört zu den wichtigsten Tagen im Onlinehandel. Amazon generiert an diesem Wochenende traditionell Rekordumsätze, und auch SportScheck Stationär rechnet mit einem Ansturm auf seine Angebote.

Der Streik soll daher maximale Wirkung entfalten:

  • Lieferverzögerungen sind möglich, insbesondere in Regionen mit zentralen Logistikstandorten.

  • Verdi erhofft sich, dass der wirtschaftliche Druck das Management an den Verhandlungstisch bringt.

Ob sich der Arbeitskampf tatsächlich spürbar auf den Versand auswirkt, bleibt abzuwarten – Amazon setzt traditionell auf breite Netzwerke und hohe Automatisierung, um Ausfälle abzufedern.

Branchenweite Signalwirkung

Arbeitsrechtsexperten sehen im Konflikt eine größere Dimension:
Die Auseinandersetzung gilt als Teil eines europaweiten Ringens um faire Arbeitsbedingungen im boomenden E-Commerce-Sektor. Viele Unternehmen setzen auf flexible, aber stark belastende Arbeitsmodelle, während Gewerkschaften versuchen, diesen Standards Grenzen zu setzen.

Der Streik am Black Friday ist somit mehr als nur eine Protestaktion – er ist ein Symbol für den Kampf um Anerkennung, faire Löhne und humane Arbeitsbedingungen im Onlinehandel.

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